26.2.07

neue Heimat

Hallo Freunde

ich bin neuerdings bei myspace.com/dave_courago - well spelling is no correct, but blogspot does not allow referencing to ohter sites....put some www to the soup and just do it!

12.2.07

dave_courago

dave_courago
live is a bitch!
we keep on bitching - will say living, so do not hesitate to come back to this site, it is not dead yet!!!!!!

10.7.06

Zyankali oder Semtex?

Somit hatte ich meine Dienstwaffe, aber keinen Dienst. „Aye, aye, Captain!“ Pohl was Pohl gebührt. Mit einem leichten Lächeln quittierte er meine Bemerkung, als sich unsere Blicke im Rückspiegel kreuzten. „Du hast das Zeug.“
Von was er jetzt redete war mir nicht ganz klar, aber das liess ich mir nicht ansehen. Gekonnt hantierte ich mit der Waffe und überzeugte mich, dass sie auch wirklich geladen war. Ich wollte sie ja nicht nur zum rumzeigen. Durchladen, entladen, die ausgestossen Patrone wieder ins Magazin. Alles Bewegungen, die mir geläufig waren, aber unser Instruktor hat uns immer wieder gesagt, „wenn ihr eine Waffe zum ersten Mal in den Fingern habt, dann durchlauft immer, ich wiederhole, immer eine Lade, Entlade Zyklus, sonst könnt ihr nicht wissen, ob ihr eine Waffe oder ein Stück Seife in den Fingern habt.“ Das mit der Seife hätte man ja auch raus finden können, indem man daran leckt, aber meine Art von Humor kommt nicht immer an.
Mit kreischenden Reifen kamen wir zu stehen. Noch bevor der Wagen angehalten hatte, war Pohl schon draussen und suchte fieberhaft nach dem Gullideckel. Ich liess ihn eine Weile suchen. Wie es der Zufall so will, stand der Wagen genau darüber.
Als Pohl fluchend um die nächste Ecke rannte, um zu sehen, ob der Einstieg/Ausstieg da drüben lag, liess ich die Fahrerin zurücksetzen. Mit dem Stemmeisen aus dem Werkzeugkasten des Streifenwagens hob ich ihn an und spähte in die Tiefe. Dunkel wie die Nacht und anrüchig wie ein Abort der Autobahnraststätten im Hochsommer.
„Pohl, hier ist das Loch, das du suchst.“
Er kam um die Ecke geschossen und stieg, ohne ein Wort zu sagen, in die dunkle Röhre. Zu zweit waren wir wohl unschlagbar. Er die Beziehungen, ich die Brillanz, eine tödliche Mischung für alle Übeltäter dieser Welt. Ich hinter ihm her, wobei es noch ein kleines Gerangel mit der Chauffeuse gab, die sich natürlich bei ihrem Chef einschmeicheln wollte. Vor allem hatte sie etwas gut zu machen, nach dem Anschnauzer von vorhin. Aber ich konnte mich fast durchsetzen, hätte dann aber zuviel mit den Ellbogen zu fuchteln und ich war eigentlich froh, wenn sie als Kanonenfutter voranging. Kaum unten angekommen, schickte mich Pohl wieder hoch, ich solle den Deckel schliessen, damit der Kerl nicht schon von weitem das Licht sieht und scheu wird. Widerwillig stieg ich nach oben und zog den Deckel zu. Es wurde dunkel wie im Bauch einer Kuh.
„Wir gehen ein wenig nach hinten, und macht ja keinen Lärm! Er darf uns nicht entwischen.“
„Wie machen wir es? Lassen wir ihn hochsteigen, oder nehmen wir ihn hier unten fest? Wenn er die Sprossen hochkommt, dann kann er uns entwischen. Da oben ist ja noch der Hilfssheriff, aber wenn der den übertölpelt, dann ist er schnell über alle Berge.“
„Welche Berge?“ Pohl hatte einen langen Tag hinter sich. „Ah so.“
„Wir könnten ja den Wagen auf den Deckel stellen, dann kann er sicher nicht raus, oder wir umstellen den Ausstieg mit einem Batallion und wenn er kommt, dann auf ihn mit Gebrüll.“ Pohl funkte seine Instruktionen und sah mich ermunternd an dabei. Schon wieder ein Stein im Brett! Wenn das so weiter geht, dann muss man das Holz mit der Lupe in dem Haufen Steine suchen. Ich hatte wirklich Oberwasser, freie Fahrt, Überhand und Freistoss aufs Mal.
„Psst, ich habe etwas gehört.“ Die Fahrerin lauschte angespannt in die Dunkelheit. Das Geräusch kam näher und näher. Mir wurde mulmig, der meistgesuchte Terrorist auf der Flucht und ich bin ihm dabei im Weg. Wenn das nur nicht ins Auge geht. Die haben ja meist so etwas bei sich, um einer Verhaftung mit dem Tode zu entgehen. Und in letzter Zeit sind das nicht mehr die Zyankalipillen, die in einem holen Zahn versteckt sind. Heute sind es eher 200 g Semtex in der Brusttasche, damit die Beistehenden auch etwas davon haben. Vorsichtig schob ich mich hinter die Fahrerin, sie machte einen unerschrockenen Eindruck und war guter Dinge und so wie sie gebaut war, konnte sie reichliche Schockwelle absorbieren.
„Fassen sie mich nicht an!“ maulte sie. Dabei wollte ich bloss sicher sein, dass ihre kugelsichere Weste auch richtig festgezurrt sei. In den Filmen haben sie in diesen Situationen immer eine kugelsichere Weste, aber anscheinend sahen wir nicht die gleichen Streifen. Sie hatte eine sehr dünne Haut (mit ihr zu knutschen wäre wohl Knochenarbeit, die ich gerne auf mich genommen hätte, d’ailleurs ;-).
Pohl machte eine kleine Befehlsausgabe - ich habe nichts verstanden und kann sie hier leider auch nicht wiedergeben. Wir versteckten uns in der dunkelsten Ecke. Der Mann, soviel sahen wir gegen das Dämmerlicht, kam immer näher. Nicht sehr in Eile. Konnte das unser gesuchter Terrorist sein?
Er zögerte keine Sekunde, ging auf die Leiter zu, die wir erst vor kurzem benutzt hatten. Mit sicheren, aber keineswegs hastigen Bewegungen stieg er die Leiter hoch. Pohl machte der Fahrerin ein Zeichen und wir gingen langsam und ohne Lärm an den Fuss dieser Leiter. Ich sage wir, aber nach drei Schritten schickte mich Pohl mit einer klaren Geste zurück. Ich war dankbar, war ich doch damals nur einfacher Bürger und somit nicht mit Leib und Seele der Staatsräson verschrieben und überhaupt, ein wenig Angst hatte ich schon.

3.7.06

Rückschlag bis zum Umfallen

Vierte Klasse! Darüber gab es nur noch die Sonderklassen mit Spezialisierung. Das wäre dann noch eine Diskussion wert, aber vierte Klasse! Bingo ich bin der Champion.
Langsam zog der Kegel, des Penetrationsradars durch die Stadt auf die Stelle zu, wo der Geräteschuppen der kathalunquischen Botschaft liegt.
„Komm schon, komm schon…“
„Mit der Ruhe Pohl, dein Herz ist erträgt deine Eile kaum. Morgen ist immer ein andere Tag.“ Der Doktor schien intelligenter, als was ich als Eindruck von ihm hatte.
„Herr Pohl…izist“, ganz offensichtlich mochte er meinen Wortwitz nicht, „wann kann ich den mit der Ausbildung anfangen?“
„Nicht jetzt. Du hast es verdient, aber nicht jetzt.“ Er konnte seinen Augen nicht vom Bildschirm lassen. Geschickt bediente er das Interface, es erlaubte, in drei Dimensionen die Bilder vom Radar anzusehen. Um mir zu zeigen, welche Auflösung möglich war, zeigte er mir die Etiketten der Weinflaschen, die in einem Keller lagen. In meinem nächsten Leben werde ich sicher Ingenieur, da gibt es so viel zu tun!
„Jetzt haben wir ihn!“ Mit eklatanter Deutlichkeit sahen wir, dass der Schuppen in die Unterwelt führte. Ein senkrechter Abstieg, der fast ein Dutzend Meter in die Tiefe führte. Dort ging ein Gang weg, der in die Kanalisation mündete.
Pohl gab eine ganze Liste von Anweisungen und dank der Technik wurden in wenigen Minuten die Kanalkarten auf unserem Computer dargestellt.
„Schade, der ist weg“ murmelte ich, wenn Pohl einen grossen Erfolg feiert, dann kann ich damit rechnen, während der Ausbildung noch ein Stipendium zu beziehen. Auf jeden Fall klassifizierte ich diesen Gedanken unter der Rubrik „erwägenswert“.
„So sicher bin ich nicht, der Kanal in den er eingestiegen ist, hat erst hier hinten wieder eine Ausstiegsstelle, bis er da ist muss er eine ganze Weile laufen! Cross over to sector 12 43, sweep in low resolution and scan for human size infrared signature.“ Der Technoslang kam ganz natürlich und hätte ich einen Chapeau (en français dans le texte), dann hätte ich ihn gezogen. Der Kerl war sein Geld wert und ich hatte ihn in der Tasche. Er wird Karriere machen und das dank mir! Meine Zukunft war in besten Händen.
Plötzlich kam eine grosse Unruhe auf.
„Wow, der sitzt in der Falle! Let’s go.“ Das hatte er nicht direkt zu mir gesagt, aber ich tat so, als sei es selbstverständlich, dass ich mittrabte, schliesslich gehörte ich ja schon fast zur Familie. Auf dem Weg zum Streifenwagen, der um die Ecke stand, sprach er andauernd in sein Intercom. Leider konnte ich nicht alles verstehen, aber ich war sicher, dass wir die Stelle für uns reservierten, wo der Sprengmeister mit der grössten Wahrscheinlichkeit aufzugreifen war. Am liebsten wäre er selbst gefahren, aber sein Status als Einsatzleiter erlaubte ihm nicht, ans Steuer zu sitzen. Mit Vollgas fuhren wir durch die Stadt.
„Wieso sitzt er fest?“ wollte ich wissen, als er eine Weile verschnauft hatte.
„Die haben im Haupttunnel eine Baustelle, die sie nachts verriegeln, sonst ist da alles voller Penner. Und das heisst, er muss eine ganze Weile laufen, bis er zu einem Ausstieg kommt. Ich bin sicher, dass er den ersten Ausstieg nehmen will, der ihm über den Weg kommt und wenn er nicht ein ausgesprochener Athlet ist, dann hat er in der Zeit, seit er dir über den Weg gelaufen ist, eben diesen Ausgang noch nicht erreicht. Er muss ja zuerst feststellen, dass der Ausgang am Hauptkanal verriegelt ist.“
„Und wenn er das mit der Baustelle wusste und Vorkehrungen getroffen hat?“
Pohl wurde käsebleich, fluchte ausgiebig und schrie Anweisungen.
„Vier Streifenwagen an den Ecke Traberweg, Taubengasse und mit voller Artillerie den Kanalausgang gesperrt, Einsatzdoktrin hidden ambush, non lethal intercpetion, armed target, wenn einer raus will, dann lasst ihn kommen und nehmt in fest. Der der ihn fasst, hat eine Beförderung auf sicher.“ Die Motivation sollte auf dem Höhepunkt sein. Wo die diese Fachausdrücke hernehmen ist mit immer wieder ein Rätsel, wahrscheinlich haben sie sich eine Wagenladung dictionaries rein gezogen und jeder darf mal ein Wort raussuchen, aber wenn es ihnen hilft, efficient zu sein, all the better.
Pohl kaute seine Nägel und spuckte die Bitzen aus, die abgebissen hatte, kein feiner Anblick, aber im Moment war ihm das wohl völlig egal und die Politesse war sowieso nicht seine erste Wahl.
„Wenn es ihnen nicht ausmacht, dann spucken sie ihn ihrem Wohnzimmer,“ sagte die Fahrerin. Ein Weib mit Chuzpe, da gehört schon Mut dazu, so einem Chef die Meinung zu sagen. Verdutzt sah er sie entschuldigte sich.
Wir preschten weiter durch die Stadt und da kam mir die Frage mit der Waffe. Wenn wir den Kerl festnehmen sollten, dann sollten wir doch irgendwie bewaffnet sein, sonst läuft er uns einfach davon.
„Solange du nicht im Service bist, bekommst du keine Waffe. Da kann man gar nichts machen.“ Und er reichte mir eine Pistole, geladen und gesichert. „Schiessen bloss im Notfall, die Munition ist nicht tödlich, fällt aber jeden Gegner garantiert, wenn du richtig triffst natürlich. Pass auf, der Rückschlag ist mörderisch.“

29.6.06

dritter Klasse und dann...?

