„Für eine Ortung brauchen wir drei Peilungen, sonst finden wir den nie.“
Schade, dass mir das niemand gesagt hat, das hätte mir eine dumme Bemerkung erspart.
„Posten 3Wir haben ein Signal aus 279,3°.“
„Posten 1, 137,8°.“
„Posten 2, 259,7°.“
Die drei Werte waren schnell auf der Karte eingetragen und der Schnittpunkt fiel mitten in die Wohngegend der gehobenen Klasse. Der Geometer zoomte die Karte heran und schnitt eine Grimasse.
„So ein Pech!“
„Das darf doch nicht wahr sein!“
„Das hat ja noch gefehlt.“
„Schei…äh…Fensterkitt.“
Ich verstand kein Wort. Was ging hier vor? Warum waren wir nicht schon lange in den Schützenpanzern und jagten mit Vollgas durch die Stadt, um den Gaunern das Handwerk zu legen?
„Wenn sie mich auch einweihten, ich verstehe nicht ganz“ flüsterte ich dem Geometer ins Ohr. Wortlos sah mich er mich an, drehte am Mausrad und vergrösserte die Adressangabe, die mit dem Gebäude verbunden war.
Ambassada da Kathalunquia, Segofredo C. Rash McAck, +533 666 666 666, Galgenweg 13, 8817 Poste restante.
„Alles in die Scharte, wir machen Krieg. Diese Räuber holen wir aus der Höhle und binden sie an den Pranger. Diesen Schurkenstaat sollte man ja schon lange ausräuchern. Banzai!“
„Das geht nicht.“
„Wieso nicht?“
„Wir können da nicht rein, die haben Diplomatenstatus.“ Pohl schlug mit der Hand auf den Tisch, an die Wand, an den Stuhl, nochmals auf den Tisch.
„Verfluchte Schweinerei!“ Doch nicht einmal dies konnte ihn erleichtern.
„Dann geht doch inoffiziell hin, braucht ja niemand zu wissen.“
„Dave du hast wieder einmal den Vogel abgeschossen!“
Mir war nicht ganz klar, wieso, aber einem öffentlichen Lob schaut man nicht ins Maul, oder so. „Stets zu Diensten.“
„Nein, ehrlich. Welch Glück, haben wir dich.“
„Endlich geht euch ein Licht auf, wo schon lange ein ganzes Lichtermeer sein sollte.“
„Pohl an alle. Bildüberwachung des Hauses 34.55 West, 79,89 Nord, aus allen vier Sektoren. Prio 1 Prim. Exekution stante pede.“
Auf dem Bildschirm, wo die Positionen der Einsatzwagen zu sehen waren, setzte eine Sternfahrt ein, die im Brennpunkt die Diplomatenvilla hatte.
„Sergeant bringen sie eine Ausrüstung private (in english in the text) und besorgen sie uns eine schriftliche, superprovisorische Entlastung durch die Staatsschutzkommission. Dave, daher.“
So hatte mich man schon lange nicht mehr angesprochen und viele verschüttet Erinnerungen kamen auf. Ich wollte schon davon laufen. Aber der Gwunder war grösser. Was wollte er von mir?
Er erklärte mir des Langen und Breiten was er alles von mir erwartete und ich musste ihn mehrmals unterbrechen, um sicher zu sein, dass wir immer noch vom selben sprachen. Der Sergeant kam zurück und brachte eine grosse Tasche voller Gadgets und Ausrüstungsgegenstände mit. Kugelsichere Weste, Schlagstock, Taschenlampe mit eingebauter Morsetaste, Tränengasspray, Plastikhandschellen, Dietrich, Metallsäge, Graphitpulver, Thermounterwäsche und Feuchttüchlein, um nur die wichtigsten zu erwähnen. Zusätzlich gab es noch Feuersteine, die man mit dem Messer anreissen kann, Zunder, Faltbecher, Pflaster und weiteres. Zielstrebig griff Pohl in diese Wundertüte und kam mit einer handvoll dieser Spielzeuge zu mir.
„Dave, ich will dir einen grossen Gefallen tun. Deine Karriere hängt davon ab, was du in den nächsten Minuten entscheidest. Also überlege nicht zu lange, sonst ist der Zug abgefahren und dir bleibt nur noch das Fernweh. Die Sachlage ist ernst. Wir haben ein Gebäude, das wir aufgrund seines diplomatischen Status nicht betreten können, da wir vom Staat angestellt sind. Würde man uns erwischen, hätten unsere Patria einiges zu erklären und Sanktionen wären sicher. Aber du, du bist ja nicht von Staat angestellt und als Privatperson nicht an die Genferkonventionen gebunden. Daher werde ich dir jetzt eine hypothetische Geschichte erzählen. Du sagst dann ob du die Geschichte interessant oder völlig aberrant findest und das ist dann alles. Verstehen wir uns? Auch zwischen den Zeilen?“ Verspielt warf er den Dietrich in die Luft.
