5.5.06

Lupara - oder der Schuss geht in die Hose

Ich war vollauf beschäftigt, als der Don plötzlich in meinem Zimmer stand.
„Davide, wir haben einiges zu besprechen.“ Er sagte das in einem Ton, als sei er stark bemüht, seine Ruhe zu bewahren. Das beunruhigte mich dann auch. Was war es, das den Don aus dem Konzept bringen konnte?
„Ich werde dir jetzt etwas erzählen, dass ich nur dir erzähle. Mir liegt viel daran, dass es zwischen uns bleibt und unter keinen (ganz schmale Augenschlitze unterstrichen diese Worte) Umständen darfst du darüber reden.“
Erleichtert schnaufte ich auf. Meine ersten Gedanken konnte ich wieder über Bord werfen. Ich hatte Angst, irgend einen Fehler begangen zu haben, denn er sühnen wollte. Aber wenn er mich in sein Vertrauen ziehen wollte, hatte ich ja noch gute Karten. Ich hoffte darauf, dass ich diese Karten richtig spielen werde.
„La Diva hat dan Dee eingeladen, mit uns zu essen. Du hast mit ihr ja schon die Modalitäten besprochen.“
Ich war nicht sicher, ob das eine Frage, oder bloss eine Einleitung war und nickte vorsorglich.
„Dan Dee hat zugesagt.“
Gut!
„Er wird alleine kommen. Ich habe angeboten, dass er bei uns übernachten kann, was mir eine blosse Formalität schien, aber er hat angenommen. Und jetzt brauche ich die Garantie, das der Ker… (ein dunkler Schatten lief über sein Gesicht) …er nicht zu Schaden kommt. Meine ganze Reputation steht auf dem Spiel und ich weiss aus verlässlichen Quellen, dass er Ziel mancher Fehde ist. Sein Ruf als Casanova bringt natürlich etliche Neider und Betrogene mit sich. E quando questo figlio di cane auch nur ein Härchen von La Diva berührt, dann werde ich ihm mit meiner Lupara (abgesägte Schrotflinte, die Red.) seinen Schwanz pulverisieren!“
Seine Erregung war offensichtlich, die Blutgefässe auf Stirn und am Hals waren fingerdick angeschwollen.
Doch sein Blutdruck war mir im Moment egal. Mit Schrecken dachte ich an den Reissverschluss. Wird er es je erfahren? Auf jeden Fall hatte mich La Diva in der Hand, wenn sie auch nur ein Sterbenswörtchen über unsere Beziehung verlauten liesse, dann war ich geliefert.
„Wie stellen wir sicher, dass der Mann La Diva nicht zu nahe kommt? Sie ist ja wie verrückt nach ihm. Den ganzen Tag hat sie mir nur von ihm erzählt, wie er dies und wie er das. Meine Galle ist am Kochen!“ Zu diesem Satz packte er eine chinesische Vase und hob sie hoch über seinen Kopf.
„Du calme, faut pas exagérer! Ich habe schon eine Idee!“ Manchmal kommen mir diese sogar im richtigen Moment. Ich dankte all den Kreativitätsseminarien, die ich besucht hatte. Ich nahm ihm die Vase aus der Hand
„Ah, ich wusste, dass ich mich auf die verlassen kann. Allora, come facciamo?“
„Wir dürfen ihn natürlich nicht ausladen. La Diva würde uns den Kopf abreissen.“ Unterschwellig stellte ich mich auf die gleiche Ebene wie der Don.
„Dir werde ich den Kopf abreissen, wenn du keine besseren Ideen hast.“ Somit war die Hierarchie wieder hergestellt.
„Wir holen ihn ab im Hotel. Bringen ihn hierher und servieren den Apéro. Während der ganzen Zeit sind sie zugegen und sie haben es im Griff. Dann gehen wir zu Tisch. Aus „Sicherheitsgründen“ (meine beiden Zeige- und Mittelfinger machten die netten Strichlein in der Luft) wird Asy die Bedienung leiten und im rechten Moment dem Essen von Valentino ein Mittel zusetzen, davon wird er leidend und …“ Da unterbrach mich der Don.
„Humbug, ich brauche keine Chemie. Der Kerl muss von meinem Land verschwinden. Punktum. Machen sie den Plan fertig und heute Abend werden sie mir berichten, wie sie es anstellen wollen.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und war schon fast aus dem Zimmer. Im letzten Moment drehte er sich um. „Wenn der Kerl dabei eins auf die Fresse kriegt, dann bekommen sie noch einen Extrabonus. Che stronzo!“ Er murmelte noch einige Kraftwörter, die wir hier aus Rücksicht auf die junge Leserschar nicht zitieren. Sein Vorrat dieser Worte war sehr reichhaltig und voller Unflat.

1 commentaire:

Anonyme a dit…

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