Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Eine abgrundtiefe Angst machte mir zu schaffen. Wie konnte ich bloss diesem Schlamassel entkommen?
Kaum schien die Sonne, stand ich auf, zog mich an und fuhr so schnell wie möglich zu Asy. Dieser war gar nicht erfreut, mich so früh zu sehen. Aber als ich ihm meine Situation geschildert hatte, machte er auch ein besorgtes Gesicht. Seine Freunden konnte er wohl kaum anrufen und sagen: „Pech gehabt Jungs, aus den Pässen wird nun doch nichts, wohin sollen wir das Geld zurückschicken?“ Da waren wir uns einig, das ging nicht. Ausserdem war es doch ein wirklich stattlicher Betrag, den wollten wir irgendwie behalten. Über all dem Sinnen wurde mir der Kopf ganz schwer und ich fiel in einen kurzen Schlaf. Dabei hatte ich einen komischen Traum. Die Hyänen verfolgten Asy, der vor ihnen flüchtete, so schnell ihn seine Beine trugen. In seiner Panik sprang er in die Grube mit den Krokodilen. Die Hyänen sprangen ohne weiters über die Umrandung und trieben Asy in eine Ecke. Ihr ekles Gelächter tönte durch den ganzen Park. Plötzlich spritzte das Wasser meterhoch und die fünf Krokodile kamen angeschossen, jedes packte sich eine Hyäne und zog diese in das Wasser, wo sie in wilden Drehungen die Beute zerrissen. Asy profitierte von der grausigen Fresserei und kletterte über die Abgrenzung. Draussen vor dem Gehege blieb er liegen. Eine harte Hand schüttelte mich. Es war Asy in seiner Küche. „Hei, Dave, wieso hast Du meine Namen gerufen? Hast Du von mir geträumt?“
Ich schilderte ihm meinen Traum und während ich ihn erzählte, wurde mir klar, was mir dieser Traum sagen wollte. Nachdem ich Asy alles erklärt hatte gingen wir unverzüglich ans Werk. Die Vorbereitung hatten wir abgeschlossen, morgen werden wir den Plan umsetzen und wenn uns das gelingt, dann werden wir unsere Felle ins Trockene bringen. Ich hielt mir den Daumen. Morgen muss alles klappen, sonst ist meine Karriere so lange wie diese Geschichte und dabei hätte ich noch so viel zu sagen.
12.4.06
la bestia et la bête
Ob all der Aufregung gestern hatte ich Asy vergessen. Heute Morgen kam er am Flughafen an. Von dort rief er mich an. „Alles Bestens! Sie übernehmen den Rest! Der Preis ist exorbitant und sie wollen den bezahlen, plus eine Prämie, wenn wir innerhalb von zwei Wochen liefern. Ich habe natürlich abgemacht, dass zuerst eine Anzahlung zu leisten sei. Sie haben murrend eingewilligt. Wir müssen sofort zur Bank, um ein Nummernkonto zu eröffnen“. Ich wollte seinem Elan keine Widerstände entgegenhalten und kam mit mir überein, dass ich unsere Zwickmühle zwischen Mafia und seinen Taschkent Leons erst später erwähnen würde. Er habe noch einige Sachen zu erledigen, ich solle so schnell wie möglich zur Bank, um ein Konto zu eröffnen. Ich versprach es und er hängte auf. In Gedanken verloren ging ich duschen und überlegte mir, ob es irgendwo noch einen Ausgang aus unserem Schlamassel gab. Es wollte mir keiner einfallen und so verlegte ich mich auf die Erinnerungen an gestern, La Diva hat mich geküsst (auf die Lippen!). Ich wollte mich ganz meinen Erinnerungen hingeben, als es läutete. Zuerst wollte ich es einfach klingeln lassen, aber der Kerl der sich da an meiner Glocke vergriff, liess nicht locker und so griff ich mir ein Badetuch, wickelte es mir um die Hüfte und ging aufmachen. Draussen stand der Chauffeur von Il Padrone. Ohne ein Wort zu sagen reichte er mir eine Karte. Es war eine Visitenkarte von Il Padrone. Ob er vergessen hatte, dass ich schon eine hatte? Der Chauffeur machte mir klar, dass ich die Karte drehen sollte. Hinten stund mit ganz kleinen Buchstaben. Wir erwarten Sie um 17:30 zum Apéro, anschliessend Nachtessen. Casual. Diva. Ich fragte den Chauffeur, wer den Casual sei. Er grinste und sagte mir, dass es sich dabei um einen Dresscode handle. Meinem Blick ausgesetzt, sah er sich genötigt, zu präzisieren: „Machen Sie keine Fuzz (English in the text) mit den Kleidern, einfach sauber und parfümiert, die