29.3.06
Guter Rat ist teuer.
Diese Nacht habe ich geträumt. Im Traum habe ich gesehen, wie ein Mann die zerschnittene Leine mit einer Lupe untersucht und bedächtig Rauchkringel in die kühle Morgenluft bläst. Was will mir dieser Traum sagen? Morgenstund’ hat Rauch im Mund? Käumlich. Bis es mir dämmerte, der Mann war Sherlock Holmes, der Detektiv und damit hatte ich meinen Hinweis. Der Traum wollte mir sagen, dass sich hier eine ganz phantastische Gelegenheit bot, als akkreditierter Detektiv einen Auftrag zu übernehmen. Ich juckte aus dem Bett und ging mir den linken Fuss waschen. Ich war in ein Häufchen getreten, das mir der Hund netterweise auf meinen Bettvorleger hinterlegt hatte. Dann fing ich die Töle ein und schloss sie ins Bad, doch da fing das Tier derart zu winseln an, dass ich befürchtete, die Nachbarin könne es hören und so liess ich den Hund wieder raus. Vor lauter Freude zerkaute er meine Lieblingspantoffeln und pisste aus Dankbarkeit in meine Schuhe. Das hinderte mich aber nicht daran, mich so schnell wie möglich anzuziehen. Aus der Zeitung von gestern riss ich mir einige Schnipsel raus und klebte sie zu einer Collage zusammen, die in etwa lautete: Du wollen Hund? Bezal 2345.- an gleiche ort wie diese Papier heute um 11:43 & kein Polizei! Ein echtes Meisterwerk! Zufrieden mit mir und Schwupps war ich auf dem Weg zu der Lady mit dem Hund, oder besser der Lady ohne Hund. Sie war ganz erstaunt, mich zu sehen und fragte, was ich wolle. Ich gab ihr als erstes eines meiner Visitenkärtchen und erläuterte ihr, dass ich eigentlich ein Privatdetektiv bin, der nur aus Gefälligkeit gegenüber meiner Nachbarin ab und zu die Hunde ausführt. „ Was hat denn das mit mir zu tun?“ wollte sie wissen. Da schilderte ich ihr, wie ich in meiner Funktion als geschulter Detektiv als erstes den Tatort aufgesucht habe und prompt an der Stelle, wo mir der Hund entrissen worden war, habe ich diesen Zettel gefunden, den ich ihr zeigte. Mit meiner Erfahrung und allem, konnte ich ihr nur raten, die Entführer ernst zu nehmen, diese Sorte macht kein Federlesen und werde sicher den Hund übel zurichten und so weiter, ob sie sich ein Bild davon machen könne? Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, schlug ich ihr vor, dass ich mich um die Sache kümmern wolle, und ich werde alles tun, damit die Story einen guten Abschluss finde. Ob sie mir das Geld geben könne? Sie ging in ein anderes Zimmer und kam mit dem Geld zurück. Wo ich denn den Hund zurück erhalte? Darauf hatte ich keine einstudierten Antworten und rette mich mit einem entgeisterten Blick auf die Uhr. In aller Eile machte ich mich auf die Socken und radelte nach Hause, dort kehrte ich die Zeitungen weg, die der Wauwau zerfetzt hatte und packte ihn in eine Baumwolltasche. Das Geld liess ich zu hause, sonst stiehlt es mir noch einer und meine ersten, halbwegs verdienten Einnahmen als Detektiv gingen flöten. Ich bringe der Chihuahua-Tante den Hund und lasse ihre Dankbarkeit über mich ergehen, sie gibt mir sogar noch 200.-. „Für die Umtriebe“. Ich kann ja nicht gut nein sagen und schliesslich hat man so seinen Berufstolz. Zu den Einnahmen kommt noch ein richtiges Honorar, wenn das nicht der Auftakt für eine viel versprechende Karriere ist!
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