„Und ob…“
„Also die Geschichte geht folgendermassen. Es war einmal…“
„Und was springt für mich dabei raus?“
„Also am Ende hat der mutige Ritter einen Wunsch frei. Im Umfange des Machbaren und Sinnvollen.“
„Also da kommen mir einige Ideen.“
„Machbar und sinnvoll, das ist doch schon eine gewisse Einschränkung und es darf meinen Kompetenzrahmen nicht überschreiten, da ich meine Chefs in diese Sache nicht einweihen darf. Ich habe da meine Instruktionen.“
„Wenn ich also den Faden aufnehme. Der Ritter in deiner Geschichte hat eine sehr klare Vorstellung, was ihm helfen könnte. Den Kurs zum Agenten dritter Klasse. Mit Kost und Logis und Taschengeld.“
„Direkt dritte Klasse? Wir überspringen nie die Vorkurse!“
„Der Ritter macht sich aber eine Heiden-Mühe, wird zum ausführenden Organ der Staatsmacht, ohne über deren Schutz und Ressourcen zu verfügen (Pohl machte eine ungeduldige Geste mit all dem Zeugs, das er in der Hand hielt) – einige kleine Spielzeuge machen ja nicht wirklich den Staatsschatz aus und wenn das alles ist, was die Steuerzahler erwarten können…“
„Du hast gut reden, du zahlst ja keine Steuern.“ Woher wusste er das?
„Und wie ist es nun? Dritte Klasse oder der Ritter löst sich auf, wie eine Nebelschwade in der heissen Morgensonne von Capri.“
„Da muss ich mich zuerst rückversichern.“ Wenigstens zögert er.
„Aber du darfst ja nichts dem Chef sagen, wie willst du denn den Dienstweg einhalten?“ An das hatte er offensichtlich nicht gedacht, er zögerte.
„Na also, das kriegen wir schon hin. Eventuell bekommst du die offizielle Urkunde nicht, auch wenn du bestehen würdest, aber das ist ja sicher nicht deine erste Absicht.“
Wenn er wüsste, wieso ich mir diesen Kurs reinziehen wollte, er hätte sicher noch einmal überlegt, aber ich hatte ihn da, wo ich wollte.
„Bitte hier unterschreiben…“
„Du glaubst meinem Wort nicht?“
„Ehrliche Antwort? – Gute Verträge machen zuverlässige Partner.“
„OK, da hast du recht.“
„Aber ich geben keine Erfolgsgarantie. Ich nehme die Mission an und werde alles tun, damit alles gut geht, aber ich komme auf jeden Fall in den Genuss der Vergütung.“
„Wir werden das alles schriftlich festlegen.“
Wir waren also handelseinig. Nun konnte die Arbeit beginnen. „Was soll ich den tun?“ Soviel zu Thema Abgrenzung des Vertragsgegenstandes. Aber ich muss ehrlich sein, für einen Kursus zum Agenten dritten Grades würde ich alles tun.
„Wir haben das fragliche Gebäude schon seit langem in einer 24mal24 Überwachung und wir wissen, dass seit dem Funkspruch niemand das Gebäude verlassen hat. Am liebsten ginge ich mit einem Sturmtrupp los und breche einfach mit der Türe ins Haus. Aber mir sind die Hände gebunden. Ich will, dass du in das Haus gehst und einige Wanzen anbringst. Somit können wir hoffentlich feststellen, wer sich da drin aufhält. Ich glaube nicht, dass der, der auf den Knopf gedrückt hat, diplomatischen Status geniesst. Das können sich nicht einmal diese Gauner erlauben. Also können wir ihn auf dem Weg in die Stadt schnappen und mit den geeigneten Methoden werden wir erfahren, wie er mit der Nebulösen verbandelt ist.“ Er kam ins Träumen und sah sich schon, all die Karriereleitern hoch fallen.
„Komm auf den Boden. Wie soll ich denn da reinkommen? Die haben sicher Wachen und allerlei Schutzvorrichtungen.“
„Das habe ich schon organisiert. Im Moment, wo du über die Mauer steigst, wird auf der anderen Seite ein Tanklastwagen kippen und wir werden alle Einwohner der umliegenden Häuser bitten, die Region weiträumig zu evakuieren. Sie werden natürlich nicht einwilligen, aber all Personal wird beschäftigt sein, unser freundliches Drängen im Zaum zu halten, dass du ohne weiteres einsteigen kannst. Was hältst du vom Plan?“
„Und wenn der Tanker wirklich explodiert?“
12.6.06
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