Diva hat eine empfindliche Nase. Ich hole Sie um 17:12 hier ab. Seien Sie pünktlich, der Don hasst Leute, die ihn warten lassen“. Sprach’s und machte sich auf die Socken. Durchs Fenster sah ich, wie er einem Passanten, der sich bei ihm beschwerte, weil er das Auto auf dem Fussgängerstreifen hatte stehen lassen, einen Finger brach. Soviel zu Umgangsformen. Eiskalt lief es mir den Rücken runter, mit solchen Typen sollte ich mich heute an den Tisch setzen und womöglich noch Smalltalk machen. Es kam überhaupt nicht in die Tüte, dass ich ausbüxte, dem Don widerspricht man nicht und wie viele der Stadt hätte ihre Grossmutter dafür gegeben, vom Don zum Nachtessen eingeladen zu werden. Und mir ging es noch viel besser! Diva hatte mir geschrieben! Ich legte die Visitenkarte in das Einmachglas. Ich ging zur Bank, eröffnete ein Nummernkonto und schrieb Asy eine Kurzmitteilung über das Telefon. Er bestätigte den Empfang und wir verabredeten uns für morgen früh in der Rue du Croissants, wo die besten Frühstücksbrötchen serviert werden. Auf dem Heimweg von der Bank ging ich noch in ein Kleiderladen. Aber es hatte keine nette Verkäuferin, die mich beraten könnte und so ging ich zur Konkurrenz. Wo ich sehr zuvorkommend bedient wurde und sie nahm sogar eine meiner Moodels Visitenkarten. Mit ihr war sicher noch was anzufangen. Ich schaute in den Spiegel, mit meinem casual Outfit und flüsterte mir augenzwinkernd zu: „Weiter so!“. Um 17:00 war ich bei mir zu hause und erwartete den Fahrer. Mein Telefon klingelte, bzw. machte den Lärm, den diese Dinger heute machen um uns mitzuteilen, dass jemand mit uns sprechen will. Es war die Bank. Sie hatten einen Transfer von ….. (ich kann den Betrag nicht angeben, es könnte ja sein, dass ein Mitarbeiter des Finanzamtes auch auf meine Stories steht und wenn er dann meinen Steuererklärung kontrollieren geht, dann…) auf mein Konto erhalten mit der Anweisung, diese sofort dem Kontoinhaber zu bestätigen. Dies sei somit erfolgt und guten Abend der Herr. Da hiess, dass ich noch heute die Pässe bei Asy vorbeibringen sollte. Da war ich jetzt ziemlich im Clinch. Auf der Suche nach einem Ausweg ging ich zur Türe und öffnete. Der Fahrer hatte geläutet. Er hatte seine Fahrerkappe in der Hand und bat mit respektvoll zum Wagen. Dabei zog er die Luft geräuschvoll durch die Nase. Dann zog er ein Fläschen aus der Tasche und bestäubte mich mit einer Fragranz erste Güte. „Wie gesagt, La Diva hat eine sehr empfindliche Nase“. Das zeug roch wie ein Harem. Ich liess mir die Flasche zeigen: Les houris du paradis, 1957. Ein Jahrgangsparfüm. Da kostet die Flasche mehr als ein Chateau Yquem 1936. Ich spritzte mir noch ein wenig in den Mund, da ich keine Zeit hatte, die Zähne zu putzen. Ich stieg in den Wagen und sagte den Fahrer: „Bitte halten sie an der Bank Les Poux-r-sent.“
„Natürlich der Herr.“
Das gab mir Mut, so wurde ich schon lange nicht mehr behandelt. „Anschliessend müssen wir noch in die Trabantengasse, ich habe noch eine Besorgung zu machen.“
„Aber der Don wartet nicht gerne!“
„Dann sehen sie zu, dass wir zügig vorankommen!“ Erschrocken ab meinem eigenen Mut wollte ich mich schon entschuldigen, doch sein „OK, der Herr“ liess mich verstummen. Dafür legte er eine Fahrweise an den Tag, dass es mich auf der hinteren Sitzbank hin und her schlug, bis es mir gelang, mich an der Türfalle festzukrallen. Bei der Bank angekommen, musste ich mich eine wenig aufplustern, der Türsteher wollte mich erst nicht einlassen, als ich ihn fragte, ob er das Auto dort unten kenne machte er seinen Bückling wie er es gelernt hatte und war plötzlich nur noch servil. Meine Pässe hatte ich im Handumdrehen. Dann mit Vollgas in die Trabantengasse. Dort im Sauseschritt die Treppen hoch und mit lauten Keuchen eine kurze Lagebesprechung mit Asy. Wir waren wirklich zwischen Topf und Schüssel. Aber immerhin waren wir zuversichtlich, den Sturm überleben zu können, wenn wir den Ball flach hielten und unsere Pässe gut ausspielten.
