Wir waren natürlich viel zu früh vor dem Tor. Wir hatten ja um 10 Uhr abgemacht. Als das Taxi um 08:45 vor dem Anwesen anhielt, waren wir ein wenig bedripst. Mehr als eine Stunde einfach so rumstehen? Kommt nicht in die Tüte. Frisch geklingelt.
„Was wollt ihr?“ Aus einem Unterstand, den man von der Strasse aus gar nicht sah, trat einer dieser Gorillas auf uns zu.
„Mach dir Beine, es geht los. Ich will zu Giuseppe, aber fix.“ Auch er war es sich gewohnt, so angesprochen zu werden. Er öffnete das Tor und liess uns rein. Keine Frage, wer wir waren. Die Sicherheitsbestimmungen waren entweder nicht vorhanden, oder nicht eingehalten. Das war ein spannendes Stück Arbeit. Mit Asy sprach ich ab, dass er sich diesen Themas annehme. Wenn wir beim Don auf die Mängel in seinem Sicherheitsdispositiv ansprachen, dann wird er uns sicher zuhören. Welcher Don kann es sich leisten, dass seine Jungs in nicht genug schützen? Der tritt ja jedem und allen auf die Zehen, der kennt wahrscheinlich nicht einmal all seine Feinde, dass er keine Freunde hat, das weiss er sicher und genau da war sein Punkt, da müssen wir hin. Dort ist sein Bedarf, sein Geld gezielt einzusetzen. Diese Börse, die wollte ich für mich. Als wir an der Hasutür ankamen, verabschiedeten wir uns vom Gorilla und schickten ihn wieder in die Bäume. Noch ein grober Fehler, Gäste werden grundsätzlich begleitet, alles andere gibt Raum für Unfug. Wir nützten diesen Raum und gingen kurz bei den Stallungen vorbei. Wir hatten einige weisse Mäuse bei uns, die wir in Rhizinusöl tauchten und bei den Hyänen und den Krokodilen liessen wir diese Viecher los. Weit kamen sie nicht, die wurden alle kurz-spitz aufgefressen. Bei der Dosis werden die Bestien sicher bald eine ordentliche Diarrhö entwickeln und dem armen Narbo die ganze Stallung voll machen. Damit war er wohl mal eine Weile ausser Gefecht. Unbehelligt und ohne Videoüberwachung gingen wir ins Hauptgebäude. Vorher aber noch eine kurzen Abstecher in die Garage. Mein Liebling war wirklich im Stall. Maserati Quattroporte. Durch ein einfaches Herumschnüffeln erfuhren wir auch, wo die Schlüssel waren. Wie jede ordentliche Garage hatte auch diese ein Zimmerchen, wo man auf die Herrschaft warten konnte, wenn man der Chauffeur ist. Da gab es Fernsehe, Magazine, Videos und eben das wichtigste, das Brett mit den Schlüsseln, es war nach dem Grundriss der Garage aufgeteilt und da hingen die Schlüssel. An jedem eine Benzinkarte, das Codewort gross neben der Tafel auf einem kleinen Klebezettel notiert: „Oxidation“. Schlaraffenland für die Gilde der Diebe. Der Entschluss, heute mit dem Maserati eine Ausfahrt zu machen, um dem Don zu zeigen, dass er wirklich besser beschützt werden sollte, war schnell gefasst. Im Hauptgebäude kannten wir ja schon den Weg in die Küche, den Kerl, der am Eingang stand und seine Uzi putzte, grüssten wir freundlich, schliesslich hatte er uns ja gestern schon gesehen. Schnurstracks in die Küche, vielleicht hatten sie ja noch von dem guten Kaffee. Die schwarze Brühe war ein Gedicht und beim vierten riet uns der Koch, wir sollten doch später nochmals kommen, allzu viele Tassen aufs Mal sind dann doch starker Tabak. Wir dankten ihm, guckten noch in alle Töpfe. Da wollte er wissen: „Bleiben die Herren zu Essen?“
„Sicher, aber wir werden vielleicht hier in der Küche essen müssen. Wir haben sicher einen Auftrag für den Don zu erledigen und da wir noch neu sind, werden wir natürlich keine Ausreden haben, wieso wir nicht sofort daran sind, diese Aufgaben zu erledigen.“
„Natürtlisch“. Ein Franzose.
