19.3.06

mein tageswerk - sleuth as sleuth can

Ich bin ein Detektiv und führe hier mein Tagebuch. Viel habe ich nicht einzutragen, einen Job habe ich im Moment nicht. Daher bessere ich mir meine Rationen auf, in dem ich als Aushilfsarbeiter im Bahndepot der Stadt helfe, wenn die frischen Fische angeliefert werden und auf die Bestellungen der Restaurants der Stadt verteilt werden müssen. Heute war Ruhetag. Am Sonntag werden keine frischen Fische ausgeliefert und in den Restaurants ist die Reklame "Heute frische Fische " eine glatte Lüge. Doch wer betrogen sein will, kann das ja haben, wie er will. Also war heute morgen ein fauler Tag und ich habe mir viel Zeit gelassen, bevor ich mich aus den Lacken wickelte. Gleich danach haben meine ganz grossen Alltagssorgen angefangen - die Wasche, die gestern noch ganz in Ordnung war, hat den Strapazen des gestrigen Abends nicht standgehalten. Gestern war wieder so ein Abend. Ich habe mir die besten Vorsätze und die gutgemeinten Ratschläge mal kurz in den Wind geschossen, und bin eingetaucht in den Unterleib der Stadt. Diese Tanzstätte ist die absolute Annmache, ersetzt wohl vielen den Weg ins Puff und strotzt nur so von verdunstetem Oestrogen und verschwitztem Testosteron. Die Musik ist laut, der Rauch noch toleriert und daher auch noch stark verbreitet. Du kommst da rein, der Türsteher, der dich schon von früheren Besuchen kennt, offeriert die als erstes die Schöne der Nacht, die er wohl im Stundenlohn vermietet. Lächelnd abgewinkt, danach stund mir nicht der Sinn. In schnellem Tritt die Trepp hinab. Eintauchen in die Bühne eitler Männschlichkeit und hinein in das Wallen der Körper, die sich durch Renkung, Dehnung und wohlfeiler Balz in Szene setzen. Die Luft ist schwanger mit Rauch, aber die Nase wird mit allerlei Moschus und sonstigen "Riech mich - doch!" vollgeblasen. Die Kundschaft in diesem Etablissement ist eine Gruppe von Männern und Frauen, die sich hier immer wieder mal einen Partnerwechsel wünschen und finden. Es ist ganz in Ordnung, wenn man im Februar mit einem anderen Partner nach Hause geht als im März und April darf es dann wieder der vom Jänner sein. Auf jeden Fall ist die Chance gross, dass der dann immer noch da ist und auch schon wieder verfügbar. Es ist auch die Stätte, wo die Frau ganz auf ihre Kosten kommt, sie hat die Qual der Wahl und damit auch die Macht der Nachfrage. Das Angebot an Männlichkeit ist gross und um ihm zu entkommen, braucht es nur genug Widerspenstigkeit, wenn das Balzen mal ausser Rand und Band geraten sollte. Die Gockel haben es an sich, dass sie machmal den Hahnenschrei vergessen und einfach darauf sezten, dass sie so ganz unwiderstehlich sind. Zum Teil ist das für die Damen natürlich lästig, aber ich habe während meinen Besuchen noch nie erlebt, dass einer der Männer das klare "Nein!" der Frau, nach dem 11. Mal nicht doch endlich erhört hätte. Frau muss halt schon standfest sein, wenn nicht jedwendes Angebot an männlicher Zuneigung willkommen ist. Es ist wohl ein unumgängliches Attribut derartiger Veranstaltungen, dass die Anzahl an Frauen und die Anzahl an Mnnern nie ausgeglichen ist. Die hulde Form der Menschlichkeit ist in der Midnerheit und infolge dessen auch heftig umworben. Daher wohl auch die selektive Schwerhörigkeit, wenn es darum geht, den Frauen den Wunsch von den Lippen