Dann hupte es draussen auf der Strasse und mit Riesenschritten die Treppe runter, dabei hatte ich eine ganz besondere Technik, mit der Achsel hängt man sich ans Geländer und die Füsse hält man in einem 45° Winkel, so dass sie wie ein Snowboard auf den Kanten der Treppenstufen gleiten können. Dann mit Anlauf die Treppe runter. Was ich nicht eingerechnet hatte, war die das Treppengeländer, das am unteren Ende ein Geländerabschluss angeschweisst war. Ich habe mir ziemlich wehgetan, blaue Flecken inklusive. Wieder im Auto erntete ich böse Blicke, der Fahrer war ziemlich sauer, aber das konnte ich ja ohne weiteres aushalten. In der Villa angekommen, öffnete ein Livrierter die Tür. „Bitte där Härr“, säuselte er. Ein Akzent, den ich noch nie gehört habe. Was mich mehr beeindruckte, war, dass er einen Revolver unter der Achsel trug. Ich habe ihn gesehen, als er sich bückte, um die Tür zu öffnen. Anscheinend waren alle Angestellten beim Don mit einer Knarre ausgerüstet. Wenn ich nur wieder heil nach Hause komme. Ich wurde in die grosse Halle geführt, wo er mich bat zu warten. Er werde die Herrschaft prevenieren. Ich hatte keine Ahnung, was er damit meinte und blieb einfach stehen.
„Ahhh, mein Retter!“ La Diva kam die grosse Treppe herunter. Wie ein Engel, bloss dass sie viel besser roch. Man sagt Engel riechen nicht. Ihr Gurren machte mich ganz kirre und als es an mir war etwas zu sagen, brachte ich kaum drei Silben über die Lippen. Sie hielt mir die Hand hin und in meinem Hingerissen küsste ich ihr die Hand.
„Oh und Gentleman en plus! Sie sind wirklich eine Bereicherung in diesen Haus.“ Dabei legte sie mir ihre zarte Hand auf die Schulter und hauchte mir einen Kuss auf die Wange (diesmal nicht auf die Lippen). Aber ihre andere Hand lief langsam meinen Rücken runter, begleitet von einem heissen Schauer.
„Kommen sie mit. Vito wartet und das macht er nicht gerne.“ Sie führte mich in die Bibliothek, wie sie dieses Gemach nannte. Il Padrone stund beim Flügel, so in etwa das längste, was man bei Schönberger bestellen konnte.
„Il Detectivo! Sind sie Secondo? Ihr Name erinnert mich an Kalabrien, aber die Schreibweise ist wohl bei einem Beamten verstümmelt worden, der nicht weiss, dass man ein i braucht, um ein weiches g zu erhalten.“ Er erwartete anscheinend keine Antwort und das war mir ganz recht. Ich hatte immer noch eine Wange, die mir ganz heiss brannte und am liebsten hätte ich mich mit Diva abgesetzt.
„Bitte entschuldigen Sie mich! Ich habe noch eine Besprechung mit dem Conciliatore und werde erst wieder zum Nachtessen zu Ihnen stossen. Diva wird Sie durch das Haus führen und Ihnen die Stallungen zeigen.“
Ich hatte wieder einmal mehr Glück als Verstand! Sie nahm mich bei der Hand und zog mich durch die Terrassentür nach draussen. „Kommen Sie, die Bestien warten schon!“
Ich konnte mir nicht vorstellen, welche Pferderasse als Bestie zu bezeichnen war, aber ihr zu folgen war alles was ich wollte.
Wir kamen in eine Stallung, die in der Mitte einen Teich hatte, dieser Teich war umgeben von starkem Eisengeflecht. Diva schmiegte sich ganz eng an mich und gestand: „ich mag diese Biester nicht, jedes Mal wenn ich hier her komme, bin ich froh, wenn jemand bei mir ist der mich beschützt.“ Wieder ein leichtes Kussmündchen auf meiner Wange. Jetzt brannte ich auf beiden Seiten. Ich war mir immer noch nicht im Klaren, von was denn die Rede war, als sich plötzlich ein Riesenschlund vor uns auftat und uns etwa 248 Zähne entgegenblitzten, die Schnauze eines Nilkrokodils. Instinktiv wich ich einige Schritte zurück. Diva lächelte mir zu: „ich habe auch jedes Mal Angst, wenn Igor seine Schau abzieht. Igor ist das Männchen und bei weitem das grösste Tier.“
„Ich habe keine Angst“ wollte ich sagen, war aber immer noch sprachlos vor Schreck, also nahm ich erst mal tief Luft und schluckte zwei- dreimal leer.
„Kommen Sie, da hinten ist es viel spannender“, wir gingen durch eine Pflanzung in ein anderes Gebäude. Dort roch es sehr stark. Der Anblick der Bewohner dieses Geheges machte mich fast kotzen: Hyänen. Das ekelste Tier unter der Sonne.