„Et chez Gault Millaut?“
„Maximum bien sûr. “
„Formidable, darf man zuschauen?“
„Bien sur, la cuisine est le théatre le plus spectaculaire du monde. Nous démarrons les grandes choses à midi pille. Le repas aura lieu entre 12 :45 et 13 :25. D’ailleures faut que je me grouille. Messieurs.“ Wie ein Gardeoffizier klackte er seine Hacken. Den werden wir sicher nochmals treffen.
Wir hatten sehr wenig zu tun, die Zeit blieb wie stehen, so viel neues, all die Möglichkeiten, die sich uns da auftaten. Wir beschlossen, uns mal kurz anzusehen, ob unsere Schliche mit dem Rizinus eingeschlagen hatte. Aus den Stallungen hörten wir ein lautes Schreien, neugierig näherten wir uns. Durch die Tür guckten wir. Besser, wenn Cicatrice uns nicht sah. Ein halbes Dutzend völlig verstörte Tierwärter standen herum und mussten sich die Standpauke des Geschnittenen anhören. Unflat so einer, die Worte lassen sich kaum schreiben, da setzt dann wohl jede einigermassen kultivierte Tastatur aus. Wir hatten wahrscheinlich zuviel des Guten getan, eine der Hyänen lag vor der Gruppe am Boden und war sicher tot. Hoffent„Bien sur, la cuisine est n bei diesen Tieren sonst findet noch jemand die Rizinusmäuschen. Und das war sicher nicht gut so. Also schlenderten wir hin und machten erstaunte Gesichter?
„Was ist den hier los? Ein Tier gestorben?“
„Was macht ihr denn hier? Ihr seid hier nicht willkommen! Ausserdem habt ihr erst heute Nachmittag Termin beim Don. Er hat gesagt alle tré.“
„Ich bin leider noch nicht so sprachgewandt und habe verstanden: matinéé. Aber wir wollten nicht stören, bloss, ist das Fell dieses Tieres zu verschenken? Ich wollte schon immer ein Hyänenfell, diese Tiere habe so etwas einzigartiges in der Tierwelt.“
„Ja, finden Sie?“ Er schien erstaunt, dass jemand sein Steckenpferd teilte. Er wurde viel zugänglicher.
„Darf ich Ihnen den Kadaver abkaufen?“
„Wenn Sie wirklich ein Kenner dieser Tierart sind, dann schenk ich Ihnen das Tier¨“
„Aber sicher, ich weiss auch schon welchen Ehrenplatz ich dafür vorgesehen habe.“ In der Garage musste ich etwas unter mein Auto legen, da die Ölwanne undicht war.
Wir packten das Tier auf eine Schubkarre und brachten es in die Garage. Somit war mal der corpus de victi aus dem Weg geschafft. Natürlich konnten wir für diesen Transport nicht den Maserati nehmen. Zudem was sollten wir beim Kürschner? Giuseppe hatte sicher noch einige Kotzbrocken, die mit dieser Aufgabe betreut werden konnten. Auf einer Karte, die da rumlag, schrieben wir die Adresse des Kürschners auf. Um 10:15 gingen wir zu Giuseppe, gaben ihm die Karte und den Auftrag. Wir werden natürlich warten, bis `alle tré` und für die Verpflegung sei gesorgt. Er empfahl uns die Gewächshäuser, die sind einzigartig, sehr zu empfehlen, zudem ist dort auch die Tagespresse und ein Zugang zum Internet bereitgestellt. Nichts wie hin - bestellten noch ein Tässchen Kaffe und lasen die Zeitungen. Nur Schutt und Geröll konnten die armen Journalisten ausmachen, kaum ein Bericht, der sich über eine gute Entwicklung freute, oder eine viel versprechende Initiative schilderte. An ihren Worten sollt ihr sie erkennen. Nur der, der immer das Schlechte feststellt, wird Spezialist des Minderwertigen.
Seit Asy die IT-Ausrüstung gesehen hatte, war er vollauf beschäftigt. Die diversen Keybord-Recorder installiert und schnell eine zweite Schattendomaine installiert, die den ganzen Betrieb kapselte. Eine logische Enteignung, ausserdem ein Notfalltürchen auf der physischen Ebene, der Einschub war kaum zu sehen und wer sucht schon in den Kabeln?