Helfende Hände packten mich unter den Schultern und mehr getragen als geführt, wurde ich in den Einsatzwagen geschleppt.
„Mein Held!“ Pohl übertraf sich selbst. So hatte er sicher noch nie einen seiner Agenten empfangen. Er drückte mich an seine Brust, was mir ein lautes Stöhnen entlockte, die Stacheln der Strelizien sassen mir tief im Fleisch und er verlieh ihnen noch Nachdruck, unabsichtlich aber sehr effizient. Damit ihm nicht entging, wie viel ich mich in diesem Fall verausgabt hatte, verzog ich nicht nur das Gesicht, sondern stöhnte auch laut und deutlich. Sofort liess er mich los und nahm mich unter die Lupe. Dort wartet schon 3M und begann, diese elenden Stacheln zu ziehen.
„Können sie keine Anastasia machen?“ fragte ich ihn.
Verdutzt schaute er mich an. „Wie bitte?“
„Hei, Mann, hast du deinen Slang, sprich Jargon nicht im Griff? Etwas spritzen, damit es nicht so schmerzt. OK?“
„Der Herr meint wohl Anästhesie?“
„Ja, sag ich doch.“
„Das macht eigentlich wenig Sinn. Sie haben viele kleine Läsuren am ganzen Körper, da müsste ich ja schon fast eine Vollnarkose machen. Ich halte das für ein wenig übertrieben, obwohl es natürlich eine Erleichterung wäre. Für alle hier.“ Dabei schweifte sein Blick über die Anwesenden. Ich konnte mir keinen Reim auf seine Bemerkung machen, sybillinische Sprüche muss man ja auch nicht um jeden Preis auflösen.
Wie er seine Staatsexamen gemacht hatte, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Ich dachte, dass eine grössere Durchhaltkraft Bedingung ist, um Mediziner zu werden. Seine Fingerfertigkeit liess relativ schnell nach, auf jeden Fall stocherte er mit der Pinzette viel unachtsamer herum, als noch gerade vorhin. Was mir nicht unerhebliche Schmerzen bereitete. Ich liess mir nichts anmerken, ich wollte nicht, dass sein Selbstvertrauen litt.
Ich war sehr froh, als er an die Krankenschwester übergab, damit sie die Wunden desinfizierte. Eine wunderbare Beschäftigung. Mit einem Wattestäbchen verteilte sie diese rotbraune Sauce über meinen ganzen Körper. Ich hielt erst still, als meine Verrenkungen es mir erlaubten, in ihrem Dekollete zu sehen, aus was für Holz sie geschnitzt war, wahrscheinlich ein Edelholz.
„Pohl, mein Freund, wann können wir über meine Ausbildung zum Agenten dritter Klasse reden?“
„…“
Ein beredtes Schweigen. Aber ich konnte ihn verstehen. Mit dem neuen Spielzeug, das ich für sie installiert hatte, waren sie vollauf beschäftigt und was sie da zu sehen bekamen, war auch der Rede wert!
„Scheisse!“ Pohl ganz unflätig. Was ist in den gefahren? Auf dem Zenith seiner Karriere und flucht wie ein Rohrspatz?
„Was is’ ´n?“ wollte ich wissen.
„Wir haben schon alle Bewohner der Botschaft identifiziert und die kennen wir alle schon, da ist mir schleierhaft wie einer dieser Knilche zur Nebulösen gehören kann. Die sind alle recht unbedarft und …“
„Ja also die Leute, die ich in der Halle gehört haben, sind sicher nicht vom Kaliber eines Terroristen. Zeig mal die Bilder.“
Mit den Joystick seines Computer machte er einige Bewegungen und eine Reihe Bilder tat sich mir auf. Ich blätterte hin und her. Alles so richtige Betonköpfe, der einzige der sich ein wenig auszeichnete war der Botschafter, aber der war gar nicht in der Stadt. Auf Anfrage des auswärtigen Amtes wurde beschieden, dass er für politische Konsultationen in die Heimat berufen worden sei. Eine weitere Anfrage beim Zoll und wir hatten die Bestätigung, dass er vor zwei Tagen ausgereist war und seither nicht zurückgekommen ist. Dann hatten wir noch einige andere Klischees. Mit den wenigsten konnte ich etwas anfangen, aber eins interessierte mich, aus welchen Gründen war mir noch nicht klar, aber sie kennen ja sicher diese Momente, wo sie wissen, dass sie einer Erkenntnis auf der Spur sind. Die meisten geben ja nichts auf diese Ahnungen, aber ich habe mir angewöhnt, solchen Impulsen nachzugehen. Die Liste, die ich auf dem Bildschirm heranzoomte, hatte eine Spalte mit Namen und eine weitere mit Daten. Auf Rückfrage bei einem der Spezialisten wurde mir bestätigt, dass es sich um die Ferienliste handelte.
„Da oben haben wir Leute, die mit Name bezeichnet sind. Hier der Botschafter selbst, da sein erster Sekretär Afon Diqt, die Kammerzofe Tetisienne Peripa. Die hier, er zeigte auf die Liste, sind die, die du in missio getroffen hast, wenigstens fast. Habe ich geschwitzt. Da unten stehen nur noch Funktionen, Koch, Gärtner, Chauffeur, die sind in der Wertschätzungspyramide wohl nicht mal ein Name wert. Zu meinem Glück waren die Daten in mir gängigen Zeichen notiert.
„Und der da, wer ist das?“
„Das ist eben der Gärtner. Ohne Belang, der ist ja im Urlaub und auch für ihn haben wir die Ausreisebetätigung.“
„Das kann nicht sein.“
„Was kann nicht sein?“
„Ich habe den gesehen.“ Langsam fügte sich die Puzzlesteine zu einem Bild.
„Sie haben soeben sein Bild gesehen, die Liste mit den Mitarbeitern der Botschaft.“
„Der war aber einer in Gärtnerkluft auf dem Gelände!“
„Wir hatten kein Visuell vom Gärtner.“ Auch er einer, der den Akkusativ vermeidet.
„Doch, gleich nach dem Sturz.“
Wir spulten die ganze Sequenz noch einmal ab. Es war genau in dem Unterbuch der Kommunikationsausrüstung, in der ich den Fastzusammenstoss mit dem Gärtner hatte.
„Das heisst, wir haben kein Bild von ihm. Aber früher oder später muss er ja wieder auftauchen.“
„Es sei denn…“
„Es sei denn was?“
„Der Schuppen ist ja nicht grösser als ein Handtuch, der kann ja kaum darin stehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er da immer noch drin ist. Und sonst wo auf dem Gelände ist er auch nicht. Ergo …“
„Dave, sie sind ja heute in Bestform! Wir brauchen ein Penetrationsradar.“ Den letzten Satz schrie Pohl in sein Mobile.
Zu mir gewandt „mit einem dieser Geräte können wir auf kurze Strecken sogar durch Beton sehen, noch so ein Wunderwerk der militärischen Technologie.“
Um uns die Zeit des Wartens zu verkürzen, gingen wir zu dritt in eine dieser Schnellimbissgaststätten und das alles mit einer doppelten Portion Cats-up.
Wie gewöhnlich war dies der Anlass für eine Kolik. Mit Wehmut dachte ich an die Würste, die ich im Einsatzwagen unter einer Konsole habe liegen lassen. Da hatte ich noch eine spannende Aufgabe, diese unter den wachsamen Augen der ganzen Crew aus dem Wagen zu schmuggeln. Das Wasser lief mir im Munde zusammen. Echte kathalunquische Gewürzschte, das ist eine Delikatesse ohne gleichen. Mit einem Schwarzmarkwert, der sich kaum beziffern lässt. Das habe ich aber gar nicht nötig, ich schwimme ja fast im Geld, also kann ich sie auch selber essen!
„Wollen wir gehen?“ Ich konnte es kaum erwarten.
„Nichts, was uns zu Eile triebe“, Pohl, die Ruhe selbst, „das Radar startet soeben. Wir erleben sogar eine Premiere, das erste luftgestützte Penetrationsradar der Welt und wir dürfen spielen mit.“ Er hatte glänzige Äuglein. Kid at work, man’s toy, nur die Spielzeuge sind grösser geworden, seit er den Sandkasten verlassen hat.
„Ich spendiere noch eine Runde!“ Pohl wirklich grosszügig, seiner Sache sicher. Wenn das nur mal gut geht, noch hat er den Täter nicht erwischt und mit wie vielen wenn und aber lassen sich seine Cheffen abspeisen? Sein Bier.
„Danke für den Hopfensaft.“ Wir prosteten uns zu. Um diese Tageszeit ist es für mich immer heikel, Alkohol zu trinken. Die Mischung mit den Medikamenten, die ich aus diversen anderen Gründen nehmen muss, ist nie berechenbar und immer explosiv, aber es stand ausser Frage, dass ich dieses Bier ablehnte. Eine Frage des Stolzes und somit Männersache.
„Ah, bueno“ er bellte in seine Kommunikationsmittel. Plötzlich war er nur noch intensive Arbeitswut. „Kommt schon, es geht los.“ Ich musste mein Bier runterstürzen, aber aus erwähnten Gründen bis zum letzten Tropfen.
Ungeduldig zog er mich am Ärmel. In Null Komma Plötzlich waren wir in der Einsatzzentrale und hinter den Bildschirmen. Wir hatten einen live-feed aus dem Flugzeug, das hoch oben über der Stadt kreiste.
Lieder hat man mir verboten, über diese Erfahrung genauer Asukunft zu geben. Denn, wenn Sie wüssten, wie viel man mit den neuesten Mitteln der Armee alles machen kann, dann würden Sie sich überlegen, ob Sie bei der Steuererklärung immer noch schummeln wollen. Es braucht ja viel, bis ich mich begeistere (bei Frauen mache ich gerne eine Ausnahme), aber hier war volle Freude angesagt.
„Das ist ein Vorgeschmack auf die Schulung zum Agenten dritter Klasse. Wenn wir den Kerl erwischen, der abgedrückt hat, dann überlege ich mir, ob nicht auch die vierte Klasse drin liegt, aber die sicher nur nach der dritten Klasse, mit überspringen ist in diesem Falle sicher nichts.“

26.6.06

Strelizien oder wenn es sticht

„Noch drei Minuten!“ Ich konnte Pohl kaum hören, eine schrille Sirene füllte das Quartier. Wir sahen auch auf den Monitoren die orange Lampe, die an der Hauswand blinkte. Ganz normale Schutzeinrichtung. Eines war klar, besondere Vorkehrungen zur Lärmvermeidung waren nicht mehr nötig. Ich war in Lauerstellung, wunderte mich, dass ich nicht früher an das Testament gedacht hatte.
„Meinen Goldhamster vermache ich dem Service…“
„Go, go, go!“ Pohl schlug mir noch auf die Schulter, „viel Glück!“ Ob das reicht?
Mit einem wilden Satz war ich an der Mauer. Mit einem noch wilderen Satz versuchte ich diese zu übersteigen. Es war wohl angebrachter, wenn ich mich mit Intelligenz an die Sache mache, die Mauer war höher als im ersten Anlauf eingerechnet. Dabei habe ich mir die Hand geschürft, hoffentlich genug für eine Auszeichnung oder ein Ehrenabzeichen. Ich kletterte an einem Busch in die Höhe und konnte den rechten Fuss auf die Mauer setzen. Mit meiner Ausrüstung konnte ich all die scharfen Kanten und Spitzen ignorieren. Ein Overall aus Glasfaserverstärktem Neoprem schützte mich gegen alle Anfeindungen. Sogar Pistolenschüsse kleineren Kalibers sollte diese Kleidung abhalten, so der Spezialist. Mir soll es recht sein, ich hätte es gerne gehabt, wenn jemand daran gedacht hätte, eine Kühlung einzubauen. Neoprem ist ja nicht unbedingt eine Klimamembrane. Mit einem eleganten Satz sprang ich in den Garten, die Sirene brüllte immer noch ihre Unbill in die Welt und so war der Lärm der brechenden Äste zu vernachlässigen.
„Wir haben eine Bildstörung, wiederhole Bildstörung, werden auf Reservecircuit umstellen müssen, der Fall hat wohl irgendetwas kaputtgemacht. Passen sie bitte besser auf!“
Im letzten Moment konnte ich mich zu Boden werfen, ein Mann in grünem Overall kam um die Ecke gerannt und blickte zum Glück über seine Schulter in die Richtung, wo der Tankwagen lag. Er rannte sehr schnell und verschwand in einem Kabäuschen, wo man die Werkzeuge lagert. Er wollte wohl die Rosenschere holen, um die gebrochenen Zweiglein zu kürzen. Da er keine Ordnung in seinem Schuppen hatte, blieb er eine Weile drin, und bevor er wieder raus kam schlich ich mich an das Haus. Die Küchentür stand offen und ich versicherte mich mit einem dieser kleinen Spiegel auf Stil, dass sie leer war. Behände schlich ich mich in die Vorratskammer und ass eine dieser würzigen Würste, für die Kathalunquia so berühmt ist. Dabei gelang es mir, den Puls wieder zu stabilisieren und Luft zu holen.
„Kontakt wieder auf allen Kanälen, Reservecircuit ist etabliert.“ Gut zu wissen, dass mein Himmelsfahrtskommando später einmal als Realty-Show über den Schirm flimmern wird.
Ich hörte Stimmen, die sich im Idiom der Kathalunquien unterhielten. Mir schien, dass sie gleich hinter der Tür des Vorratskammer standen, aber das war sicher nur eine Täuschung meiner Sinne, die sich in einer ungeheuren Anspannung befanden. Pohl hatte mir versprochen, dass alle Aufmerksamkeit des ganzen Haushaltes auf die andere Seite gerichtet sei. Ich schlich mich ganz vorsichtig in die Küche zurück und umschiffte die zentrale Kochstelle. An der Ecke angekommen konnte ich in die Eingangshalle blicken. Dort standen drei Sicherheitsbeamte hinter einem und berieten, was sie auf ihren Monitoren sahen. Der Winkel war ideal, man konnte fast die ganze Halle überblicken und da wir ja die neuesten Techniken zur Verfügung hatten, klebte ich eine der Wanzen unter die Fettrinne, die den Dampfabzug über der Kochstelle umrahmte. Im Knopf, der mir im Ohr steckte gratulierte mir der Einsatzleiter. Anscheinend hatte er schon die ganze Zeit auf mich eingeredet, aber ich merkte erst jetzt, dass er mich mit guten Ratschlägen berieselte. Er hatte eine direkten Link in die Einsatzbrille, die mein Gesichtfeld übermittelte und ihm sogar anzeigte wohin ich blickte. Er hatte mir erklärt, welche Algorhythmen verwendet wurden, um meine Augenstellung zu analysieren und auszuwerten, aber ich habe das alles wieder vergessen und wenn es Sie interessiert, dann wenden sie sich bitte an die Hochschule für Biometrik, Abteilung okulare Analyseverfahren und die können dann weiterhelfen.
Das mit der Wurst hatte er gar nicht goutiert, auf jeden Fall machte er mir andauernd Vorwürfe diesbezüglich. Es war nur im Notfall vorgesehen, dass ich über den Audiokanal mit ihm in Verbindung trat. Damit er mich endlich in Ruhe liess, zeichnete ich eine Hand mit einem gestreckten Mittelfinger in den Staub unter der Küchenkombination. Er verstand, wollte aber, dass ich diese Zeichnung wieder verwischte, es sollte ja so wenig wie möglich von meinem Besuch zurückbleiben. Ich sah mich in der Küche um, es hatte eine weitere Türe dahinten. Da es mir nicht möglich war, in die Halle zu gelangen, ging ich hin und öffnete sie. Der Einsatzleiter brach in Jubel aus, hier war die technische Zentrale, der Überwachungsanlage. Wieso er das so genau wusste, blieb mir unklar, es waren bloss einige Schaltkästen, wie man sie in den Filmen sieht, wenn es darum geht, technische Komplexität darzustellen. Er wusste ganz genau, wo ich die entsprechenden Klemmen anbringen und welchen Typ Wanze ich aufschalten sollte. Die Anweisungen waren einfach und mit Bravour gelang mir das Kunststück. Wir waren somit online mit der hauseigenen Überwachung und die war schon fast lückenlos. Einzig der Schlafraum des Botschafters war nicht mit Bild und Ton aufgeschaltet.
„Schade, Segofredo hat einen sehr guten Geschmack, was Frauen anbelangt.“ Ich fragte mich, woher der Einsatzleiter diese Information hatte. „Komm zurück, wir haben mehr als wir uns erhoffte hatten. Mission is aborted.“
Diese Mitteilung machte mich quicklebendig. Alles ein Erfolg! Ich werde Agent dritte Klasse. Vorausgesetzt, ich konnte mich ungesehen davonschleichen. In meinem Rücke hörte ich eine Tür zuschlagen. Der Luftzug hatte die Küchentür erfasst. Ohne Vorwarnung kam einer der Aufpasser und warf eine prüfenden Blick in die Runde. Ich konnte es hautnah miterleben. Zum Glück lugte ich aus dem Schlüsselloch. Er konnte mich nicht sehen. Aber es wurde mir dann doch mulmig, als der Kerl langsam durch die Küche ging und in alle Ecken guckte, um sicher zu sein, dass niemand unerlaubter Weise hier war. Meine Gegenwart hätte ich wohl kaum erklären können und ich machte das verabredete Zeichen höchster Gefahr. Das Zeichen kaum übermittelt und schon riefen die Kollegen des Aufpassers etwas. Dieser rannte ohne zu Zögern in die Halle. Im Anschluss an die Mission zeigte mir der Einsatzleiter, was sie angestellt hatte, um die Gefahr abzuwenden. Sie hatten einige Bannerträger aufgestellt, die sich jetzt durch das Loch in der Umfriedung auf das Gelände stürzten. Was auf den Bannern stand, weiss ich nicht mehr, aber eigentlich gab es immer wieder eine Organisation, die gegen die Methoden und die Politik von Kathalunquia demonstrierte. Warum nicht auch heute?
Für mich war das das Zeichen, den Rückzug anzutreten. Ich rannte auf leisen Sohlen zur Tür und wollte raus. Aber die Tür liess war verschlossen. Ich konnte sie nicht öffnen. Die war verriegelt. Verzweifelt suchte ich nach dem Schliessmechanismus, nichts zu finden.
„Geh in die Halle“ der Einsatzleiter hatte die Situation so schnell begriffen wie ich, was ihn auszeichnete. „Die Wachleute sind draussen und jagen unsere Demonstranten. Wir kontrollieren die Kameras die Bilder können wir jederzeit manipulieren, aber bevor du raus gehst, zieh den Overall aus. Sie werden denken, dass du auch ein verirrter Demonstrant bist.“ In Windeseile war ich aus meinem Anzug und steckte ihn in einen Sack der da in der Vorratskammer rumlag. Darunter trug ich normale Strassenkleidung, wenn auch nach meinem Geschmack die Karohose nicht mehr sehr zeitgemäss war. Im Vorbeigehen schnappte ich mir noch einige Würste. Es war nicht anzunehmen, dass Pohl zu meinem Debriefing eine Verpflegung eingeplant hatte und ich wollte nicht die ganze Nacht hungrig herumsitzen. Der Einsatzleiter hatte es nicht gesehen, weil ich alles hinter meinem Rücken machte. Er hätte mich sicher bei Pohl verpfiffen.
Über die Mauer war ein Klacks und wenn ich mich nicht mit dem Schnürsenkel in der Umfriedung verfangen hätte, wäre ich nicht Kopf voran in die Strelizien gekracht. Ich mag ja die Botanik, aber wenn sie stachelig ist, dann steht mir der Sinn schon eher nach round-up .