„Eine nette Sammlung an Bestien, die der Don sich leistet. Ich finde weder die eine noch die andere Spezies verdient, gefüttert zu werden. Ich finde beide eher degoutant.“
„Oui mon héro,“ sagte sie. Dabei glitt sie ihre Hand in meine Rücken und fuhr mit dem Finger unter meinen Gurt. Die Geste gefiel mir, aber das mit der Maitresse des Dons schien mir ein gewagtes Ziel. Daher schoss ich folgenden ab: „Täubchen, Deine Zärtlichkeit ist eine ganz heisse Nummer, aber solange wir hier beim Don sind, werde ich mir kaum erlauben, in Wallungen zu kommen. Für das sollten wir einen anderen Ort aussuchen und ich zeige Dir, was alles in mir steckt, wenn mir mehr Zeit haben.“
Sie lachte nur. Sie schmiegte sich eng an mich geschmiegt und wir gingen weiter. Es war besser als in meinen wildesten Träumen. Die schönste Frau der Welt und ich in einem schönen englischen Park, die ich persönlich den französischen vorziehe, Arm in Arm und plötzlich ein wildes Gebell und Geknurre.
„Bleiben Sie stehen und bewegen Sie sich nicht, die Hunde sind darauf dressiert, alle Personen, die sie nicht kennen und die sich bewegen zu zerreissen.“
Meine Träumerei wurde zu einem Albtraum, wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann sind das bissige Hunde, die mich nicht leiden können. Sie kamen angerannt, fünf Dobermänner. Wie mir Diva geheissen hatte, blieb ich stehen und rührte mich nicht. Die Hunde kamen ganz nah an mich ran und kläfften immer lauter. Ich wollte am liebsten davonrennen, aber Diva hielt mich zurück: „psst, stehen bleiben, Pablo wird gleich hier sein. Er ist der Hundedresseur.“
Wie sie prophezeit hatte, kam ein Mann angerannt und als er uns sah, hörte er auf zu rennen. „Entschuldigen Sie“, rief er uns zu. „Aber Sie wissen, dass um diese Zeit die Hunde losgelassen werden“.
„Machen Sie unseren Besuch mit den Hunden bekannt, ich will ihm noch den Rest des Gartens zeigen.“
Pablo kam zu uns und sprach zu den Hunden. Diese beruhigten sich sofort und kamen ganz nah, um an meinen Kleidern, Schuhen und Händen zu schnuppern. „Jetzt kennen Sie die Hunde, sie werden Sie in Ruhe lassen. Es sei denn ich gebe ihnen andere Instruktionen“, sagte er uns zeigte uns ein gelbes Lächeln. Vorerst war mir ganz recht, dass mich die Hunde in Ruhen lassen würden. Für heute hatte ich genug Adrenalin verschüttet und hoffentlich gab es bald etwas Gutes zu essen. Wir gingen weiter und kamen auf eine lausche Lichtung, wo eine Hollywood-Schaukel stand. Wir setzten uns. Sie schmiegte sich ganz nah an mich und erzählte mir von ihrem Leben beim Don. Ich habe ihr versprochen, dies niemandem zu sagen und kann ich es auch hier nicht weitererzählen, aber aufgrund ihres Berichtes wurde mir klar, dass sie sich mit einem wir mir einliess, zwar nicht der schlechteste, aber sicher auch nicht unbedingt divawürdig. Ich profitierte von der Situation. Die Leser meiner Memoiren werden mir sowieso nicht glauben und somit habe ich es auch nicht nötig, alle Details preiszugeben, die mir auf der Schaukel anvertraut und angetan wurden. Anschliessend gingen wir ins Haus zurück und wurden an Tisch gebeten.
Der Rest des Abends sprach nur noch der Hausherr. Diva sagte nichts mehr und am Ende des Essens beklagte sie sich über Kopfschmerzen und dass sie sich hinlegen wolle. Ich erhob mich, um mich von ihr zu verabschieden. Die anderen Männer schauten mich erstaunt an und der Bully schob sich näher an mich ran. Ich gab Diva wieder einen Handkuss. Sie erwiderte nichts und schaute mir nur tief in die Augen, wobei sie mit dem, dem Don abgewandten Augen zuzwinkerte. Ich setzte mich gleich wieder, schliesslich hatte ich weiche Beine. Ich hatte mich schnell gefasst, aber da war sie schon weg. In diesem Augenblick beugte sich der Don zu mir rüber und sagte: „Also, wie laufen die Geschäfte?“
„Welche Geschäfte?“
„Sie sind ja hoffentlich nicht ein arbeitsloser Detektiv, oder?“
Ich schilderte ihm, wie es im Moment nicht einfach war, die Konjunktur, de hohe Ölpreis, die schwankenden Währungen, das Finanzloch der öffentlichen Hand, die Papiertiger und was mir sonst noch in den Sinn kam. Ausserdem habe ich ja soeben erst die Weiterausbildung zum Leibwächter dritten Grades abgeschlossen (wenigstens hatte ich die Unterlagen genau gelesen, die ich mir per Internet hatte ins Haus kommen lassen).
