28.3.06

Auf den Hund gekommen.

Heute Morgen hat es ganz früh Sturm geklingelt. Es war wieder meine Wohnungsnachbarin, der die Angestellte eine schlechte Tour gespielt hatte – sie war nicht gekommen, sie habe etwas mit dem Scheidungsanwalt und sei verhindert (ob das auch so einer ist, der sich die Arbeit nach Hause nimmt, wie der Standesbeamte von neulich?). Trotz der schlechten Erfahrung beim letzten Mal wolle sie es noch einmal mit mir versuchen. Ich denke es war, weil sie sonst niemanden so auf die Schnelle engagieren konnte. Da schönes Wetter war und sie mir einen Sonderbonus versprach (sie werde mich bekochen und das kann sie ganz leidlich) habe ich den Auftrag angenommen. Diesmal war ich überall rechtzeitig und hatte bloss einen kleinen Zusammenstoss mit der Chihuahua-Lady, bei der ich das letzte Mal zu spät gekommen war. Sie hat mir den Hund trotzdem überantwortet. Ich war mit der ganzen Meute im Park und habe alle Gassi machen lassen. Am Kiosk habe ich mir eine Schokolade gekauft und als ich rein biss, stellte ich fest, dass ich eine Schokolade mit Kirsch erwischt hatte. Ich hasse Schokolade mit Kirsch und da man angefressene Schokolade schlecht wieder zurückgeben kann, habe ich sie weggeschmissen. Da sauste der Chihuahua hinter her und frass die ganze Tafel auf. Kaum hatte er alles gefressen, warf er sich auf den Rücken, jappste noch zweimal und blieb dann ganz still liegen. Tot? Tot vom Schnaps! Schei….benkleister. Ich hab den Hund gekillt! Den Hund in die ewigen Jagdgründe spediert! Wie mach’ ich das nur wieder gut? Käumlich. Als erstes wickelte ich den noch warmen Kadaver in eine Zeitung und steckte das Bündel in meine Umhängetasche, ich konnte ja den Hundling nicht einfach liegen lassen. Auf dem Rückweg brachte ich all die Hunde und Hündchen ihren Besitzern zurück. Dabei überlegte ich angestrengt, wie ich der Chihuahua-Lady beibringen sollte, dass ihr Hundilein nicht mehr ist. Da kam mir eine geniale Idee. Kurz entschlossen schnitt ich die Leine entzwei. Beim Hause der Dame angekommen, räusperte ich mich zuerst einmal und probte meinen Einsatz. Als sie meinem Klingeln die Tür öffnete, zeigte ich ihr die Überreste der Leine und brachte ihr ganz schonend bei, dass ihr Hund entführt worden sei. Ich musste die Geschichte etwa dreimal wiederholen, bis sie mich endlich verstand. Dann brach sie in hysterisches Kreischen aus. Bei mehr als 110 Dezibel ist die Schmerzgrenze und da waren wir wohl schon erheblich drüber. Ich tat alles, damit sie sich wieder beruhigte und konnte ihr noch den guten Rat geben, ja die Polizei nicht einzuschalten, das würde die Entführer sicher nur verärgern und wer wollte von seinem Hund ein Ohr zugeschickt bekommen. „Der Hund ist schon coupiert, was fällt ihnen denn ein“, erst danach erfasste sie die Tragweite meiner Ausführungen und wir hatten schon wieder Ohrensausen. Ich brachte sie in die Küche, gab ihr etwas zu trinken. Langsam kam sie wieder zu sich und wollte wissen, was sie denn jetzt tun solle? Ich gab ihr den guten Rat, abzuwarten, die werden sich sicher melden, wer wollen den Tod eines Hundes, wenn man damit noch Geld verdienen könne, wenn sie seinen Tod gewollt hätten, dann hätten sie ihn ja sofort umgebracht und … sie schrie wieder was das Zeug hielt und ich machte mich aus dem Staube. Zuhause erzählte ich die ganze Story meiner Wohnungsnachbarin, die umgehend die Polizei benachrichtigen wollte. Nur mit Mühe gelang es mir, ihr weiszumachen, dass die Besitzerin unter gar keinen Umständen die Polizei beiziehen wolle, es gehe um das Wohl der Hundes und überhaupt. Nach all der Aufregung ging ich ins Bad und leerte die Whiskyflasche, die ich dort so ´rumstehen habe. Entspannt und leicht betrunken legte ich mich danach auf mein Bett und da lag ich noch, als mich plötzlich jemand an der Hand leckte. Der Hund, denn hatte ich ja ganz vergessen, aber… Er war ja gar nicht tot! Was ist denn geschehen? Er ist offensichtlich nicht tot. War der einfach nur besoffen? Und jetzt hat er einfach seinen Rausch ausgeschlafen? Was soll ich jetzt tun? Himmel und Sahnehäubchen… „Um mir das genau zu überlegen, muss ich wohl erst mal meinen Schwips entsorgen“ und daraufhin schlief ich ein.

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