19.6.06

subkutan oder wie der Laster in die Mauer kracht

„Kein Problem, erstens: eigentlich ist es ja ein Milchtransporter, aber als Benzintransporter gekennzeichnet (der Chauffeur wird dann sicherlich bestraft) und zweitens er wird leer sein. Also mach dir keine Sorgen um deine Locken, wir werden sie nicht sengen. Das wäre ja das Beste, wir haben endlich einen, der verrückt genug ist, diesen Job zu erledigen und alles was wir zustande bringen, ist ein Häufchen Asche. Nein, ich habe andere Ambitionen und dafür musst du leben, wenigstens noch ein Weilchen.“ Ein hämisches Grinsen, das ihm ganz schlecht stand.
„Wann lassen wir los?“
„Jederzeit, ich warte nur auf dein Wort.“
„Wort.“
„Spassvogel, wir müssen dich zuerst noch ausrüsten. Ich habe veranlasst, dass der letzte Schrei aus unserer Entwicklungsabteilung zur Verfügung steht. Du darfst nie darüber reden, noch davon träumen.“
„Aber wenn die mich da drinnen erwischen sollten? Das ist natürlich nur ein hypothetische Frage, wie sollten die mich erwischen? Aber um die Klammer zu schliessen. Wie erkläre ich denen, dass ich mit solchen tollen Sachen ausgerüstet bin?“
„Alles ist mit einer Selbstzerstörungsfunktion ausgerüstet und löst sich mit einem kleinen Knall in Luft auf.“
„Und ich damit?“
„Nur wenn du eine Fehlmanipulation machen solltest, aber es ist ganz einfach.“
Ich wollte plötzlich lieber eine Woche Brückengeländerschrubben, als mich mit einer Ausrüstung rumschleichen, die jederzeit explodieren kann. Hätte ich doch bloss wieder einmal das Kleingedruckte gelesen. So kommt man in des Teufels Küche, wenn man versucht aus der Backstube Beelzebubs zu fliehen. Ich werde wohl nicht lange genug leben, um meine Memoiren zu schreiben. Sei es drum. Auf in das Gesüpp.
Die Techniker waren nicht mit ganzem Herzen dabei irgendwie wollten sie ihr Spielzeug nicht ausleihen und dann noch mit der Gefahr, dass alles in die Luft fliegt. Aber unter den strengen Augen von Pohl gaben sie sich die Mühe mir alles zu erklären. Das war nicht einfach. Wir waren hinten in einem Lieferwagen und fuhren an den Galgenweg. Die Gadgets waren wirklich der letzte Schrei, Nachtsichtgeräte mit virengestützten Energiepaketen (eine Technik, die im Rahmen eines Forschungsprogrammes der Militärtechniker entstanden ist. Und bei der M13-Phagen gentechnisch derart umgewandelt werden, dass sie Kobalt und Goldatome an ihre Hülle binden und dann in einer entsprechenden Salzlösung getaucht, überziehen sie sich mit einer Metallschicht und bilden eine Art winziger Draht. Die Viren richten sich dann auf einer Oberfläche von Polymeren selbständig aus und das ergibt zusammen mit dem metallischen Überzug eine Anode, eine positive Elektrode. Zusammen mit einer konventionellen negativen Elektrode in einem Elektrolyten ergibt sich ein galvanisches Element, das eine dreimal grössere Kapazität hat wie herkömmliche Lithiumionen Akkus). Eigentlich wollte ich das ja nicht so genau wissen, aber der Techniker schien derart angetan, dass ich es ihm nicht übel nahm. Wenn einer aus dem Vollen schöpft, dann soll man ihn nur machen lassen. Im schlimmsten Fall hat er wenigsten seinen Selbstwert steigern können. Der, der auf mich einsprach, hatte wohl eine ganze Jahresration in einer kleinen Viertelstunde abbekommen. Die Fahrt wurde langsamer, die Martinshörner wurden abgestossen und wir rollten die letzen fünf Minuten wie ein kleiner Privattransporter in Stellung. Pohl war die ganze Zeit in Kontakt mit seinen anderen Teams, die sich auf den vorgetäuschten Unfall vorbereiteten. Er nickte mir immer wieder zu und machte Zeichen mit dem Daumen. Auch wir waren bald in Stellung und ich hatte mich mit dem Agentendress eingekleidet und mein Einsatz konnte beginnen. Wenn das gut geht, dann werde ich Agent dritter Klasse! Ich brauchte diese Aussicht, sonst hätte ich den ganzen Bettel hingeschmissen und wäre davon gerannt. Es wurde mir erst jetzt so richtig bewusst, dass ich mithalf Kah Osz an das Messer zu liefern. Und wenn da was schief ging, hatte ich gute Chancen, dass der Chef der Nebulösen mich auf die Abschussliste setzt und dann kann ich ein Leben lang fliehen. Es ist nicht trostreich zu wissen, dass das eine kurze Flucht sein wird.
Pohl hatte einen Countdown gestartet und wir waren etwa bei 237 als sich die Tür öffnete und ein Religiöser in den Wagen stieg. Er hatte eine kleine Phiole bei sich und fragte mich, ob ich gerne eine letzte Ölung haben möchte, oder ob er mit einfach das Tarot legen oder die Leviten lesen sollte. Ich konnte keines so richtig einordnen und fragte, ob sein Öl kalt- oder warm gepresstes sei. Ohne weitern Kommentar schlug er das Kreuz und zündete eine Weihrauch-Myrrhe Mischung an. Die ganze Einsatzzentrale wurde eingeräuchert und wir hatten Mühe dem Fahrer klar zu machen, dass er den Feuerlöscher wegstellen könne. Pohl schaute mich, als wolle er mich um Entschuldigung bitten, diese Prozedur sei Ergebnis eines kürzlichen Business Process Reegineerings, das zum Ziel hatte, die multikulturellen Aspekte des Geheimdienstes zu berücksichtigen und gleichzeitig die spirituellen Aspekte eines knallharten Agentendaseins unter einen Hut zu bringen versuchte. Die Resultate seien ermutigend.
Als wir als dies hinter uns hatten, war der Countdown bei 37 und ich bekam ein leichtes Herzflimmern. Dummerweise wurde das sofort auf dem LSSS (Live Support Supervision System) angezeigt und, wie er im Nachhinein zugab, aus Routine verabreichte der 3M (Mission’s Medicine Man) eine mittlere Dosis Adrenalin, die über eine subkutane Sonde in meiner Herzgegend ausgeschüttet wurde. Das resultierende Pochen tat mir fast weh, aber ich war dankbar über die zusätzliche Wachsamkeit. Wenn es nur bald losgeht, das Warten machte mich ganz krank.
Mit einem lauten Getöse krachte der Laster auf der anderen Seite des Anwesens in die Umfassungsmauer.

12.6.06

Knalleffekte und -tüten

„Für eine Ortung brauchen wir drei Peilungen, sonst finden wir den nie.“
Schade, dass mir das niemand gesagt hat, das hätte mir eine dumme Bemerkung erspart.
„Posten 3Wir haben ein Signal aus 279,3°.“
„Posten 1, 137,8°.“
„Posten 2, 259,7°.“
Die drei Werte waren schnell auf der Karte eingetragen und der Schnittpunkt fiel mitten in die Wohngegend der gehobenen Klasse. Der Geometer zoomte die Karte heran und schnitt eine Grimasse.
„So ein Pech!“
„Das darf doch nicht wahr sein!“
„Das hat ja noch gefehlt.“
„Schei…äh…Fensterkitt.“
Ich verstand kein Wort. Was ging hier vor? Warum waren wir nicht schon lange in den Schützenpanzern und jagten mit Vollgas durch die Stadt, um den Gaunern das Handwerk zu legen?
„Wenn sie mich auch einweihten, ich verstehe nicht ganz“ flüsterte ich dem Geometer ins Ohr. Wortlos sah mich er mich an, drehte am Mausrad und vergrösserte die Adressangabe, die mit dem Gebäude verbunden war.
Ambassada da Kathalunquia, Segofredo C. Rash McAck, +533 666 666 666, Galgenweg 13, 8817 Poste restante.
„Alles in die Scharte, wir machen Krieg. Diese Räuber holen wir aus der Höhle und binden sie an den Pranger. Diesen Schurkenstaat sollte man ja schon lange ausräuchern. Banzai!“
„Das geht nicht.“
„Wieso nicht?“
„Wir können da nicht rein, die haben Diplomatenstatus.“ Pohl schlug mit der Hand auf den Tisch, an die Wand, an den Stuhl, nochmals auf den Tisch.
„Verfluchte Schweinerei!“ Doch nicht einmal dies konnte ihn erleichtern.
„Dann geht doch inoffiziell hin, braucht ja niemand zu wissen.“
„Dave du hast wieder einmal den Vogel abgeschossen!“
Mir war nicht ganz klar, wieso, aber einem öffentlichen Lob schaut man nicht ins Maul, oder so. „Stets zu Diensten.“
„Nein, ehrlich. Welch Glück, haben wir dich.“
„Endlich geht euch ein Licht auf, wo schon lange ein ganzes Lichtermeer sein sollte.“
„Pohl an alle. Bildüberwachung des Hauses 34.55 West, 79,89 Nord, aus allen vier Sektoren. Prio 1 Prim. Exekution stante pede.“
Auf dem Bildschirm, wo die Positionen der Einsatzwagen zu sehen waren, setzte eine Sternfahrt ein, die im Brennpunkt die Diplomatenvilla hatte.
„Sergeant bringen sie eine Ausrüstung private (in english in the text) und besorgen sie uns eine schriftliche, superprovisorische Entlastung durch die Staatsschutzkommission. Dave, daher.“
So hatte mich man schon lange nicht mehr angesprochen und viele verschüttet Erinnerungen kamen auf. Ich wollte schon davon laufen. Aber der Gwunder war grösser. Was wollte er von mir?
Er erklärte mir des Langen und Breiten was er alles von mir erwartete und ich musste ihn mehrmals unterbrechen, um sicher zu sein, dass wir immer noch vom selben sprachen. Der Sergeant kam zurück und brachte eine grosse Tasche voller Gadgets und Ausrüstungsgegenstände mit. Kugelsichere Weste, Schlagstock, Taschenlampe mit eingebauter Morsetaste, Tränengasspray, Plastikhandschellen, Dietrich, Metallsäge, Graphitpulver, Thermounterwäsche und Feuchttüchlein, um nur die wichtigsten zu erwähnen. Zusätzlich gab es noch Feuersteine, die man mit dem Messer anreissen kann, Zunder, Faltbecher, Pflaster und weiteres. Zielstrebig griff Pohl in diese Wundertüte und kam mit einer handvoll dieser Spielzeuge zu mir.
„Dave, ich will dir einen grossen Gefallen tun. Deine Karriere hängt davon ab, was du in den nächsten Minuten entscheidest. Also überlege nicht zu lange, sonst ist der Zug abgefahren und dir bleibt nur noch das Fernweh. Die Sachlage ist ernst. Wir haben ein Gebäude, das wir aufgrund seines diplomatischen Status nicht betreten können, da wir vom Staat angestellt sind. Würde man uns erwischen, hätten unsere Patria einiges zu erklären und Sanktionen wären sicher. Aber du, du bist ja nicht von Staat angestellt und als Privatperson nicht an die Genferkonventionen gebunden. Daher werde ich dir jetzt eine hypothetische Geschichte erzählen. Du sagst dann ob du die Geschichte interessant oder völlig aberrant findest und das ist dann alles. Verstehen wir uns? Auch zwischen den Zeilen?“ Verspielt warf er den Dietrich in die Luft.
„Und ob…“
„Also die Geschichte geht folgendermassen. Es war einmal…“
„Und was springt für mich dabei raus?“
„Also am Ende hat der mutige Ritter einen Wunsch frei. Im Umfange des Machbaren und Sinnvollen.“
„Also da kommen mir einige Ideen.“
„Machbar und sinnvoll, das ist doch schon eine gewisse Einschränkung und es darf meinen Kompetenzrahmen nicht überschreiten, da ich meine Chefs in diese Sache nicht einweihen darf. Ich habe da meine Instruktionen.“
„Wenn ich also den Faden aufnehme. Der Ritter in deiner Geschichte hat eine sehr klare Vorstellung, was ihm helfen könnte. Den Kurs zum Agenten dritter Klasse. Mit Kost und Logis und Taschengeld.“
„Direkt dritte Klasse? Wir überspringen nie die Vorkurse!“
„Der Ritter macht sich aber eine Heiden-Mühe, wird zum ausführenden Organ der Staatsmacht, ohne über deren Schutz und Ressourcen zu verfügen (Pohl machte eine ungeduldige Geste mit all dem Zeugs, das er in der Hand hielt) – einige kleine Spielzeuge machen ja nicht wirklich den Staatsschatz aus und wenn das alles ist, was die Steuerzahler erwarten können…“
„Du hast gut reden, du zahlst ja keine Steuern.“ Woher wusste er das?
„Und wie ist es nun? Dritte Klasse oder der Ritter löst sich auf, wie eine Nebelschwade in der heissen Morgensonne von Capri.“
„Da muss ich mich zuerst rückversichern.“ Wenigstens zögert er.
„Aber du darfst ja nichts dem Chef sagen, wie willst du denn den Dienstweg einhalten?“ An das hatte er offensichtlich nicht gedacht, er zögerte.
„Na also, das kriegen wir schon hin. Eventuell bekommst du die offizielle Urkunde nicht, auch wenn du bestehen würdest, aber das ist ja sicher nicht deine erste Absicht.“
Wenn er wüsste, wieso ich mir diesen Kurs reinziehen wollte, er hätte sicher noch einmal überlegt, aber ich hatte ihn da, wo ich wollte.
„Bitte hier unterschreiben…“
„Du glaubst meinem Wort nicht?“
„Ehrliche Antwort? – Gute Verträge machen zuverlässige Partner.“
„OK, da hast du recht.“
„Aber ich geben keine Erfolgsgarantie. Ich nehme die Mission an und werde alles tun, damit alles gut geht, aber ich komme auf jeden Fall in den Genuss der Vergütung.“
„Wir werden das alles schriftlich festlegen.“
Wir waren also handelseinig. Nun konnte die Arbeit beginnen. „Was soll ich den tun?“ Soviel zu Thema Abgrenzung des Vertragsgegenstandes. Aber ich muss ehrlich sein, für einen Kursus zum Agenten dritten Grades würde ich alles tun.
„Wir haben das fragliche Gebäude schon seit langem in einer 24mal24 Überwachung und wir wissen, dass seit dem Funkspruch niemand das Gebäude verlassen hat. Am liebsten ginge ich mit einem Sturmtrupp los und breche einfach mit der Türe ins Haus. Aber mir sind die Hände gebunden. Ich will, dass du in das Haus gehst und einige Wanzen anbringst. Somit können wir hoffentlich feststellen, wer sich da drin aufhält. Ich glaube nicht, dass der, der auf den Knopf gedrückt hat, diplomatischen Status geniesst. Das können sich nicht einmal diese Gauner erlauben. Also können wir ihn auf dem Weg in die Stadt schnappen und mit den geeigneten Methoden werden wir erfahren, wie er mit der Nebulösen verbandelt ist.“ Er kam ins Träumen und sah sich schon, all die Karriereleitern hoch fallen.
„Komm auf den Boden. Wie soll ich denn da reinkommen? Die haben sicher Wachen und allerlei Schutzvorrichtungen.“
„Das habe ich schon organisiert. Im Moment, wo du über die Mauer steigst, wird auf der anderen Seite ein Tanklastwagen kippen und wir werden alle Einwohner der umliegenden Häuser bitten, die Region weiträumig zu evakuieren. Sie werden natürlich nicht einwilligen, aber all Personal wird beschäftigt sein, unser freundliches Drängen im Zaum zu halten, dass du ohne weiteres einsteigen kannst. Was hältst du vom Plan?“
„Und wenn der Tanker wirklich explodiert?“