„So, so Bodyguard und zur Zeit sind Sie ohne Arbeit?“
„Doch, doch ich arbeite im Fischverlad ab und an.“
„Im Fischverlad ?“
„Ja…aber das schon lange nicht mehr.“ Irgendetwas stimmte nicht. Er war plötzlich ganz Ohr, wenn er bis anhin kaum zugehört hatte.
„ Ich werde ihnen jetzt einen Auftrag geben, wenn sie den gut erledigen werde ich sie als Bodyguard auf die Kreuzfahrt mitnehmen, die wir für übernächsten Monat geplant haben. Sie werden als persönlicher Schutz für Diva amtieren. Dabei sind Sie natürlich nicht alleine, normalerweise haben wir ein Team von je vier Bodyguards, aber die Paparazzi machen uns das Leben schwer und da können wir einen Profi gebrauchen.“
In der Folge erklärte er mir, dass der Narbige eine echte Trantüte sei und dass er ihn nur behalte, weil er der Sohn seiner Zia sei und ihr habe er versprochen, dass er immer zu ihm sehen werde. Aber wenn es nach ihm ginge, dann hätte er ihn schon lange an die Hunde verfüttert. Dazu lachte er grob. Seine Geschäfte bedingten, dass er ab und zu Ware in Land bringen müsse, die der Zoll nicht sehen dürfe. Und dafür haben seine Logistikexperten den Fischverlad aufgezogen. „Und mit dem Fisch verdiene ich noch eine echte Stange Geld!“ Nun sei bei einer der letzten Ladungen etwas schief gelaufen und eine Sendung habe ihre Destination nicht erreicht. Ich solle nun meinen ganzen Verstand in die Hand nehmen und Erkundigungen einziehen, ob etwas Lusches vorgefallen sei. Er brauche diese Ladung ganz dringend und derjenige, der sie ihm beschaffen könne habe Anspruch auf ewige Dankbarkeit, die beim Don bekannterweise nie mickrig ausfalle.
„Was ging den verloren?“ Wollte ich wissen. Er schaute mich eine lange Weile an und dann fragte er mich:„Kann ich dir trauen?“
„Aber natürlich!“ erwiderte ich selbstsicher.
„Wenn ich Dir vertraue, dann ist Dein Leben in meiner Hand. Jeder der mein Vertrauen hintergeht wird eines schrecklichen Todes sterben. Bei mir kann man wählen zwischen Krokodil und Hyäne, hahhahhahhhahaaahhahahhahhhaaaa.“
Ich wollte gerade aufstehen und gehen. Da legte er mir die Hand auf die Schultern: „Du scheinst ein ehrlicher Kerl zu sein. Ich brauche so Vertrauenspersonen wie dich. Im Fischverleih ist mir eine Ladung mit leeren Pässen aus dem Herzogentum abhanden gekommen. Die waren für die Léons aus Taschkent bestimmet. Mit denen habe ich schon lange Geschäftsbeziehungen und ich will sich nicht enttäuschen. Sie haben mir 88'000 € versprochen für die Lieferung. Es geht mir nicht um das Geld, aber die geschäftliche Beziehung ist Gold wert, sie haben den besten Schnee und ich bin nun mal ein begeisterter Skifahrer. Ich will, dass Du im Fischverlad herausfindest, wer mir diese Lieferung gestohlen hat und wenn Du ihn findest, dann bring ihn hierher, wir werden ein wunderbares Spektakel haben, wenn die Bestien den Kerl zerreissen.“
Ich glaube, den letzten Teil habe ich nicht verstanden, aber was soll’s. Nun war ich noch tiefer im Schei…benkleister. Ich konnte ihm den Auftrag wohl kaum zurückgeben und damit war mein Schicksal besiegelt. Keine Chance, den Auftrag zu erfüllen, ohne dass ich mich ans Messer lieferte. Bald darauf wurde ich verabschiedet und der Fahrer brachte mich nach Hause.
