5.4.06

Beste Bohne oder Kakao mit Dampf

Beim letzten Film bin ich eingeschlafen. Asy hat mich liegen lassen und da ich auf dem Boden lag, hatte ich heute etliche Mühe, meine Knochen zur Kooperation zu überreden. In der Küche fand ich einen Zettel von Asy. Mach dir ne Gagoo (Kakao), bin bald zurück. Also machte ich mich auf die Suche nach dem Pulver. Ohne viel Suche fand ich den Plastiksack. Ein wenig erstaunt, dass Kakao als weisses Pulver daherkommt war ich schon, aber es gibt ja auch weisse Schokolade. Zwei gehäufte Löffel in die Milch, schütteln und schluck-schluck. Es ging durch meinen Körper wie 'ne Peitsche. Seither fühle ich mich so voll auf Trab. Energie für ein ganzes Regiment. Gehe wohl mal `ne Runde drehen….
Am Abend war ich wieder bei Asy. Er hat mich komisch angeschaut und wollte wissen, wie mir da Getränk geschmeckt hat. Eigentlich hatte es ja nach nichts geschmeckt, aber ich möchte gerne noch ein Glas. Da hat er mir einen Karton gereicht und gesagt: „Weissen Gagoo gibt es keinen mehr, nimm von diesem hier. Der Pass ist übrigens fertig! Ein Meisterwerk. Für die anderen habe ich schon einen Plan. Mit meinen Ausweisungsbescheid reise ich in mein Heimatland, da gibt es Freundemeinerfreunde, die sich für derartiges interessieren, da werde ich sicher einen guten Preis rausholen. Mit meinem neuen Pass werde ich dann wieder einreisen. Der passiert die Grenze ohne weiteres. Hier habe ich noch ein kleines Entgelt für den Pass“. Sprach’s und reichte mir einen Packen Geld, der war so dick, dass ich ihn nicht zählte, weil ich ihn nicht kränken wollte.
Von seinem weissen Kakao würde ich gerne noch mal trinken…

Fisch & Co

Heute war wieder einmal die Fischerei angesagt. Der Streik der Fischer war vorbei, also konnten wir wieder Fische laden. Nicht, dass mir das hochwillkommen wäre, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Eine Riesenplackerei. Die Dinger wiegen bis zu superschwer und schnell muss auch noch alles gehen. Ich war gerade dabei, die Kisten für Chinatown bereit, als diese Reisenkiste auf mich runterdonnerte. Geschickt wich ich aus. Ich bin ja gewiefter Tänzer und meine Reaktionen sind geschult. Mit der linken Hand versuchte ich noch den Fall zu dämpfen, aber diese Kiste war zu schwer. Mit einem lauten Rumms schlug sie auf und der ganze Inhalt lag verstreut auf dem Boden. Zum Glück war der Vorarbeiter in der Pause, wenn er das gesehen hätte, hätte er mir den Schaden vom Lohn abgezogen, obwohl ich ja gar nichts dafür konnte. Die Kisten hatte nicht ich gestapelt. Aber mit dem Vorarbeiter gab es nur eins, zahlen oder gehen. Also mein Glück, dass er nicht da war. Hastig packte ich all die Fische und warf sie so schnell wie möglich in die Kiste zurück. Mit dem blauen Koralling traf ich daneben und er zerbrach in zwei Teile, dabei rutschte der Sack mit den Innereien unter die Kiste. Shiiit, in einigen Gastronomiebetrieben sind gerade die Innereien die wirkliche Spezialität. Ich konnte den Sack nicht greifen, er war zu weit unter dem Stapel. Mehr Schlecht als Recht pappte ich die Kiste zu und arrangierte den Stapel, dass sie nicht zu sehen war. Bald darauf kam Hubi Staplr und brachte die Kisten weg. Da las ich den Sack auf und steckte ihn schnell in meine Hose, die sollte niemand sehen. Am Ende der Schicht nahm ich mir meinen Lohn und ging noch ein Bierchen stürzen. Der Vorarbeiter war auch dabei und als ich ihm das Bier bezahlen wollte, das hilft, wenn man ihn auf seiner Seite hat, fiel der kleine Plastiksack zu Boden. Reflexartig bückte sich Elb Oss und las das Teil auf. „Du solltest Deine Akten nicht in die Fischelauge fallen lassen. Das Zeug stinkt ja zu Himmel“. Ich war froh, hatte er diesen Sack nicht als erkannt, sonst hätte es sicher noch eine Standpauke gesetzt. Als er mir die Tüte gab, stellte ich mit Überraschung fest, dass es sich wirklich um Papiere handelte. Ich gab mich unbekümmert und steckte das Teil weg. Später wollte ich mich damit befassen.
Wir waren alle schon ziemlich heiter, als der Wirt uns vor die Tür stellte. Nicht weil er uns los sein wollte, sondern er hatte schon Probleme mit der Polizei, die bei ihm immer wieder die Einhaltung der Sperrstunde prüften. Zuhause angekommen, wollte ich dann doch wissen, was ich mir da in die Tasche gesteckt hatte. Eine eingehende Prüfung erübrigte sich, es handelte sich um Pässe. Pässerohlinge, das heisst es waren leere Pässe, ohne Foto, Namen und so weiter. Etwas, das man als Normalbürger eigentlich nie in die Finger bekommt. Sieben auf einen Streich! Der Schwarzmarktwert war enorm, wenn auch das Land nicht für alle die erste Wahl darstellte. So ein kleines Fürstentum, wo man Angst haben musste, dass der Zollbeamte alle und jeden kannte, der den einzigen Grenzposten überschritt. Aber immerhin. Ich musste sofort an Asy denken. Der arme Kerl hatte vor einigen Tagen den Ausweisungsbescheid bekommen und musste damit rechnen, dass die Ausweisungsbehörde ihn jederzeit schnappte und an die Grenze stellte. Im Moment wussten sie nicht, wo er hauste und das gab ihm noch eine Warteschlange, aber mit seinem Teint musste er damit rechnen, dass man ihn auf der Strasse anhielt und kontrollierte. Ich rief ihn an und er war von meinen News so begeistert, dass er mir anbot, mich mit seinem Moped zu holen, damit wir den Pass für ihn erstellen konnten. Ich lehnte dankend ab und machte mich zu Fuss auf den Weg. In der Hälfte angekommen, wurde es mir zu bunt und ich winkte mir ein Taxi. Bei Asy angekommen wurde ich mit viel Freude erwartet und ich war nicht schlecht erstaunt, was er schon alles bereitgestellt hatte. Ein Photo, Stempel, Spezialtinte (so eine, die in allen Regenbogenfarben schillert, wenn man im Licht dreht), udgl. mehr. Er sagte mir, ich solle doch den letzten Film reinziehen, ganz neu vom Graumarkt. Gesagt, getan, der Film war echt stark. So eine dieser Räubergeschichten, die von einem Agenten erzählte, der sich in alle möglichen und unmöglichen Situationen begab, aus denen jeder Normalsterbliche eben noch knapp als unversehrte Leiche davonkam. Unterhaltsam, aber unwahrscheinlich. Nach einer Weile schaltete ich die Kiste aus und ging sehen, was Asy machte, er hatte sich weder sehen noch hören lassen. Als ich in die Küche kam, wohin er sich zurückgezogen hatte, war er leicht unwirsch und sagte, ich solle ihn nicht stören.
Also zurück in die gute Stube und in der Videothek geblättert, es gab noch andere Filme.