7.6.06

Triangulation

Sie waren noch nicht soweit. Also einen kurzen Repeat-schlaufe.
„Wenn du auf mich hörst, dann hast du Chance ein Held zu werden.“
„Warauf warten wir noch? Let’s go.“ So hat jeder Befuf seinen Jargon und spricht darauf an. Ich führte den Tross in den Raum. Als sie in das Loch schauten, begriffen sie sofort.
„Was sollen wir jetzt tun?“
Ich verteilte die Arbeit. Einer setzte eine Meldung an Pohl ab. Er solle auf einer sicheren Linie in die Zentrale anrufen. Ein anderer schnitt mit Laser den Stein entzwei. Ein dritter holte mir eine Erfrischung in der Kantine und Chefprotz setzte sich auf einen Stuhl, weil er so aufgeregt war. Pohl rief sofort zurück, ich erklärte ihm das nötigste und verbat mir alle Fragen nach dem woher und wieso – einfach facts und die im Stakkato. Er versprach mir den Spezialisten in Frequenzologie zu schicken. Wir mussten ja den gleichen Check noch einmal machen. Aber jetzt mit einer anderen Frequenz. Für die, die noch nicht das ganze Bild vor Augen haben: in dem Hohlraum in diesem Gneis befand sich der Sender, mit dem die Terroristen die Funzel, den Zünder in der Kanalisation aktivieren wollten. Dieser Sender im Stein hatte seinerseits eine Fernsteuerung! Und diese ritt sicher auf einer anderen Welle, sprich Funkfrequenz. Also mussten wir eine weitere Peilung schalten, wenn wir den Standort des Befehlsgebers ermitteln wollten. Die Peilsender, die wir en place hatten, würden als Herkunftsort den Stein ergeben. Wahrlich kein exploit, wenn der zentrale Dienst bekanntgeben muss, dass der „Funkspruch“ zur Zündung aus den eigenen Mauern gekommen ist. Wir hatten nur noch ganz wenig Zeit, draussen auf den Strassen begannen die Massen (alles Frauen, was die wohl an dem Typen mit gumiertem Haar haben?) die Route des Umzuges zu säumen. Es musste alles Schlag auf Schlag gehen. Die Spezialisten kamen angerauscht und mit ihren bewährten Methoden hatten sie schnell die nötigen Informationen. Es ist jedesmal ein Vergnügen, wenn man Ingenieuren zusehen kann, die ihre Sache verstehen. Sofort ging eine ganze Reihe von Instruktionen über den Äther, die Peilsender wurden neu ausgerichtet und alle waren guter Hoffnung. Nicht in anderen Umständen, aber trotzdem: guter Hoffnung. Pohl verteilte die Leute der strategischen Reserve über die Stadt. Mich nahm er mit in die fahrbare Einsatzzentrale.
Wir fuhren auf den Tangentialen der Stadt, jederzeit bereit, mit Blaulicht und Martinshorn in die Gegend zu fahren, aus der der Zündbefehl kommt. Auf einem Bildschirm sahen wir die Übertragund des städtischen Fernsehens. Bilder der Menge, ab und an ein Schwenker auf die Pforte, aus der Dan Dee kommen wird. Der Reporter hatte nichts zu sagen, was er mit einer bemerkenswerten Stoik tat. Bis:
„In wenigen Minuten wird der Held der Träume unserer weiblichen Zuschauer durch diese Pforte fahren. Aufgrund von Drohgebärden aus dem Lager der renaturierten Machisten wird er leider nicht unter freiem Himmel durch die Massen wandeln, nein, er muss leider in einem geschlossenen Käfig aus Glas Platz nehmen. Die Gefahr, dass ein bemitleidenswerter Verirrter ihm an den Kragen will, ist zu gross. Zelebriät hat ihren Preis…“ Er sprach noch weiter, aber wenig von Belang.
Wir sassen auf Kohlen und der Hintern schmerzte.
„Er kommt!“ Der Aufschrei war schon fast physisch spürbar. Die ganze weibliche Bevölkerung der Stadt wurde von einem Prickeln durchfahren und aus Vorfreude wurde Vorspiel und Vorliebe, alles imaginär, aber dadurch kaum weniger physisch. Ein kollektives Verlangen nach der Nähe dieses Galans.
Ich wurde gefragt, wie das genau war mit dem Stein, wie es soweit kam, dass ich den Sender gefunden habe. In meinem Bericht steht ja was von Laser und kleinen Löchern, die ich gebrannt habe und so weiter, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. In einem (seltenen) Anfall von Eitelkeit, wollte ich beim Verfassen des Berichtes die Wahrheit ein wenig beschönigen und darum:
Zugegeben, das mit dem Lasergerät und dem Stein war nicht so. Ich wollte nicht eingestehen, dass ich vor lauter Frustration einfach mit einem Vorschlaghammer auf diesen Klotz eingehauen habe und dabei auf den Hohlraum mit dem Sender gestossen bin. Darum diese gewundene Beschreibung, all das an Haaren herbeigezogene, dieser Schmu und das Fabulöse, kurz, alles was ich mit dem Stein machte. Der Leser vergisst diesen Ausrutscher und freut sich je länger, je mehr auf die Fortsetzung. Jetzt ist auch diese Sache bereinigt und wir können weiter im Text.
Also, alle haben dieses Prickeln und wir sehen auf dem Schirm, wie sich das Tor öffnet und das Gefährt mit dem Affenkasten aus Glas herauskommt. Die Maskenbildner haben wirklich gute Arbeit geleistet: dan Dee wie er leibt und lebt, kein Zweifel. Ich hätte gerne gewusst, mit welchen juristischen Formulierungen im Arbeitsvertrag des armen Komödianten die Risiken einer Explosion ausgeschlossen wurden. Es war ja nicht anzunehmen, dass er diese Rolle übernommen hat, ohne sich wenigstens zu fragen, wie es dazu kommt, dass ihn der Geheimdienst anheuerte.
„Fred macht das ausgezeichnet.“ Aha, die nehmen die eigenen Leute für solche Jobs.
Die Prozession rollte langsam durch die Stadt. Die Mädels und Frauen brechen in eine Begeisterung aus, die sich nie und nimmer rechtfertigen lässt, es handelt sich schliesslich nur um einen Mann. Aber eben, die Weiblichkeit ist schwer zu verstehen und das wohl noch so lange sie etwas zu sagen hat. Wir waren alle gespannt und in unserem Fahrzeug konnte man die Luft schneiden, so dick war sie. Man hörte nur noch das Atmen des Personals und das Surren aus den Lüftungsschlitzen. Noch wenige hundert Meter, dann musste der Funkspruch kommen oder wir waren umsonst auf Draht. Meter um Meter. Einschnaufen, ausschnaufen, durchatmen. Jetzt war es soweit, der Tross war genau an der Stelle, wo der Zünder gelegen hat.
„Hatschi!! Oh pardon.“ Es war mir nicht gelungen, den Nieser zu unterdrücken. Damit hatte ich leider die Signale übertönt, aber die heutige Technik ist ja nicht nur auf akustische Auswertung angewiesen, es gibt ja noch die graphische Darstellung. Die Überliess ich den Fachleuten.
„Posten 1, wir haben ein Signal!“ Der Posten auf dem Dach der Molkerei.
„Posten 2, wir auch!“ Der Posten auf dem Balkon des Cabaret Rote Mühle.
„Und?“ Niemand kümmerte sich um mich - eingebildete Bande.
„Komm schon, komm schon!“ Pohl hatte etwas Beschwörendes.
„Worauf warten wir noch, zwei Geraden auf der Karte, ein Schnittpunkt und zack, zugeschlagen, wenn ihr noch lange Händchen halten wollt, dann wenigstens einige mit Handschellen dran.“ Wenn die nicht wissen, wie man das macht, dann kann ich ja mal nachhelfen.