„Natürlich der Herr.“
Das gab mir Mut, so wurde ich schon lange nicht mehr behandelt. „Anschliessend müssen wir noch in die Trabantengasse, ich habe noch eine Besorgung zu machen.“
„Aber der Don wartet nicht gerne!“
„Dann sehen sie zu, dass wir zügig vorankommen!“ Erschrocken ab meinem eigenen Mut wollte ich mich schon entschuldigen, doch sein „OK, der Herr“ liess mich verstummen. Dafür legte er eine Fahrweise an den Tag, dass es mich auf der hinteren Sitzbank hin und her schlug, bis es mir gelang, mich an der Türfalle festzukrallen. Bei der Bank angekommen, musste ich mich eine wenig aufplustern, der Türsteher wollte mich erst nicht einlassen, als ich ihn fragte, ob er das Auto dort unten kenne machte er seinen Bückling wie er es gelernt hatte und war plötzlich nur noch servil. Meine Pässe hatte ich im Handumdrehen. Dann mit Vollgas in die Trabantengasse. Dort im Sauseschritt die Treppen hoch und mit lauten Keuchen eine kurze Lagebesprechung mit Asy. Wir waren wirklich zwischen Topf und Schüssel. Aber immerhin waren wir zuversichtlich, den Sturm überleben zu können, wenn wir den Ball flach hielten und unsere Pässe gut ausspielten.
Dann hupte es draussen auf der Strasse und mit Riesenschritten die Treppe runter, dabei hatte ich eine ganz besondere Technik, mit der Achsel hängt man sich ans Geländer und die Füsse hält man in einem 45° Winkel, so dass sie wie ein Snowboard auf den Kanten der Treppenstufen gleiten können. Dann mit Anlauf die Treppe runter. Was ich nicht eingerechnet hatte, war die das Treppengeländer, das am unteren Ende ein Geländerabschluss angeschweisst war. Ich habe mir ziemlich wehgetan, blaue Flecken inklusive. Wieder im Auto erntete ich böse Blicke, der Fahrer war ziemlich sauer, aber das konnte ich ja ohne weiteres aushalten. In der Villa angekommen, öffnete ein Livrierter die Tür. „Bitte där Härr“, säuselte er. Ein Akzent, den ich noch nie gehört habe. Was mich mehr beeindruckte, war, dass er einen Revolver unter der Achsel trug. Ich habe ihn gesehen, als er sich bückte, um die Tür zu öffnen. Anscheinend waren alle Angestellten beim Don mit einer Knarre ausgerüstet. Wenn ich nur wieder heil nach Hause komme. Ich wurde in die grosse Halle geführt, wo er mich bat zu warten. Er werde die Herrschaft prevenieren. Ich hatte keine Ahnung, was er damit meinte und blieb einfach stehen.
„Ahhh, mein Retter!“ La Diva kam die grosse Treppe herunter. Wie ein Engel, bloss dass sie viel besser roch. Man sagt Engel riechen nicht. Ihr Gurren machte mich ganz kirre und als es an mir war etwas zu sagen, brachte ich kaum drei Silben über die Lippen. Sie hielt mir die Hand hin und in meinem Hingerissen küsste ich ihr die Hand.
„Oh und Gentleman en plus! Sie sind wirklich eine Bereicherung in diesen Haus.“ Dabei legte sie mir ihre zarte Hand auf die Schulter und hauchte mir einen Kuss auf die Wange (diesmal nicht auf die Lippen). Aber ihre andere Hand lief langsam meinen Rücken runter, begleitet von einem heissen Schauer.
„Kommen sie mit. Vito wartet und das macht er nicht gerne.“ Sie führte mich in die Bibliothek, wie sie dieses Gemach nannte. Il Padrone stund beim Flügel, so in etwa das längste, was man bei Schönberger bestellen konnte.
„Il Detectivo! Sind sie Secondo? Ihr Name erinnert mich an Kalabrien, aber die Schreibweise ist wohl bei einem Beamten verstümmelt worden, der nicht weiss, dass man ein i braucht, um ein weiches g zu erhalten.“ Er erwartete anscheinend keine Antwort und das war mir ganz recht. Ich hatte immer noch eine Wange, die mir ganz heiss brannte und am liebsten hätte ich mich mit Diva abgesetzt.
„Bitte entschuldigen Sie mich! Ich habe noch eine Besprechung mit dem Conciliatore und werde erst wieder zum Nachtessen zu Ihnen stossen. Diva wird Sie durch das Haus führen und Ihnen die Stallungen zeigen.“
Ich hatte wieder einmal mehr Glück als Verstand! Sie nahm mich bei der Hand und zog mich durch die Terrassentür nach draussen. „Kommen Sie, die Bestien warten schon!“
Ich konnte mir nicht vorstellen, welche Pferderasse als Bestie zu bezeichnen war, aber ihr zu folgen war alles was ich wollte.
