2.5.06

Ma, Davide, sono La Diva...

„Ma, Davide, sono La Diva“, dabei lachte sie gurrend. Ich, weich wie ein reifer Camembert in der Mittagsonne des 24. Mai 1873 in Agadir (nicht dokumentierter Hitzerekord), soff ihre Worte wie Honig und es berauschte mich wie Met. Wenn wir einen Plan gehabt hätten, wäre alles wie am Schnürchen durchgespult. Aber so war es besser als gar nichts, wir hatten mal den Kerl in der Nähe und mit dem nächsten Cacao werden wir mit den weiteren Problemen auch noch fertig. Der Tag war schon lange, also durchliefen wir die Vorbereitungen zum Chill out. Eine kurze Sitzung Yoga und vierundvierzig heilige Ohms reinigten unsere Chakras und die himmlische Ausgewogenheit war wieder hergestellt. Kurz danach erwachten wir, voller Unternehmungslust und gut durchlüftet.
Ein Einsatz im Tanzschuppen war noch zu früh, diese werden in unserer Stadt eigentlich erst interessant, wenn die anderen Etablissements schliessen. Also mal den gewohnten Rundgang der after work bars. Wo sich die Schicken und die Micken zum Tratsch des Tages treffen, der neueste Hype waren die watering holes, wie sie es nannten, weil Begriffe wie Bierhalle und Schnapstheke und Alkoholbar in unserer beschämten Welt nicht mehr salonfähig sind. Abreuver ist das Ziel, den Stress der Woche entsaufen oder ersäufen, ganz nach den Vorlieben der Mittrinker. Ich machte auf Softie und mischte mein Energy drink mit Wodka. Wodka wärmt so schön den Magen, ohne dass man aus dem Schnabel riecht (puer du bec).
Da ich eigentlich genug Energie hatte, konnte ich mir den süsslichen Teil der Mischung sparen und der Kellner liess die Flasche mit dem klaren gleich auf dem Tisch stehen. Ich ertrage den Alkohol schlecht und war somit froh, als die Flasche endlich leer war. Asy trinkt aus Überzeugung keinen Alkohol, wenn er in der Öffentlichkeit ist und ich teilte also mit unseren neuen Freunden. Eine junge Dame hatte sich zu uns gesellt. Sie war schön und freundlich, genau meine Mischung. Dass sie sich erst zu uns gesellte, als ich ihr eine grosse Banknote zusteckte, zeugte von ihrer Professionalität.
Später gaben wir diese Tränke auf und gingen weiter. Die Lady blieb leider zurück und schaute traurig.
Der Abend verlief sich dann noch im Sande, wir zündeten mit einer wilden Meute zusammen ein Freudefeuer auf der Sandbank am Fluss und als ich mich endlich wieder erheben konnte, war schon wieder ein neuer Tag.

Back to the Job. Da ist ja die Action. In der Villa des Don hatten wir noch einige Arbeiten, die uns erwarteten. Vor allem wollte ich wissen, wie es Närbchen ging, seit dem Vorfall in seinem Gehege habe ich ihn nicht mehr gesehen. Ich fragte umher und keiner wusste Bescheid. Bis ich mich an HR wandte. Ich hatte vergessen, wie viel Liebreiz dieser Person anhaftete und verlor mich erstmal in Phrasen und dreschte damit wild um mich. Es ist nicht immer so, dass ich nicht weiss, wie ich mich in Gegenwart einer netten Lady verhalten soll, aber es gibt diesen Typ Frau, der mir voll aufs Gemüt schlägt und dann kommt nur Stuss. An was es liegt weiss ich nicht. Aber ich habe eine Vermutung. Es sind die Frauen, deren Vibrato zu meinem passt. Da spüre ich völlige Übereinstimmung und dann frage ich mich die ganze Zeit, ob sie das auch so spürt?
„Spüren Sie eigentlich auch, so etwas wie eine Spannung, aber angenehm…“ Ich wollte noch ausholen und erläutern, aber sie warf mir einen Blick zu, da blieb mir das Wort im Halse stecken und wollte weder vor noch zurück. Aber es war angebracht, dass ich nichts sagte, sie legte mir den Finger auf die Lippen und zischelte ein leises „Pscht“.
Nachdem unsere Differenzen bereinigt waren, hatte ich eine neue Freundin. Sie versprach, sich nach dem Verbleib von Narbo zu erkundigen und mich auf dem Laufenden zu halten.

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