2.6.06

Lehrkörper = Luxusbody oder IQ alleine ist nicht alles

Frisch gestärkt und voller Tatendrang flanierte ich in den Gängen. Ich konnte immer noch nicht aus dem Gebäude, die Muskulösen standen immer noch am Ein-/Ausgang und liessen mich nicht raus, höflich aber bestimmt. Auch durch andere Öffnungen der Gebäudehülle war kein Durchkommen, entweder verriegelt, vergittert, verdammt undurchlässig, irgendwas, das meine Freiheit behinderte. Also versuchte ich, das beste daraus zu machen. In allen Büros suchte ich nach tell tales, unter allen Pultauflagen kopierte ich die versteckten Klebepapierchen und anderen Zettelchen, die in der Regel Passwörter und Codes enthalten. Das alles faxte ich Asy, der sicher mit all dem Zeugs was anfangen kann. Als Dreingabe klassierte ich die Zettelchen entsprechend der Bürobeschriftungen, die eindeutig Organisationskürzel und Personennamen waren. Ein Personenverzeichnis konnte ich in der Kaffeteria auftreiben. Eine geflissentliche Mitarbeiterin (die Liste war sogar gezeichnet) hatte sich die Mühe gemacht eine Konsumationsliste mit den Namen und den Abteilungen zu erstellen. Ein gefundenes Fressen für einen Spion, der ich noch nicht war.
Aus dem COLT bröselte nur Statik. Ich ging mehre Male bei den anderen vorbei, um sicher zu stellen, dass sie mich nicht einfach aus der Leitung gekippt hatten, aber auch bei ihnen war nichts ausser Berauschendes. Langsam lief die Zeit. Bis zum Start des Umzuges dauert es noch eine Weile.
„Snoopy oneone hat die Nase voll“ quäkte es aus dem Ohrenknopf. Heija, da hat jemand den ersten Gashahn aufgedreht! Die Sache wurde ernst, fertig mit der Spekulation!
Gleich darauf meldeten sich auch die anderen Snoopies. Dies waren Vorrichtungen, die das Gaswerk kurzfristig installiert hatte. Nach einer Analyse des Planes der Terroristen hatten sie nicht einfach das ganze Gasnetz schliessen wollen, sondern sie haben an 23 Standorten, die für die Flutung der Kanalisation mit Stadtgas in Frage kamen einen Gasschnüffler (Snoopy) installiert. Dies erlaubte, den Gasaustritt festzustellen und das entsprechende, „stromaufwärts liegende“ Ventil zu schliessen. In der betroffenen Zone hatte man sogar Diffusoren versteckt, die den typischen Gasgeschmack ausströmen lassen, wenn man sie aktiviert. Das waren Gegenstände aus der Schulung der Feuerwehr. Somit konnten wir die Terroristen täuschen, wenn sie nachprüfen wollten, dass die Flutung funktionierte. Die Idee kam von mir und Grund einer anhaltenden Bewunderung meiner selbst. Die Experten hatten berechnet, dass eine Flutung der Kanalisation zwei Stunden vor dem Umzug starten musste, um die „besten“ Resultate (im Sinne der Aggressoren) zu erreichen. Früher und es knallte nicht genug, später und die Entdeckung wäre zu wahrscheinlich.
Wir waren kurz vor zwei, der Umzug sollte um vier an der Sprengstelle vorbeikommen. Die Bombenleger hatten anscheinend die gleichen Informationen wie die Spezialisten des Gaswerkes. Erstaunlich. Ich konnte mich auf die faule Haut legen und warten, bis alles vorbei war. Niemand wollte meine Unterstützung und bis ich wieder aus diesem Haus kam war alles andere als klar. Es ärgerte mich, dass man so über meine Bewegungsfreiheit bestimmte und legte mir einen Plan zurecht, wie ich diese Missgunst vergelten könnte. Viel fiel mir nicht ein. Schubladen verleimen? Toiletten verstopfen? Abführmittel in die Wasserspender? Schmierseife auf die Treppe? Haltepositionen der Lifte neu programmieren? Stecker der Informatik lösen? Ich hatte noch andere Ideen, die ich, da verwerflich verwarf. Etwas Bleibendes und etwas, das die hohe Etage traf, sonst war es ja nur Arbeitsbeschaffung für irgendwelche fleissigen Hände, die den Dreck wegzuputzen hätten. Auf meiner Suche kam ich wieder in der Kantine vorbei. Die Kerls riefen mir zu. Sie waren ebenso begeistert, dass die ganze Aktion langsam ins Rollen kam. Sie waren bereit. Ihre Rolle als strategische Reserve trugen sie mit Fassung und hofften, im entscheidenden Moment eingesetzt zu werden.
„Vielleicht werden wir dann die ersten, die auf der neuen Heldentafel verewigt werden!“
„Heldentafel?“ fragte ich.
„Der Direktor hat entschieden, dass alle, die sich für die Agency einsetzen, neuerdings auf einer steinernen Tafel verewigt werden sollen. Der Stein ist heute morgen abgeliefert worden.“
Natürlich! Der Gneis. Spielwiese meiner Rachegelüste.
Ich machte noch gelegentliche Kommentare zum Geschehen und schlich mich aus dem Staub. Die Tür war schnell wieder geknackt und ich stand vor dem Quader meiner schwerwiegenden Rache! Wie sabotiert man einen Quader aus Gneis?
„Ganz einfach…“, doch es wollte mir nichts einfallen.
Ein kurzer Anruf bei meinem liebsten Steinmetzen, Lötsle Hauk brachte mich auch nicht weiter, er war nicht zu Hause. Mist! Mist! Mist. Also denk!
Auch dies brachte mich nicht weiter. IQ alleine reicht nicht, es braucht auch Einfälle.
Ich stöberte im Atelier herum. Es lagen wunderschöne Instrumente rum. Doch mit Hammer und Meissel wollte ich nichts anfangen. Die sind schwer und ermüdend. Doch da fand ich den Corpus delicti, einen Laserbohrer. Mit Anschluss ans kommunale Stromnetz. Ich hatte eigentlich erwartet, dass ein Laserbohrer mehr Pfupf haben muss, um etwas zu verdampfen, aber auch in diesem Bereich waren die Entwicklungen unaufhaltsam und ich war noch so froh, dass ich nicht mit Starkstrom hantieren musste. Damit kann man sich aufs schwerste verbrennen, wie mein Meerschweinchen erfahren hatte, als es die falschen Kabel anknabberte. Der Plan war schnell zu Faden geschlagen. Mit dem Laser, der über einfache Drehknöpfe in Dicke und „Bohrtiefe“ variiert werden konnte, wollte ich ganz kleine, feine aber tiefe Kreisbahnen ausdampfen. Den Stein musste sicher noch geschliffen werden und genau darauf setzte ich. Wenn diese Nadeln, die ich stehen lassen wollte, mit dem Schleifer in Berührung kommen, dann brechen sie ab und werden einen Text formen. ´Dave was held against his will´. Die Sache war schnell aufgezogen und der Laser brannte unermüdlich meine krummen Touren in den Stein. Es stank fürchterlich. Verdampfter Stein ist ekelhaft. Ich war gerade beim ´d´ als der Stein zu brennen anfing. So sah es wenigstens aus. Eine Flamme, die man im hellen Laserlicht kaum sah, aber eine Flamme. Ich legte alles weg und zog die Schweisserbrille aus, die ich vorsichtigerweise angezogen hatte. Ein kleines Feuerlein auf meinem Stein, nicht nur zu Schein, sondern heiss und rein.
„Aua!“ Ich hatte mich verbrannt. Ich konnte mir nicht erklären, wovon sich das Feuer nährte und wollte es ausblasen. Doch je fester ich blies, desto lauter loderte es, obwohl ich keine Flamme mehr sehen konnte. Da goss ich einen Teil des Kühlungswassers des Lasers in die Löcher und ganz offensichtlich ging das Feuer aus. Was war denn hier los? Ich zündete vorsichtig mit dem Laser, den ich auf die kleinste Leistungsstufe zurückgedreht hatte, in die Löcher. Da sah ich eine hohle Stelle. Und darin so was wie geschmolzener Plastik. Mit Hilfe eines abgebrochenen Stücks und der Wasserverdrängungsmethode bestimmte ich das spezifische Gewicht des Steines und verglich das Volumen und die Gewichtsangaben der Zollpapiere mit meinen Berechnungen. Das Resultat ermunterte mich, diese Untersuchung auf später zu verschieben. Laut meinen Berechnungen hätte der Stein dreimal so gross sein müssen, als was er war und da hatte mein Physiklehrer sicher die ganze Methode falsch erklärt. Friede seiner Asche. Ich hasse Lehrer, wenn sie den Stoff nicht richtig vermitteln. Kein Wunder war das Gymnasium nie in Reichweite. Stinkesauer war ich und bin es noch heute. Der Lehrkörper ist nicht zwangsläufig ein Luxusbody.
Immer wieder Wasser nachgiessend, schnitt ich mit dem Laser eine handtellergrosse Öffnung. Das ausgeschnittene Teil fiel mit einem lauten Poltern in den Hohlraum. Was ich durch das Loch sah, war eindeutig ein Sender-Empfänger. In meine Gehirnwindungen liefen gewaltige Assoziationsgewitter und mit fliegenden Schössen rannte ich in die Kantine. Die Kraftprotze sassen immer noch da, die strategische Reserve war noch nicht im Einsatz. Ich versuchte dem Chefprotz beizubringen, was anstand, aber er hatte seinen Intellekt nicht auf Empfang und ich musste mich mit dem Unterprotz verständigen.
„In dem Raum dahinten liegt ein Stein – sie wissen schon, der Stein des Ruhmes – da drin ist eine Vorrichtung, die sicher mit dem Anschlag auf den Umzug von heute steht. Wenn sie schnell reagieren, dann haben wir eventuell noch die Chance, die wir sonst verpassen. Alles klar? Hoch die Hintern, wir machen Dampf.“

30.5.06

von Maskenbildnern und Klugscheissern, so das Übliche quoi

„Maskenbildner machen ein Double.“
„Wir verwenden so was wie das Papstmobil, dann brauchen wir nur die richtige Silhouette.“
„Auf jeden Fall sollten wir verhindern, dass die Kanäle mit Gas geflutet werden, da braucht ja nur einer ´ne Kippe in den Gulli zu schnippen und wir haben den Salat.“ Die Anspielung auf das verpasste Nachtessen war geschmacklos.
Der Einwand fand allgemeine Zustimmung und wie auf Kommando zückte das ganze Schwadron seine Kommunikationsmittel und es ging los. Das städtische Gaswerk, die Katastrophenpolizei, die Feuerwehr („Nein, es ist keine, ich wiederhole, keine Übung“), der Blindenhundeverein (wer die alarmiert hatte, was später nicht mehr feststellbar, sie sollten aber ihre wichtige Rolle spielen), eine Pikettmannschaft an Sanitätern und mehrere Rollen Leichensäcke („Ja, auch Kindersäcke, wir erwarten einen Schadensfall, der Kategorie zivil-zivil mit Kind und Kleintiereinheiten.“ Ein eingespieltes Team, jeder hatte zu tun. Und alle taten genau das.
„Wo nehmen wir eine Gigolo her? So wie der sehen nur wenige aus. Ich kann ihnen eine Lied davon singen, seit meine Frau, seine Filme gesehen hat, wartet sie nur noch auf diesen Tag.“
Es brach eine heftige Diskussion aus, ob es mit der Staatsräson verträglich war, dass die Teammitglieder zuhause anriefen und unter einem Vorwand ihre Frauen (es wäre sicher keinem der Männer in den Sinn gekommen, diesem Umzug beizuwohnen) vom Besuch des Defilees abhielten. Die Hardliner setzten sich durch. Es durfte auf keinen Fall etwas nach draussen dringen, das die Operation gefährden könnte. Collateral damages nehmen wir in Kauf und wenn es die eigene Familie ist. Semper fi!
Auf der schicken Videowand (87566 horizontale und 20548 vertikale Zeilen) zeichneten sie mit abwischbaren Filzern die Positionen ein, von wo aus die Angriffe auf die Terrorgruppe ausgehen sollten.
„Wenn wir sie nur früh genug orten können.“
„Haben wir die Gasventile im Griff?“
„Hat jemand ein Ladegerät?“
„Wo sind denn hier die Sandwiches?“
„Hat jemand eine Vitamintablette?“
„Sind wir bereit?“
„Wer ist eigentlich in charge?“
„Habe ich sie richtig verstanden?“
„Häh?“
Und so weiter im Chor, alle summten und brummten, die Motoren bullerten, der Weg war vorgegeben. Wir hatten nur eins bis zum Finale, gespanntes Warten. Ich hatte wahrscheinlich die grösste Distanz zu den Ereignissen, da ich ja nicht direkt betroffen war. So konnte ich es mir leisten, ein wenig durch die Gänge zu trollen. Die Gang der starken Kerle hatte seinen Perimeter weiter draussen abgesteckt und so liessen sie mich in Ruhe. Die Zentral war eine herrliche Sache. Die meisten Türen waren verschlossen, aber ich bin ziemlich gewandt mit meinen Werkzeugen und so konnte mir keine widerstehen. Schlösser knacken ist das A und O der Diebesgilde und dort hatte ich mich schon von klein auf eingenistet, noch bevor ich bewusst meinen Beruf wählte. Der eine Raum war sehr sonderbar. Ausser einem steinigen Quader war da kaum was, ein wenig Steinmehl in den Ritzen und den Spalten, in der Mitte des Raumes der Klotz aus feinstem, serbischem Gneis. Der Lieferschein war mit einer schönen bunten Marke beklebt, die wollte ich meinem Patenkind mitbringen. Was dieser Stein wohl auf sich hatte – wahrscheinlich eine neue Foltermethode, wer nicht singt, muss auf Stein beissen, oder so. Na, wenn denen nichts Schlimmeres einfällt. Ich war ja bis anhin Nettobezüger, was den Staatsäckel betraf. Und daher konnte ich mich ja wohl kaum beschweren. Wer zahlt, befiehlt, wer nichts zahlen kann, der empfiehlt sich.
Sonst war kaum was zu holen in diesem Raum und da ich ein ordentlicher Mensch bin, verriegelte ich die Türe wieder.
In den anderen Zimmern hatte ich noch weniger zu suchen und also war auch die Ausbeute eher gering. Das einzige, das ich mir an Land zog, will heissen, einsteckte: eine silberne Nadel, die mich als Offizier der heimischen Patriotenfront ausweisen konnte. Nützlich solche Dinger, wer hat sich nicht schon mit dem Gedanken getragen, von Koeppenick zu spielen. Ich steckte sie mir an und nahm vor meinem inneren Auge die stramme Parade ab. Ich hatte, was es brauchte, um eine Führungsrolle zu übernehmen, es fehlten bloss die Untergebenen, doch diese waren ja dabei sich zu gruppieren.
In der Zwischenzeit hatte sich die Taskforce entschlossen, dass sie mit einem Double agieren wollten, das sei einfacher, als das Pabstmobil aufzutreiben und überhaupt, wer wolle schon in so einem Affenkasten durch die Gegend fahren?
„Wo ist eigentlich dan Dee?“ wollte einer der Siebengescheiten wissen.
„Gute Frage. Dachte mir schon, dass ihnen gar nichts an diesem Typen liegt. Aber leider kann ich die Frage nicht beantworten. Ich habe noch keine Zusage, dass alle Anklagepunkte gegen mich fallengelassen werden und diese hätte ich gerne, bevor ich weitere Verhandlungen auch nur in Betracht ziehe.“ Ich konnte mir eine dicke Lippe leisten. Hatte ich doch die beste Story des Jahrzehnts mitgebracht und sie alle durften darin teilhaben.
„Du kommst dir wohl besonders schlau vor? Wir haben Zärtelchen schon lange im Zugriff, wo könntest du den hin mit einem wie den? Auch deine Beziehungen zum Don werden im Moment genau untersucht. Vielleicht, ich betone vielleicht, werden wir einige Punkte der Anklageschrift fallen lassen, wenn uns die Terroristen ins Netz gehen. Wenn wir Kah Osz erwischen, dann wasch ich dir den Persilschein persönlich, aber der wird ja kaum an dieser Ops teilnehmen.“
Ich mimte wieder den Versöhnlichen, man beisst ja nicht die Hand, die deine Leine hält.
„Wollte nur wissen, ob ihr noch am horchen seid, oder ob die ganze Sache über eure Köpfe steigt.“
Die Zeit war fleissig unterwegs und wir mussten uns auf den Weg machen. Wir bedeutete nicht, dass wir zusammen reisten. Ich durfte unter Begleitung einiger Pneumännchen in die Kantine. Meine Anspielungen auf den Kalamaressalat und die bevorstehende Schlachterei geriet dem einen derart in die Nase, dass er sich fast in die Eisdiele übergab. Dies bot Anlass für allgemeine Erheiterung. Ich konnte die Jungs dazu überreden, die taktischen Kommunikationseinheiten auf Lautsprecherbetrieb umzustellen. Im Moment war nur statisches Rauschen zu vernehmen und ich versuchte, den Teil herauszuhören, der durch das Nachdröhnen des Urknalls entsteht.
„Klugscheisser“ titulierten sie mich, als ich ihnen diese Finesse erklären wollte. Es geht halt doch nur in den Filmen, dass die mit den grossen Muckis auch rege Neuronen haben. Da sie nicht wollten, dass ich mit ihnen am gleichen Tisch sass, gaben sie mir eines der Reserve COLT client (combat online links and transmission). So konnte ich mich ein wenig umtun und brauchte nicht artig am Rockzipfel meines Wohltuers zu hängen.
Denn irgendwie war das ja meine Operation. Wer hatte DIE wichtige Information? Wer hatte DEN taktischen Durchblick? Wessen Magen knurrt so laut, dass er seine eigenen Ideen nicht mehr hörte? Ich, ich und ich.
„Mahlzeit!“ sprach’s und ging. Einige sahen mir ganz hungrig nach und schluckten wohl wie wild den Speichel. Ich hatte alles im Griff. Die Rechnung zu Lasten des Hauses, da waren die Weisungen vom Chef ohne Deut und Zweifel. Ich musste zweimal gehen, die Sachen passten nicht alle aufs Tablett.