Wir kamen in eine Stallung, die in der Mitte einen Teich hatte, dieser Teich war umgeben von starkem Eisengeflecht. Diva schmiegte sich ganz eng an mich und gestand: „ich mag diese Biester nicht, jedes Mal wenn ich hier her komme, bin ich froh, wenn jemand bei mir ist der mich beschützt.“ Wieder ein leichtes Kussmündchen auf meiner Wange. Jetzt brannte ich auf beiden Seiten. Ich war mir immer noch nicht im Klaren, von was denn die Rede war, als sich plötzlich ein Riesenschlund vor uns auftat und uns etwa 248 Zähne entgegenblitzten, die Schnauze eines Nilkrokodils. Instinktiv wich ich einige Schritte zurück. Diva lächelte mir zu: „ich habe auch jedes Mal Angst, wenn Igor seine Schau abzieht. Igor ist das Männchen und bei weitem das grösste Tier.“
„Ich habe keine Angst“ wollte ich sagen, war aber immer noch sprachlos vor Schreck, also nahm ich erst mal tief Luft und schluckte zwei- dreimal leer.
„Kommen Sie, da hinten ist es viel spannender“, wir gingen durch eine Pflanzung in ein anderes Gebäude. Dort roch es sehr stark. Der Anblick der Bewohner dieses Geheges machte mich fast kotzen: Hyänen. Das ekelste Tier unter der Sonne.
„Eine nette Sammlung an Bestien, die der Don sich leistet. Ich finde weder die eine noch die andere Spezies verdient, gefüttert zu werden. Ich finde beide eher degoutant.“
„Oui mon héro,“ sagte sie. Dabei glitt sie ihre Hand in meine Rücken und fuhr mit dem Finger unter meinen Gurt. Die Geste gefiel mir, aber das mit der Maitresse des Dons schien mir ein gewagtes Ziel. Daher schoss ich folgenden ab: „Täubchen, Deine Zärtlichkeit ist eine ganz heisse Nummer, aber solange wir hier beim Don sind, werde ich mir kaum erlauben, in Wallungen zu kommen. Für das sollten wir einen anderen Ort aussuchen und ich zeige Dir, was alles in mir steckt, wenn mir mehr Zeit haben.“
Sie lachte nur. Sie schmiegte sich eng an mich geschmiegt und wir gingen weiter. Es war besser als in meinen wildesten Träumen. Die schönste Frau der Welt und ich in einem schönen englischen Park, die ich persönlich den französischen vorziehe, Arm in Arm und plötzlich ein wildes Gebell und Geknurre.
„Bleiben Sie stehen und bewegen Sie sich nicht, die Hunde sind darauf dressiert, alle Personen, die sie nicht kennen und die sich bewegen zu zerreissen.“
Meine Träumerei wurde zu einem Albtraum, wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann sind das bissige Hunde, die mich nicht leiden können. Sie kamen angerannt, fünf Dobermänner. Wie mir Diva geheissen hatte, blieb ich stehen und rührte mich nicht. Die Hunde kamen ganz nah an mich ran und kläfften immer lauter. Ich wollte am liebsten davonrennen, aber Diva hielt mich zurück: „psst, stehen bleiben, Pablo wird gleich hier sein. Er ist der Hundedresseur.“
Wie sie prophezeit hatte, kam ein Mann angerannt und als er uns sah, hörte er auf zu rennen. „Entschuldigen Sie“, rief er uns zu. „Aber Sie wissen, dass um diese Zeit die Hunde losgelassen werden“.
„Machen Sie unseren Besuch mit den Hunden bekannt, ich will ihm noch den Rest des Gartens zeigen.“
Pablo kam zu uns und sprach zu den Hunden. Diese beruhigten sich sofort und kamen ganz nah, um an meinen Kleidern, Schuhen und Händen zu schnuppern. „Jetzt kennen Sie die Hunde, sie werden Sie in Ruhe lassen. Es sei denn ich gebe ihnen andere Instruktionen“, sagte er uns zeigte uns ein gelbes Lächeln. Vorerst war mir ganz recht, dass mich die Hunde in Ruhen lassen würden. Für heute hatte ich genug Adrenalin verschüttet und hoffentlich gab es bald etwas Gutes zu essen. Wir gingen weiter und kamen auf eine lausche Lichtung, wo eine Hollywood-Schaukel stand. Wir setzten uns. Sie schmiegte sich ganz nah an mich und erzählte mir von ihrem Leben beim Don. Ich habe ihr versprochen, dies niemandem zu sagen und kann ich es auch hier nicht weitererzählen, aber aufgrund ihres Berichtes wurde mir klar, dass sie sich mit einem wir mir einliess, zwar nicht der schlechteste, aber sicher auch nicht unbedingt divawürdig. Ich profitierte von der Situation. Die Leser meiner Memoiren werden mir sowieso nicht glauben und somit habe ich es auch nicht nötig, alle Details preiszugeben, die mir auf der Schaukel anvertraut und angetan wurden. Anschliessend gingen wir ins Haus zurück und wurden an Tisch gebeten.