Um die Zeit zu füllen, erklickte ich mir einige heisse Leads, aber wer mag den heute noch alles lesen, was im Internet steht? Die freien Enzyklopädien sind Wundertüten, was da alles geschrieben rumsteht. Ein wenig Wetter ist immer gut, schnell die Com gelesen und siehe da, ein Mail von Aggs Iohm. Ich kannte ihn nur aus dem Internet, aber er war der, der mich mit den letzten Trends versorgte. Ich war in den langen Text vertieft, als Asy mir auf die Schulter tippte, beinahe hätten wir la Cuisine verpasst.
„Bienvenus! Wir sind gerade in den Startlöchern, er schaute sich noch um, zwei Klatscher und die Reise ging los. Alle hatten ihre Arbeit im Griff und unserer Ratschläge wären sicher nirgends angebracht, deshalb machten wir uns an den Sommelier. Der ha ja meistens die Schlüssel à la cave. Seine Ausführungen waren die eines Kenners und die Weine, hielten alles, was man sich von so einem Keller verspricht.
Nach dem Essen machten wir uns noch einen guten Einblick in die Anlage, die Sportplätze, die Sauna, Park und all der Umschwung, weiter draussen war eine kleine Schlucht. Jemand hatte sich dort die Mühe gemacht ein Sportgelände für Kletterer einzurichten, auch einige Hindernisse, die stark an Militärbarrikaden erinnerten. Das Haus hatte einen Innenhof und war gegen aussen schroff und klar getrennt. Eine Architektur, wie man sie im oberitalienischen Ebenen verwendete, als noch Vaganten und Plünderer die Besitzansprüche in Frage stellten. Auch heute noch eine gute Defensive, wenn man allein sein will. Alle tré, „Hallo Don Zio oder wie sagte man schon wieder Onkel’chen?“ Asy zuckte die Schultern, „sag einfach nett guten Tag, lass ihn sprechen, er weiss genau was er will und das wollen wir doch auch? Ich überlass es dir, wann wir die Diskussion über die Sicherheitslöcher starten wollen. Ich habe ein offenes Dossier, das klassiert alles, frag einfach.“ Asy, wenn er effizient ist. Der Don wahr sehr jovial, machte aber für die Galerie irgendein Auftreten mit anderen wichtigen Gesichtern und das ewige Bestätigen der Treue, die gegenseitig bereichert und klar die Pfründe zuordnet. Überhaupt ging es um Pfründe. Nach einem weiteren Anstossen auf ein gemeinsames Cantat in Sizilianisch. Alle waren verbrüdert, dem Clan die Treue abverlangt und allen geht es gut.. Der Don winkte uns zu sich. Respektvolle Begrüssung und unvermittelt zum Business. „Ich weiss, was ihr alles könnt, wenn ihr auf eigene Rechnung arbeitet, aber wie macht ihr, wenn ihr auf Auftrag arbeitet?“
Lange Gesichter. Mit dieser Frage hatten wir nicht gerechnet, eigentlich hatte wir ja schon alles in der Hand, um Geschäfte abzuwickeln, was uns noch fehlte, war die Armschaft, aber da ist ja meist in sous-traitance am billigsten. „Don, Tio Don, kann man das so sagen?“ Er nickte überrascht: „Ma sei della familie?“ Wir nickten, verständnisheischend, wenn er uns nur glauben wollte. Dann kam er zu Sache: „Wo ist die schwächste Stelle in meiner kleinen Welt?“ Wir blickten ihn verständnislos an, worauf wollte er hinaus? „Na ihr, ihr seid die schwächste Stelle in meiner kleinen Welt. Kaum gerufen und schon voller Anmassung unterwegs, durch nichts gestoppt, ausser durch eigene Verbote. Wie soll ich da umgehen mit? OK, alles was ihr anpackt macht ihr auch gleich fertig, aber wie stehen eure langfristigen Pläne? An welchem Teil der Operation seid ihr bereit, euch zu messen?“ Pfründeschacher.
„Jeden Teil, den Ihr uns abtreten wollt. Ausserdem hätten wir eine kleine Analyse, was ihr Sicherheitssituation betrifft.“
Eine anerkennende Augenbraue fuhr hoch und mit einem rundlichen Fingerchen winkte er uns in seine Flüsterdistanz. Der Auftrag war happig, als Detektiv sind mir manchmal die Hände gebunden, wenn es darum geht, die Vertraulichkeit zu wahren, ich kann also nicht darüber sprechen aber die libertad d’action war die richtige, ganz genau unserer Art und Weise vorzugehen.