29.5.06

Tiangulat, Ludmilla & d’autres chats à fouetter

Blaulicht durch die Stadt ist immer ein Erlebnis. Die Autos verschwinden wie von Geisterhand und Rotlichter laden zum Vollgas ein. Ich wollte gar nicht wissen, wohin er mich brachte, Hauptsache wir kamen vorwärts. Dem Chauffeur wurde wohl der ganze Jahresbonus auf dieser einen Fahrt bemessen. Nur, fliegen wäre schöner.
Pohl hing die ganze Fahrt an der Strippe und koordinierte eine ganze Armee. Auf jeden Fall hatte die ganze Zeit eine dicke Lippe und anscheinend wurde ihm das so abgekauft.
Als wir in der Zentrale der zentralen Dienste ankamen, warteten schon einige schicke Burschen auf uns, die alle so ein kleines Ding im Ohr haben, als seien sie alle schwerhörig, aber das kleine Drähtchen, das so gewunden im Kragen verschwand, sprach Bände. Da musste noch mehr dranhängen. Nur Phonak alleine konnte das nicht sein. Schwere Jungs, wenn das nicht Muskeln wären.
Sie umringten uns, den Blick gegen aussen gerichtet. VIPer als das war ich noch nie.
„Überrascht?“ Lüüp im O-Ton. Darauf aus, meine Anerkennung zu schlürfen. Austern der Eitelkeit.
„Habt ihr das nicht auch weniger auffällig? Man braucht ja nur in die Mitte zu halten und schon hat es mich erwischt.“
Er lachte, schickte aber seine Jungs ein wenig weiter weg.
Wir gingen durch lange Gänge und erklommen endlosen Treppen. In einem gläsernen Cubicle setzten wir uns hin. Die anderen Gäste wurden vorgestellt und ich war in bester Gesellschaft. Herr B. Sondersschlau, Ludmilla Doppeldenk, Frau Eiss Klugsč und Ierle Schlaume und sonst noch einige andere traurige Vögel. Die ganze Crème und Doppelcrème de la crème. Sofort ging die Diskussion los. Hypothesen wurden durchgespielt, Annahmen verworfen und Meinungen revidiert. Nach zehn Minuten war die Diskussion wo weit fortgeschritten, dass alle durcheinander redeten und ich konnte sogar zwei zählen, die sich keinen Deut darum kümmerten, ob jemand zuhörte, was dann auch keiner machte. Meine Rolle im ganzen Spiel war nie zur Sprache gekommen und so konnte ich mir die nehmen, die mir entsprach. Auf einem Tisch in der Ecke legte ich alle Teile, die ich unten an der Leiter gesammelt hatte. Ich gratulierte mir noch einmal für die Weise Voraussicht, die mir diese Handschuhe in den Weg gespielt hatte.
Das verbeulte Gehäuse, das Drahtgehäuse, die Scherben des Glases, die Reste des Dochtes, der unter dem Sturz zerbröselt war, der Henkel, die verschiedenen Deckel und am Schluss, das kleine Kästchen aus schwarzem Ebonit. Die Diode tanzte immer noch ihren Zweitakter: ein-aus-ein-aus. Die Kiste war noch unter Strom! Heiligs Guëtzli! Wenn da auch nur zur Hälfte Semtex drin ist, dann reicht ein Knopfdruck und wir sind zu Brei. Vorsichtig wollte ich das gute Stück in die Waschküche tragen. Draussen vor der Tür hielten mich die grossen starken Kerle auf.
„Wohin? Wir haben dich hierher gebracht, das war unser Auftrag. Dass du gleich wieder raus kommst, steht nicht im Drehbuch und also dreh und nüscht wie rein in die jute Stube.“
Mir lag eine pfeffrige Antwort auf der Zunge, aber wurde mir Gewahr, dass ich es mit Profis zu tun hatte. Die Fackeln nicht lange, die gehen gleich aufs Ganze. Aber da es Profis sind, ist ihre Reaktion auch kalkulierbar und ich versuchte mein kleines eins-mal-eins: langsam hob ich den Handschuh, in den ich den Sprengkörper gesteckt hatte, zeigte überflüssigerweise auf das kleine rot-schwarz-rot-schwarz, schaute dem Oberarm in die Augen und flüsterte ganz leise „bumm“. Das Training zeigte sich von seiner besten Seite. Er begriff schneller als er den Anschein gab. Seine Dienstwaffe kam wie von Zauber in seine Hand. Ein seltener Pfiff und seine Kumpels waren in Lauerstellung, die Augen gegen aussen, die Schlagbolzen der Waffen gespannt. Standardsituation und Standardreaktion. Aber adäquat? Ich brachte den Corpus delicti in eine leichte Schwingung, das erhöhte den Effekt der Blinkerei enorm und jetzt dämmerte es auch denen, die weiter weg standen. Einige geflüsterte Worte in Halsmikrofon und einer der Bulligen zog sich aus. Ich verstand nicht ganz, aber als er seine kugelsichere Weste auszog und darin mein Packerl einwickelte, fühlte ich mich ein wenig besser. Die wussten wie und taten es auch. Sie mussten über Funk noch mehr gesagt haben. Da kamen weitere mit einem Sack, der aussah, als sei er hundert Kilo schwer. Sie legten den Packen aus Zünder, Handschuh und Weste hinein. Der Stoff des Sacks war eine Schichtung aus Kevlar, Kettenhemd und Fischbeinstäbchen, solid und kaum aus der Form zu bringen. Der eine hatte sogar eine weitere Weste mitgebracht. Der im Hemd zog sie sich über und war wieder geharnischt.
So eine Weste hätte ich auch gerne gehabt. Ich hatte mir auch mal eine angesehen, aber als ich das Preis-Leistungsverhältnis durchspielte, indem ich auf anraten des Verkäufers eine halbe Stunde damit herumlief, legte ich mir was Leichteres zu und die hatte dann wenigstens eine Kapuze.
Meine neuen Kumpane hatte alles im Griff und brauchte da nicht auch noch rumhängen, also ging ich wieder in die Klausur, wo sich noch immer alle stritten und sich trefflich ergänzten. Ich zog einen weitern Handschuh aus meiner Tasche, band ihn um die grosse Plastikflasche des Getränkespenders und machte einen festen Knopf. Dann zog ich den Gummi soweit es ging und, nicht ohne Genuss, liess ich die gespannte Kraft los. Der Effekt war überwältigend und ging weiter, als was meine Absicht war. Der Knall, den ich so verursachte, den hatte ich mir ausgemalt und gewünscht, aber womit ich nicht gerechnet hatte, war die Brüchigkeit der PET-Flasche, die in entzwei brach.
„The audience is listening“ hätte ich jetzt gerne Lucas Art zitiert, aber ich war mir nicht sicher, ob ich mit English den Ton getroffen hätte. Alle sahen mich und die Schadenszone an.
„Wenn wir noch lange hier rum sitzen, dann werden wir nie das Ziel erreichen!“
„Welches Ziel?“
„Mensch, wir haben ein Stück modernsten Terrorismus in der Hand und da fragt Schlaume Ierle noch: welches Ziel? Ich schlage vor, dass wir den ignition device (Zünder) sofort demontieren lassen. Wir werden auf eine kleinen Empfänger stossen und mit einigen wenigen Untersuchungen sollten wir in der Lage sein, die Frequenz zu eruieren, auf die er reagiert – dazu sollte erst der Sprengstoff und die Sprengkapsel entfernt werden, da es sonst leicht ins Auge gehen kann.“ Allgemeines Nicken und Lüüp hängte sich an sein Natel. Alles war innert kürzester Zeit organisiert, die Staatsmacht kann unheimlich schnell drehen, wenn sie weiss was, gedreht werden soll. Wir hatten bald die Frequenz, eine ganz tiefe, wie sie auch von U-Booten verwendet wird. Mit solchen Signalen werden die strategischen Atomboote selbst in tiefen Ozeanen angefunkt, oder diese melden sich beim HQ. Die eigentliche Kommunikation aufnehmen erfolgt dann auf anderen Wellenlängen und dazu muss das Boot auftauchen. Auf dieser Frequenz läuft nur die Signalisierung, ihr Vorteil ist die starke Durchdringung, ihr Nachteil, die spärliche Nutzlast, Daten, die sie transportieren kann. Damit hatten wir schlechte Karten, die Reichweite dieser Frequenz ist unendlich und wenn wir die Quelle orten wollen, dann sollten wir eine gute Triangulation bewerkstelligen. Nicht so einfach, wenn die Quelle weit weg sein kann.
Aber die Tüchtigen haben Glück! Ludmilla war der Schlüssel zum Erfolg! Sie hatte einen Göttergatten (ihre Worte!), der in der Marine General war, der hatte Zugang zu all den Satelliten und den angeflanschten Gimmicks der Militärs. Ein kurzes Geturtel (alles in Code, versteht sich) und wir waren über einen sicheren Kanal mit dem Oberbefehlshaber der U-Boot Flotte in Kontakt. Dieser verband weiter mit den Technikern und die waren sich bald einig. Ein leichtes, die Computer so zu programmieren, dass alle Satelliten, die über unsere Hemisphäre ihren Runden zogen nur noch auf dieser Frequenz horchten.
Mich wunderte, wie Kah Osz es geschafft hatte, sich diese Technik anzueignen. Kein Pappenstiel und nur wenige Experten, die sich dieses Revier teilen. Doch wir hatten noch andere Katzen zu peitschen (d’autres chats à fouetter). Auch wenn dan Dee in guten Händen war, wir mussten uns etwas einfallen lassen, damit die Attentäter allen Grund hatten, die Bombe zünden zu wollen. Das heisst, sie müssten glauben, dass alles so läuft, wie sie sich das vorgestellt hatten.
„Optionen, meine Herren ich nehme Anregungen entgegen.“ Diesen Ton kannten sie, konnten sich darauf einlassen und machten ihr bestes daraus.

28.5.06

Funzel, Knast und Scoop as usual....