abzulesen: "Lass mich in Ruhe!". Diese Situation führt dazu, dass die Reizbarkeit Tagesordnung ist und das kann schon mal in einem Schlagabtausch münden, der nicht nur verbale Schlagfertigkeiten zu Tage bringt. Es kann auch mal vorkommen, dass da ein Hemd zerreisst oder ein Nasenstüber ins Volle trifft. Dies gibt dem Lokal sowas echtes, kein Firlefanz und "ich wär so gern". Hier ist und wird, kein könnte und wäre schön wenn". Handgreiflich kann es auch auf der Bühne zugehen, da wo sich diese Erwartungshaltungen mischen und die Damen und Herren in rhythmischen Körpern der Musik folgend die wenigen Quadratmeter bevölkern. Es ist schon vorgekommen, dass der Mann mal am Hintern "angegriffen" wird, weil eine der Frauen ein Auge auf ihn geworfen hat. Diese Aufforderungen durch die Frauen sind meist nur dezent und sind sicher kein einfaches Spiel. Aufgrund der geschilderten, männlichen Aufmerksamkeit, die wie süchtig nach jedem Zeichen weiblicher Aufforderung sucht und darauf lauert, dem kleinsten Wink nachzugehen, darf das Spiel der selektiven Gewogenheit nur im gut Verborgenen erfolgen, um nicht Gefahr zu laufen, dass die gestaute Anmache, voll zum Tragen kommt. Das ist natürlich der Spielplatz der Tanzenden. Da wogt und wippt, steppt und flippt mal die Hand, mal das Bein in den Raum, den auch der andere beansprucht und wenn man es richtig macht, kann es schon vorkommen, dass die Hände ganz kurz beieinander verharren und das Prickeln schon fast physisch wird. So wurden schon ganze Beziehungen eingefädelt. Es ist schon schön, wenn man in dieser Menge tanzt und man der ist, dem alle Frauen zutanzen und danach schmachten von ihm in die Arme genommen zu werden.
Ich gehe auch dorthin. Natürlich sind meine Beweggründe ganz anderer Natur. Ich bin nicht aus, den Damen zu gefallen, noch will ich mich mit den anderen Männern messen. Mein Argument ist ganz praktischer Natur. In den mondänen Schuppen der Nacht unserer Stadt habe ich keinen Zutritt, sei es, weil sich mich schon einmal rausgeschmissen haben (da sind noch einige ganz heisse Geschichten vergraben, die wir uns für später aufheben wollen), oder weil für mich die Eintrittshürde in Form des Obulus ein-, zwei Faktoren zu hoch ist. Wie schon erwähnt, mein Geschäft hat noch nicht den Umfang, den es verdient hätte.
So leiste ich mir den ersten "Einsatz" auf der Tanzfläche, mit flüchtigen Schritten durchmesse ich den ganzen Raum und merke mir, wo die Schönsten sind. Ohne aufdringlich zu wirken, schaue ich mich um und lass meinen Blick auch mal ein wenig länger auf den schön geschwungenen Schultern oder dem anmutigen Hals ruhen. Es ist allen klar, dass man zeigen darf, wenn man etwas schön findet. Schliesslich sind wir alle hier, um zu gefallen, wobei ich natürlich diese Motivation nur unter "ferner liefen" für mich gelten lassen will.

Ich muss mal kurz unterbrechen, schliesslich habe ich noch andere Verantwortungen als nur diese Geschichte.

1 commentaire:

dave_courago a dit…

wenn schon jemand zu diesem blog eine Kommentar hat, dann wohl ich! Wer usurpiert da meinen Namen? Gibt es irgendwie eine Möglichkeit, dass ich meine Identität bewahre und der einzige sein darf, der sich dave_courago nennt? helft mir weiter, der kerl hat sich wohl vertippt! oder sein hirnkasten ist mit verdorrtem ketch up verstopft. Nieder mit dem Namensklau!