Der erste Schritt war eine gute Adresse für einen Delikatessenladen. Dort sollten wir eine Import-Export Boutique mit Ausstellungsraum bereitstellen, damit die Kundschaft angenehm bedient werden kann. Wir hatten irgendwo noch einige Aktienmäntel – fragt Giovanni, der hat eine lange Liste – Das Konto hatten wir ja schon und – bitte vergesset nicht, das Konto im Name der Cosa einzutragen, der Controller sagt mir, ihr habt immer noch Privatgeschäfte auf unseren Konten – und bei unseren schaute er uns beiden tief in die Augen – und er wird sich sicher wieder melden, wenn das nicht sofort in die richtigen Bahnen komme. Wir liessen den Mann rufen, der in einer Ecke stand und wurden vorgestellt, Compte Able, Asy und ich.
„Wo können wir bitte die Unterschriftenliste anpassen lassen?“
„Gleich hier“, er legte uns ein Papier vor, das wir aber erst einsteckten, Kleingedrucktes ist manchmal so klein geschrieben, man findet es nur zwischen den Zeilen. „Ihr habt Recht, euch mit den Verträgen auseinandersetzen. Sie sind das Salz des Geschäfts, als Prise ein Genuss, löffelweise sind sie schon Gift.“
Wir wurden entlassen. Der Deal der uns auferlag, war nicht so schwierig zu bewerkstelligen. Doch später, wenn es soweit ist. Wir verabschiedeten und von allen, die wir getroffen hatten, jedem einen Händedruck und ein nettes Wort für all die Arbeit, die er bewältigen konnte und die Mitarbeiterschaft war es sich zufrieden, so wenigstens die Absicht unseres Auftretens. Auf dem Weg in Asys Bleibe schwafelten wir die ganze Zeit, von unseren Plänen die wir mit der organisazione hatten. Er schaltete sich schnell ins Netz und schob Daten hin und her. Die Musik leierte ein netradio und im ganzen home-sweet-home seine Technogadgets. Entspannung, Leichtigkeit und Luft auf dem Balkon war eine gute Einstimmung auf die fortgeschrittene Zeit, der Abend nahte und Arbeit brauchen wir morgen auch noch. Jill to passion hiess der Song der gerade trällerte. [Die entsprechenden Links werden wir bald dazuschalten (die IT-Red.) ]
Nur keine Müdigkeit vorschützen, der Dampf ist noch nicht draussen. Wo kommt eigentlich das Leben zustande? Ist es die Stelle wo Oxidation ihr Kräfte walten lässt. Da brennt sich eine ganze Natur durch die Zeit, alles auf Oxidation ausgelegt. Wie konnte in dieser prägend, darwinistischen Weise, ein „Kultur“ entstehen? Die Sprache ist doch der Sklavenhalter. Die Phrasen sind einfach und laut, aber einprägsam und rhythmisiert. Genau diese Stelle in der Zündschnur, dort wo sie die Dauer brennt, die es braucht, bis alles in Brüche geht, dort ist wohl die Natur unterwegs. Wir mit diesen riesengrossen Altlasten voll mit dabei und nur wage Technik als Heilsversprechen.
Das Gewimmel der eifrigen Night-fever Welle, war uns eine lang ersehnte Abwechslung im Tagesablauf, die Gedanken wandern und dabei tirfft man immer wieder neue interessant Turfs, wo viel Stimmung lauert, auf den Erwecker wartend, damit sie losschlagen kann, die Richtung finden, branden an der Resistenz, die der Abend noch in sich hat, bis im Punkt der Oxidation auch die gesellschaftlichen Komponente abgebrannt wird. Tanz und Alkohol sind eine dynamische Mischung, am Ende bist du so muede, dass du nur noch in die Laken fallen kannst und hoffst, dass die Laken morgen immer noch Laken sind. Asy ging ein wenig früher zu Bett. Ich blieb gleich im Lokal liegen. Sie empfangen dort den Morgen mit einer zweiten Equipe, die es sehr gut verstand, das Erholsame zu betonen, vom dampferhitzten Waschlappen und dem frischen Kauholz ganz zu schweigen.
18.4.06
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