„Du hängst deine ganze Karriere an die Aussage deiner Kumpels, die dich nicht mögen? Deren einziger Trost ist dein Untergang. Deine Laufbahnplanung ist soviel Wert, wie dein Arsch, wenn der Chef mit dir fertig ist. Wenn du mich mit in den Abgrund reissen willst, dann habe ich noch einen letzten Wunsch frei. Gib mir eine Taschenlampe und lass mich sicherstellen, dass ich wenigsten versucht habe, dem Teufel ab dem Karren zu springen. Eh, daccordo?“
„Und was wird aus meinem Anzug?“ Der hatte ein Fell so dick, wie seine Begriffstutzig-keit im Quadrat.
„Wenn dir geschieht, was dir dein Kollege so sehnlich wünscht, dann ist deine Weste gleich dein Leichentuch.“ Mit diesen Worten konnte ich ihn aus seinem Stupor reissen. Er konnte es aber nicht lassen, seine Weste und sein Gillette auszuziehen und eine dieser Unfalljacken anzuziehen, die in den Polizeiautos einfach so rumliegen. Dann liess er mich raus. Er hatte sich rein routinemässig diese Handschuhe auf feinem Latex angestreift und hielt mir den Packen hin. Im Moment sah ich keine Verwendung, wenn die Hände da unten schmutzig werden sollten, dann konnte ich sie ja waschen. Aber aus Gewohnheit liess ich mir so eine Chance nicht entgehen und stopfte eine Handvoll in die Westentasche.
Wir packten unsere Sache und stiegen in den Untergrund. Die Abwässer tosten durch die engen Röhren und wir konnten kaum miteinander reden. Ich wusste auch nicht, was ich sagen sollte. Wir gingen durch all die Röhren und leuchteten in den hintersten Winkel, keine Spur einer Bombe. Ob ich im Knast wohl in der Bibliothek arbeiten durfte? So hatte ich wenigstens immer was zu lesen.
Ich liess nicht locker, der Kerl wollte schon lange wieder an die frische Luft. Aber für ihn war nur die Karriere im Arsch, wie bei mir alle im Arsch sein werden, wollte ich mir gar nicht ausmalen. Doch nach einer weiteren Weile intensiven Suchens gab ich mich geschlagen. Mit den Geldern des Don und was wir sonst noch verdient hatten, konnte ich mir einen Starverteidiger leisten und wer weiss, das könnte mir vielleicht aus dem Schneider helfen. Beim Aufstieg stiess ich mir den Kopf an einer Funzel, wie sie die Kanalratten verwenden, wenn sie eine gefährliche Stelle ausleuchten. Ich hatte mir den Kopf ziemlich stark angestossen und die Tranlampe fiel krachend zu Boden. Ich fluchte laut und deutlich, vor lauter Schreck hatte ich meine Taschenlampe fallen lassen und ich musste noch einmal nach unten steigen, um sie zu holen. Mein Glück! Gleich unten an der Leiter lagen die Reste der Lampe und in der Mitte der Reste blinkte ein roter Punkt. Hell – dunkel – hell – dunkel, ich brauchte wirklich nicht lange, bis mir ein Licht aufging. Da war was elektronisch im Staate Dänemark! Der zündende Funke, eine rote Leuchtdiode. Ich tapste ein wenig im Dunkeln herum und fand die Taschenlampe. Alles bei Lichte besehen und der Fall war klar wie Klossbrühe! Ich hatte den Zünder der Apokalypse in der Hand. Sofort legte ich alles wieder hin und schimpfte mit mir. Ich griff nach dem Taschentuch, um die Beweisstücke wenigstens notdürftig für die forensischen Untersuchungen zu schützen, da war mir Fortuna nochmals zur Hand und führte meine Suche an den Medizinerhandschuhen aus feinstem Gummi vorbei. Darin wickelte ich alles ein. Dabei sah ich mir die Teile gut an. Mit diesem fernbedienten Ding wollten sie die Gas-Luft Mischung mit dem nötigen Fünklein versehen, der Funke über Funk quasi. Ich machte einen kleinen Freudetanz, der Knast war wieder in weite Ferne gerückt. Alle Müdigkeit fiel von mir ab und zerschellte scheppernd am Boden. Im Nu die Leiter hoch, dort wartete schon lange Pohl auf mich.
„Was spielst Du denn? Ich wollte soeben meine Kumpels runterschicken, damit sie dich an den Ohren aus der Kanalisation holen.“
„Die nennst du Kumpels? Die wollten dich schon den Hyänen vorwerfen und du nennst die noch Kumpels? Feine Freunde sind das, halt dich an sie, dann hast du wenigstens Zuschauer, wenn du verheizt wirst.“
Er war wenig beeindruckt, aber ein kleines Leuchten auf dem Hintergrund seiner Augen zeigte, dass irgendwo ein, zwei Synapsen an der Arbeit waren. Und das im Staatsdienst. Freude herrscht.
Da er mich so ruppig ins Auto stiess, zeigte ich ihm die Funzel mit dem Funkzünder noch nicht, sollte er sich doch noch ein wenig mit dem Gedanken einer frühzeitig beendeten Karriere herumschlagen, sich vorstellen, wie die Bälger zu Hause unausstehlich werden, weil der angetrauten Schrecke das Haushaltsgeld für die happy meals ausgegangen ist und was sonst noch ein Hausvater alles ankarren muss, damit der Haussegen nicht allzu schräg in der Landschaft hängt . Das tönt jetzt, als sei ich ein ganz böser Junge, aber er war wirklich nicht nett mit mir. Und für Bullen ist es eine neue, heilsame Erfahrung einmal à la baisse spekulieren zu müssen.
Die Rückfahrt verlief sehr schweigsam. Anscheinend war er wirklich dabei, sich von seinen Privilegien des Staatsdienstes zu verabschieden. Sein Blick war so wässrig und wenn er mich ansah, hätte er wohl am liebsten mich aus seinem Blickfeld geschnitten und als Sondermüll entsorgt. Ich werde mir einen anderen Cop suchen, dem ich die gute Nachricht zukommen lasse.
Auf der Wache angekommen, wurde ich kaum durchsucht, ich hätte wahrlich eine ganze Armada mit in die Zelle nehmen können. Auf jeden Fall, fiel es keinem auf, dass ich in meiner Westentasche die Funzel in vierzehn Einzelteilen hatte. Ich wurde in eine Zelle geführt, wo mehrere Insassen auffuhren, als wir mit Getöse und Gekeife eintrafen. Ich verstehe nicht, wieso der Aufseher auf dem Weg durch den langen Gang mit seinem Schlagstock den Gittern entlang fuhr, dass der ganze Schlag davon erwachte. Das hatte Methode, er machte das in Gedanken verloren und ohne zu überlegen, die sind halt so – lausige Polizisten, unterbezahlt und der einzige Trost ist die kleine Macht, die sie haben, weil sie ihre Mediokrität mit einer Dienstmarke maskieren können. Kleine Männer mit kleiner Macht sind die schlimmsten. Damit lassen sich ganze Regimes aufbauen. Aber nicht alle sind so. Ein anderer, der uns begleitete, schien ganz in Ordnung. Er hatte es nicht nötig, sein Ego künstlich aufzublasen, er hatte sogar ein freundliches Wort für einen Insassen, der anscheinend krank war. Ich zupfte ihn an Ärmel und fragte, ob er die ganze Nacht hier sei. Er nickte und sagte mir, ich solle ihn nur rufen, wenn ich etwas brauche. Die erste Nacht sei immer die schlimmste und er helfe gerne, wenn es in seiner Macht stehe.
„Kommen sie um halb zehn, ich habe einen Scoop für sie.“ Er blickte mich neugierig an, aber nickte bloss.
In meiner Zelle angekommen, hätte ich es kaum schlimmer treffen können. Der, der ganz unten schief, hatte sein Socken das letzte Mal bei seiner Geburt gewechselt und seither immer nur Kunststoffschuhe getragen. Der, der in der Mitte lag, schnarchte eine Vollrausch aus, er stank nach billigem Fusel. Ich schwang mich in die dritte Etage und versuchte, zur Ruhe zu kommen. Unmöglich, in den Zellen herrschte emsige Unruhe. Die einen kicherten, die anderen wimmerten, die dritten machten sonst irgendwie Lärm, kurz ein Bienenhaus ist ein Alterheim dagegen. Der Trick mit den Stock, der gegen die Gitter schlägt, hatte Erfolg, wir litten darunter. Ich wartete gespannt auf zehn Uhr. Hoffentlich kam der Typ, sonst habe ich den Bus verpasst. Ein wenig unruhig, meinen Joker mit nur einer Karte auszuspielen, machte mit Kummer. Wie konnte ich es soweit kommen lassen? Ich nahm mir vor, dass ich in Zukunft nie mehr nur ein Pferdchen im Stall halten werde. Zehn Uhr zehn.
„Ich bin verkauft, Dave, dein dümmstes Gesicht, das machst du jetzt! Wenn du nur ein wenig vernünftiger wärst. Pohl Lüüp war ja nicht so schlimm. Klar ein Kotzbrocken, aber als solcher nur Mittel zum Zweck, sicher nicht wert, dass du darob die Nerven verlierst und die Ziele aus den Augen.“ Ich ging hart mit mir ins Gericht, aber das brachte mich auch nicht weiter. Wo blieb denn meine Hoffnung.
„Hier bin ich. Was wolltest du denn von mir? Mir sagten deine Augen, dass du eine wichtige Sache in petto hast.“ Der Kerl hatte Menschenkenntnis. Chapeau (en français dans le texte).
„Hei Mann, du bist der Sonnenschein in diesem dunklen Loch. Dein Vertrauen soll dir zugute kommen. Lass uns an einem ruhigen Ort eine Sache erläutern, die für dich der grosse Durchbruch sein kann.“
„Grosser Druchbruch? Den habe ich nicht mehr nötig. Den hätte ich vor 30 Jahren gebraucht, damals habe ich noch auf der anderen Seite der Polizeiabsperrung gearbeitet und den Tresor, den wir in Arbeit hatten, hätte ausgereicht, um mich und meine Familie für mehr als 67 Jahre zu versorgen, gut zu versorgen. Aber jetzt. Komm wir gehen in die Waschräume.“ Er öffnete die Tür. Wir gingen in die Fliesenabteilung. Eiskalter Klinker.
Mit wenige Worte schilderte ich ihm meinen Fall, zeigte ihm das Material und erklärte zwei, drei Zusammenhänge.
Er hatte überhaupt keine Mühe zu folgen. Keine unnütze Frage, die mich unterbrochen hätte, fully professional. Ein echter Cop.
„Ok, Mann, da haben wir einen grossen Fisch an der Angel. Mit den normalen Döschen für die alltäglichen Sardinen werden wir hier nicht weiterkommen. Grosser Fisch, grosse Pfanne. Ich habe einen Kumpel, der zieht Fäden wie ein Käse, aber nicht im Caclon sondern in der Geheimdienstfiliale unserer Stadt. Ich mach ihm ein Mail und bin gleich zurück. Bleib hier, ich komm gleich wieder.“ Die letzte Bemerkung verriet, dass er emotional doch nicht so stabil war, wie es den Anschein gab. Wo hätte ich denn hinsollen? In die übernächste Toilette? Ich setzte mich auf den Rand und verfluchte den letzen Benutzer. Unsauberkeit in den Bedürfnisanstalten ist eine weit verbreitete Ungepflogenheit, die man nicht genug anprangern kann. Leute haltet die Schüsseln sauber! Du weisst nicht, wann sie dir zu gute kommt, die Sauberkeit. Ich lümmelte so vor mich hin, als der Typ von vorhin aufgeregt ins stille Örtchen kam.
„Komm, dein Tipp ist so heiss, dass die Mittagssonne in der Wüste wie eine kühle Brise aus Nordost daherkommt.“ Er packte mich am Arm und mehr gestossen als gezogen taumelte ich durch die Gänge. Woher die Eile?
Diese Frage fand ihre Antwort in der kleinen Stube, die gleich neben den Haupttor lag. Pohl sass auf dem Tisch und kaute in angespannter Unruhe an seinen Fingernägeln.
„Bon appetit!“ Man hat ja seine Erziehung durchlaufen. Er verstand mich nicht und als erstes wollte er mir die Hand ins Gesicht schlagen.
„Du widerlicher….“ Meine Reflexe sind noch gut. Er hatte nicht einmal ausgeholt, aber in seinen Augen war klar, dass er einen Angriff vorhatte. Ich packte ihn also von der daumenlosen Seite der Hand, drehte sei gegen aussen und mit diesem einem kleinen Dreher und einem Schrittchen nach vorn, konnte ich ihn in die Knie zwingen. Das schmerzt und wenn man zu weit geht, dann splittert das Handgelenk. Wenn Sie mir nicht glauben, dass das möglich ist, dann verweise ich sie an die einschlägige Literatur, die solche Themen schildert und falls Sie dann die Umsetzung erlernen wollen, nehmen Sie sich einen Lehrer. Selbststudium ist gut für die Eierköpfe, Handeln lernt man besser von einem erfahrenen Lehrer. Doch wir sind nicht hier, um Sie zu belehren, es reicht, wenn Sie weiter lesen.
Er verzog das Gesicht, mehr bewundernd als aus Schmerz.
„Wow, sie haben gute Reflexe. Schade, dass sie nicht so schnell denken, wie sie handeln. Sie haben einfach Glück, dass du Tôle so gute Beziehungen hat. Bei der Schicht, die morgen hier ist, wären sie sicher nicht über eine saftige Abreibung hinaus gekommen. Und in unserem Geschäft darf Glück keine Chance haben.“
Eigentlich hatte er Recht. Aber ich schoss folgenden ab, um ihm den Schnabel zu stopfen:
„…“
Ok, er hatte mich. Ich liess ihn nur langsam los, da dass im Moment meine einzige Handhabe war.
„… und jetzt?“
„Wir sind in Kontakt mit den Technikern der staatlichen Funkmonitore. Aber gestatten sie mir, dass ich sie an einen anderen Ort bringe. Ich denke, die Nacht in der Ausnüchterungszelle wäre nicht sehr erholsam ausgefallen.“
„Wem verdanke ich diese?“
„Wem wohl? Prosit!“
Wir unterschrieben einige Formulare und Laufzettel, ich erhielt meine Schnürsenkel und meinen Hosengurt wieder. Und ab die Post.

24.5.06

den A.... aufgerissen?

„Augenfarbe des Orkans?“
„Tiefdunkel!“
„OK, steigen sie ein.“
Ich fuhr mit ihm in die Zentrale des hiesigen Geheimdienstes. Ich wurde noch einmal mit einem Irisscanner identifiziert. Dann führten sie mich in eines dieser Zimmer, die man eher in den billigen Fernsehserien vermutet. Mit einem Tisch, der an den Boden geschraubt war, zwei billigen Stühlen aus Stahlblech, einem riesigen Spiegel, der tief hängenden Lampe, mit dem obligaten Schutzgitter, so dass niemand die Glühbirne klauen kann. Ich hockte mich hin und bat um eine Zigarette, die ich anstandslos bekam. Ich steckte sie ein, ich bin ja Nichtraucher, aber wenn sie mich einbüchsen, dann habe ich was zu tauschen mit meinem Zellnachbarn. Der raucht sicher.
Aber so weit sollte es nicht kommen.
„Nun schildern sie uns mal, wieso sie bei uns anrufen, das Notsignal für Auslandagenten absetzen und dann an der Ecke Heimberger und Orbitalstrasse stehen. Das ist ja nicht im Ausland, wenn ich meinen Informanten trauen kann.“ Sein Witz war so faul, wie sein Atem. „ Da ist doch was scheps. Wir sind nicht bereit, ihnen alles zu glauben und den Rest haben sie sowieso erfunden. Also?“
„Ich habe eine wichtige Mitteilung für die Antiterroreinheit, wenn sie mich aussprechen lassen, dann erzähle ich ihnen, um was es geht.“
„Machen sie mal auf kleine Lippe. Wir stellen hier die Fragen.“
„Ich habe ja gar keine Frage gestellt.“
„Jetzt hatten sie genug Spass, kommen sie zur Sache.“
„Morgen sollte der Umzug zum neuen Film mit Dan Dee stattfinden. Und…“
„Wieso sollte? Meine Frau redet nur noch von diesem alternden Schnösel, sie hat sich sogar einen Tribünenplatz vor dem Rathaus gekauft. Das hat mich 60 Eier gekostet.“
„Dan Dee kann nicht am Umzug teilnehmen, er ist krank.“
„Denken sie, ich werde mein Geld zurückbekommen?“ Der Kerl war echt bescheuert. Ich war dabei, ihm zu verklickern, dass in unserer Stadt ein Terroranschlag geplant war und er wollte als einziges wissen, ob er die Tickets seiner Frau für den Umzug zurückerstattet bekomme.
„Die Tickets stecken sie sich mal an den Hut oder sonst wohin. Es ist vorgesehen, dass am Umzug die ganze Unterstadt gesprengt wird. Die wollen die Kanalisation mit Gas füllen und wenn der Gringo oben durchfährt, dann wird gezündet. Buummm! Claro? Geht ein Licht auf? Oder ist immer noch alles dunkel in der einsamen Mansarde, wo ihr Neuron zu hause ist?“
„Werden sie nicht frech! Ich wohne in einer Dreizimmer-Wohnung, mit Blick auf die Berge! – Aber, um was geht es eigentlich? Ich verstehe nicht ganz, was soll die Sache mit dem Gas?“
In diesem Moment ging die Türe auf und ein kleiner untersetzter Mann in grauem Anzug (Dreiteiler, piekfein und sündhaft überzahlt) stürmte herein. „Schon gut, Karl. Ich übernehme.“
Karlchen räumte den Platz und stellte sich in die Ecke.
Der kleine stellte sich vor: „Pohl Lüüp. Inspektor dritten Ranges. Beginnen sie bitte von vorne. Ich will alles wissen, bis in das kleinste Detail.“
Die wollte ich ihm sicher nicht geben und verschwieg alles, dass mit Asy zu tun hatte. Mit einigen Ausflüchten und Vertuschungen schilderte ich ihm die Art und Weise, wie ich an die Information gekommen war. Er hackte nicht nach und er spitzte erst die Ohren, als ich vom Anschlag erzählte und auf welche Art und Weise der Günstling der Weiber in die Luft gesprengt werden sollte.
„Ich habe ihre Akte studiert. Sie sind nicht als Informant geführt. Wieso glauben sie, dass wir ihnen vertrauen sollen?“
„Ich bin doch so gut wie ein Mitglied der Familie.“ Schliesslich bin ich erst kürzlich vergebens nach Bucuresti gefahren und somit habe ich sicher noch eins gut bei ihnen.
„Sie tauchen hier auf, fabulieren wilde Sachen und erwähnen mit keinem glaubhaften Wort, wie sie an diese Information gekommen sind. Ich fühle mich verarscht und das mag ich nicht und wenn ich etwas nicht mag, dann werde ich völlig ungehalten und das heisst…“ Dabei war er aufgestanden, hatte die Stimme immer mehr erhoben und packte mich am Kragen. Wahrscheinlich hatte er Alzheimer, seine Hand schüttelte mich erheblich.
„Habe ich schon erwähnt, dass es sich um einen Anschlag von Kah Osz handelt?“
Da liess er mich los, holte tief Luft, zückte sein Handy und keifte hinein: „Vier Überfallwagen. Sofort. Pyrotechniker inklusive. Sofort. Ich erwarte sie vor dem Seitenausgang.“
Dann zu mir: „Kommen sie mit. Wenn das ein Narrengang wird, dann haben sie ein gemütliche Einzimmerwohnung mit schwedischen Gardinen für die nächsten 300 Jahre. Und ich werde persönlich mich dafür einsetzen, dass im Knast ihre Vorliebe für Männer jeden Alters bekannt wird.“
Da wurde mir mulmig. Ich hoffe, Asy hatte sich bei der Interpretation der Daten nicht geirrt. Ich stand auf dünnem Eis. Und wenn der mich noch als warmer Knastbruder bekannt machte, dann schmolz diese Schicht schneller als ich weglaufen konnte.
Wir rannten die Treppen hinunter. Er voraus. Vor der Tür erwarteten uns die Autos, Blaulicht am rotieren. Sobald wir eingestiegen waren, dröhnten vier Sirenen los und wir brausten in Höchstgeschwindigkeit durch die Stadt. An der Kreuzung, die ich ihm angegeben hatte, hielten wir an. Kurze Lagebesprechung. Die Autos liessen wir auf der Kreuzung stehen. Während der Herfahrt hatte Herr Lüüp die Verkehrsleitzentrale angewiesen, den Autostrom umzuleiten. Wir hatten die ganze Kreuzung für uns. Jedes der vier Teams ging in eine Windrichtung, ausgerüstet mit starken Stablampen, Funkgeräten und sonstigem Krims und Krams.
Sie hatten den Auftrag, die Strasse entlang zu gehen und beim dritten Gullydeckel in die Unterwelt abzusteigen. Vor dort würden sie dann sternförmig zur Kreuzung kommen. Alle dreissig Meter sollen sie Bericht erstatten. Wir blieben im Auto sitzen, Lüüp hatte die Türen verrammelt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er als Polizist Angst haben muss, in einem stehenden Auto überfallen zu werden. Wir sind ja nicht in der Vorstadt von Saõ Paolo. Wenigsten mussten wir nicht draussen im Regen stehen, der sich mittlerweile ganz heftig über die Stadt ergoss.
Die armen Schroter, die da in die Gullys steigen mussten. Da kam wohl eine rechte Dreckbrühe zusammen und sie da mittendrin. Der Funkkontakt der ersten Equipe krächzte aus dem Walky Talky.
„Keine besonderen Vorkommnisse, ausser dass das Wasser rasant ansteigt.“
Eben kein Zuckelecken, aber insgeheim freute ich mich darüber, dass die da unten nicht nur eitel Sonnenschein antrafen, so etwas wie gerechter Ausgleich dafür, dass sie mich so oft gebüsst hatten.
Das ging so eine ganze Weile. Nichts Weltbewegendes. Ich bekam langsam kalte Füsse. Wenn die nichts entdecken, dann brauch ich keine Wohnung mehr suchen.
„Wir sind alle gleich hier unter der Kreuzung, wir haben nichts gesehen. Wir kommen jetzt rauf.“ Herr Lüüp stieg aus. Meine Tür bleib verriegelt, wie wenn ich nicht auch auf mit selbst aufpassen könnte.
„Der hat dich angeschmiert und du hast einen ellenlangen Rapport zu schreiben, wie es kommt, dass du mit vier, he VIER Einsatzwagen durch die Welt gondelst und dabei noch die ganze Verkehrsführung der Unterstadt durcheinander bringst? Der Chef reisst dir den Arsch so weit auf, dass der ganze Umzug Dan Dees darin Platz findet.“ Er hatte einen höhnischen Ton und schien sich ob dem Malheure seines Kollegen zu freuen.
Dieser wandte sich mir zu. „Hast du gehört, was mir blüht? Das ist dein Verdienst und ich lasse dich gerne teilhaben!“

22.5.06

Das Auge des Sturmes, oder wie hiess die Tochter der zweiten Frau ihrer Tante?

„Bitte bewahren sie Ruhe. Wir haben eine Situation, die es verlangt, dass wir unsere Gäste in Sicherheit bringen. Die Vereinigung der Mütter und Witwen ist auf dem Grundstück und wir müssen damit rechnen, dass einige subversive oder polizeiliche Elemente sich unter die Demonstranten gemischt haben, um von der Hitze des Gefechtes zu profitieren. Als Sicherheitsverantwortliche ist unsere Einschätzung massgebend und wir müssen sofort handeln.“ Dabei drückte ich einige Knöpfe der Fernbedienung und auf dem Monitor sahen wir die Bilder der Überwachungskameras Sektor Süd. Man sah einige vermummte Gestalten, die schwer bewaffnet durch das Dickicht krochen. Als Bild im Bild hatten wir die Szenen aus den Anfängen des Ansturmes der Witwen und Mütter eingeblendet. Einfach toll, was man mit der heutigen Technik an Illusionen hervorzaubern konnte. Wobei, die Schwerbewaffneten waren keine Illusion, aber man sah ihnen nicht an, dass es eigentlich Angestellte des Don waren, die Giuseppe durch die Wildnis führte.
„Che c’è? Perche questi brutti non sono eliminati?“ wollte der Don wissen.
Mit einem Augenzwinkern gab ich ihm zu verstehen, dass er sich einfach in die Situation schicken solle. Es sprach für ihn, dass der die Situation so schnell erfasst und uns sogar noch unterstützte.
„Dann machen sie schnell.“
Mit diesem Worten hatten wir den Freipass, den wir benötigten. Wir packten Dan Dee von beiden Seiten und stellten ihn auf seine Beine. Er wollte protestieren und wandte sich an den Don, doch dieser machte eine sehr ernste Miene. „La situazione è pericolosa. Andate con i responsabili.“
Da gab es nichts mehr anzufügen und in schnellem Schritt schleppten wir Schmalzi durch den Tunnel in Loggia. Über Funk gaben wir Giuseppe das Codewort. Er bestätigte den Empfang und wünschte uns viel Glück. Wenn wir das Gelände verlassen haben, wird er dem Don Bericht erstatten.
„Ich brauche meine Weste!“ labberte der Schönliche.
„Welche Weste? In der Weste nichts Neues würde ich Rainer Maria Wieschonwieder zitieren. - Und das Salz?“ wandte ich mich an Asy.
Asy schüttelte nur den Kopf. In der Aufregung war er nicht dazugekommen, dem Schönling diese Zutat zukommen zu lassen. Somit hatten wir noch keine Lösung im Zusammenhang mit dem anstehenden Umzug. Aber wir waren voll am Drücker und da hatten uns das Glück und die Vorsehung hingebracht. Also keine Angst, wir werden das schon richten. Und sonst finden wir einfach einen anderen, dem wir die ganze Schuld in die Schuhe schieben können. Wir waren schnell durch das Osttor. Der Fluchtwagen stand bereit und mit heulendem Motor verliessen wir die Gefilde. Schmalzo war erstaunlich ruhig und machte keinen Mucks. Ich sass mit ihm im Fonds des Autos und genoss die wilde Fahrt, Asy ist ein begnadeter Raser.
„Wohin bringen sie mich? Und wo ist meine Weste?“
„Wir bringen sie In Sicherheit! Und die Jacke lassen wir nachliefern.“ Er machte eine sehr betroffene Miene, doch wer konnte das nicht nachvollziehen?
Die Strasse war sehr gewunden und das Auto schlingerte um die scharfen Kurven.
„Machen sie bitte das Fenster auf, mir ist schlecht.“
Ich zeigte ihm die Knöpfe. Mit einem „uahh…ahhh“ steckte er den Kopf nach draussen und ergab sich auf die vorbeirasende Strasse. Asy hielt an. Der Kotzer hing im Fenster und hechelte kraftlos.
„Noch nie schnell gefahren?“ wollte ich von ihm wissen.
„Es ist nicht das…“ den Rest des Satzes ging in einem Gurgeln unter. Und dann sah ich unsere Misere. Der Kerl schwoll an! Er konnte kaum noch atmen. Da kamen mir Kindheitserinnerungen auf. Ein Onkel hatte genau die gleichen Symptome, bevor wir ihn ins Spital bringen mussten. Er ist damals noch knapp mit dem Leben davongekommen. Jetzt hatten wir wirklich ein Problem. Sollte ich ihm schon den Tracheenschnitt machen, oder konnte er noch atmen? Asy schien auch ganz ratlos und damit begann für mich das grosse Zittern. Musste ich alleine entscheiden und Verantwortung übernehmen? So hatte ich gar nicht gewettet, Teamwork war angesagt.
„Asy lass mich nicht hängen.“ Aber der hatte schon mit sich selber Mühe. Wenn Kranke in seiner Nähe sind, dann wird ihm auch ganz garstig und man kann nichts mehr mit ihm anfangen. So hat auch er seine Schwäche. Auf jeden Fall war eines klar und das war ja ein riesiger Lichtblick - in diesem Zustand konnte Dan Dee morgen auf keinen Fall am Umzug teilnehmen. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Mir blieb nichts anderes übrig, als meine Hausarzt zu avisieren. Dann schubste ich Asy vom Fahrersitz, wo er ganz bleich vor sich hin sass. Der Geruch von Krankheit hing schwer im Wagen. Mit vollem Gebläse versuchte ich die dicke Luft zu verdünnen und mit vollem Gas flogen wir Richtung ärztlichem Beistand.
Dort angekommen, trugen wir den Kranken ins Behandlungszimmer, wo der Doktor schon auf uns wartete. Dan Dee bewegte sich nicht mehr. Sein Puls flatterte und er roch aus dem Mund.
„Azeton, typischer Fall von Diabetes. Wo hat er seine Medikamente?“ Jetzt dämmerte mir, wieso der Kerl unbedingt seine Jacke wollte.
„Die hat er nicht bei sich.“
„Na dann.“ Der Doktor stach dem Schwächling in die Fingerkuppe und verwendete irgendwelche Instrumente und Mittel, dann gab er ihm eine Spritze. „Das wird ihn stabilisieren, er muss aber für die nächsten 48 Stunden in Beobachtung.“
„Aber sicher! Geht es auch länger?“ Was konnte besseres passieren, als eine Einlieferung in ein Spital? Dort war er unabkömmlich für den Umzug und ich war fein raus! Bingo!
Sofort liessen wir den Helikopter aus dem Privatspital kommen, wo sich der Don auch immer behandeln lässt. Das Spital befindet sich auf einer Insel im nahe gelegenen See, völlig abgelegen und man verlässt das Eiland nur, wenn man offiziell entlassen wird. Widrigenfalls steht weder ein Boot noch ein Flugzeug zur Verfügung.
Der Helikopter war schön rot und landete auf den Punkt genau in der Mitte der Strasse. Ich liess es mir nicht nehmen, mitzufliegen.
Wir wurden höchst professionell empfangen und der Check in verlief reibungslos. Der Günstling war für die nächsten 48 Stunden für den Rest der Welt nicht zu erreichen und ich hatte das Wort des Oberarztes, dass er Dan Dee nicht entlassen werde, ohne sich mit mir vorher abgesprochen zu haben.
Auf dem Rückweg brachte mich der Helikopter zum Auto, wo Asy sich in der Zwischenzeit erholt hatte.
Jetzt hatten wir noch eine weitere Sache zu erledigen. Wir waren übereingekommen, dass wir unsere Beziehungen zum hiesigen Geheimdienst fruchtbar einsetzen wollten. Asy wollte nichts mit diesen Leuten zu tun haben und bevorzugte, bei sich zu Hause noch mit dem Computer rumzuspielen, um eventuell noch mehr über Kah Osz zu erfahren. Wieso er in der Zwischenzeit keine Panik mehr empfand, wenn er an Kah Osz dachte, blieb mir schleierhaft.
Aus einer Telefonkabine rief ich die Nummer, die ich in meinem Handy unter dem Namen Cret Topse abgespeichert habe. Wir haben diese Nummer schon angetroffen, als mein Auslandsausflug im Auftrage des Geheimdienstes nach Bucuresti so kläglich daneben ging. Mein Case-Officer nahm sofort ab. „Wir erwarten keinen Anruf von ihnen, bitte gehen sie aus der Leitung.“ Und schon hatte er abgehängt. Dieselbe Prozedur nochmals. Beim dritten Mal hatte ich endlich die Gelegenheit meinen Notfallcode anzubringen: „Wilde Esel rennen durch die Prärie.“ Ich wurde sofort weiter verbunden.
„Erkennungsnummer?“
„Null Komma nichts.“
„Erste Silbe der Tochter der zweiten Frau ihrer Tante?“
„Petra ist nicht verheiratet.“ Damit hatten wir die Formalitäten erledigt. Wer sich auch immer die Code-Sätze überlegt hat, musste eine Wand weg haben, wie konnte er nur davon ausgehen, dass meine Tante je heirate?
„Ein Taxi wird sie abholen, bleiben sie vor Ort. Der Taxifahrer will wissen, welche Farbe das Auge des Orkans hat. Sagen sie tiefdunkel.“
Also wartete ich auf das Taxi. Die Viertelstunde kam mir unheimlich lange vor.
„Welche Farbe hat das Auge des Orkans?“
„Hä?