Der Rest des Abends sprach nur noch der Hausherr. Diva sagte nichts mehr und am Ende des Essens beklagte sie sich über Kopfschmerzen und dass sie sich hinlegen wolle. Ich erhob mich, um mich von ihr zu verabschieden. Die anderen Männer schauten mich erstaunt an und der Bully schob sich näher an mich ran. Ich gab Diva wieder einen Handkuss. Sie erwiderte nichts und schaute mir nur tief in die Augen, wobei sie mit dem, dem Don abgewandten Augen zuzwinkerte. Ich setzte mich gleich wieder, schliesslich hatte ich weiche Beine. Ich hatte mich schnell gefasst, aber da war sie schon weg. In diesem Augenblick beugte sich der Don zu mir rüber und sagte: „Also, wie laufen die Geschäfte?“
„Welche Geschäfte?“
„Sie sind ja hoffentlich nicht ein arbeitsloser Detektiv, oder?“
Ich schilderte ihm, wie es im Moment nicht einfach war, die Konjunktur, de hohe Ölpreis, die schwankenden Währungen, das Finanzloch der öffentlichen Hand, die Papiertiger und was mir sonst noch in den Sinn kam. Ausserdem habe ich ja soeben erst die Weiterausbildung zum Leibwächter dritten Grades abgeschlossen (wenigstens hatte ich die Unterlagen genau gelesen, die ich mir per Internet hatte ins Haus kommen lassen).
„So, so Bodyguard und zur Zeit sind Sie ohne Arbeit?“
„Doch, doch ich arbeite im Fischverlad ab und an.“
„Im Fischverlad ?“
„Ja…aber das schon lange nicht mehr.“ Irgendetwas stimmte nicht. Er war plötzlich ganz Ohr, wenn er bis anhin kaum zugehört hatte.
„ Ich werde ihnen jetzt einen Auftrag geben, wenn sie den gut erledigen werde ich sie als Bodyguard auf die Kreuzfahrt mitnehmen, die wir für übernächsten Monat geplant haben. Sie werden als persönlicher Schutz für Diva amtieren. Dabei sind Sie natürlich nicht alleine, normalerweise haben wir ein Team von je vier Bodyguards, aber die Paparazzi machen uns das Leben schwer und da können wir einen Profi gebrauchen.“
In der Folge erklärte er mir, dass der Narbige eine echte Trantüte sei und dass er ihn nur behalte, weil er der Sohn seiner Zia sei und ihr habe er versprochen, dass er immer zu ihm sehen werde. Aber wenn es nach ihm ginge, dann hätte er ihn schon lange an die Hunde verfüttert. Dazu lachte er grob. Seine Geschäfte bedingten, dass er ab und zu Ware in Land bringen müsse, die der Zoll nicht sehen dürfe. Und dafür haben seine Logistikexperten den Fischverlad aufgezogen. „Und mit dem Fisch verdiene ich noch eine echte Stange Geld!“ Nun sei bei einer der letzten Ladungen etwas schief gelaufen und eine Sendung habe ihre Destination nicht erreicht. Ich solle nun meinen ganzen Verstand in die Hand nehmen und Erkundigungen einziehen, ob etwas Lusches vorgefallen sei. Er brauche diese Ladung ganz dringend und derjenige, der sie ihm beschaffen könne habe Anspruch auf ewige Dankbarkeit, die beim Don bekannterweise nie mickrig ausfalle.
„Was ging den verloren?“ Wollte ich wissen. Er schaute mich eine lange Weile an und dann fragte er mich:„Kann ich dir trauen?“
„Aber natürlich!“ erwiderte ich selbstsicher.
„Wenn ich Dir vertraue, dann ist Dein Leben in meiner Hand. Jeder der mein Vertrauen hintergeht wird eines schrecklichen Todes sterben. Bei mir kann man wählen zwischen Krokodil und Hyäne, hahhahhahhhahaaahhahahhahhhaaaa.“
Ich wollte gerade aufstehen und gehen. Da legte er mir die Hand auf die Schultern: „Du scheinst ein ehrlicher Kerl zu sein. Ich brauche so Vertrauenspersonen wie dich. Im Fischverleih ist mir eine Ladung mit leeren Pässen aus dem Herzogentum abhanden gekommen. Die waren für die Léons aus Taschkent bestimmet. Mit denen habe ich schon lange Geschäftsbeziehungen und ich will sich nicht enttäuschen. Sie haben mir 88'000 € versprochen für die Lieferung. Es geht mir nicht um das Geld, aber die geschäftliche Beziehung ist Gold wert, sie haben den besten Schnee und ich bin nun mal ein begeisterter Skifahrer. Ich will, dass Du im Fischverlad herausfindest, wer mir diese Lieferung gestohlen hat und wenn Du ihn findest, dann bring ihn hierher, wir werden ein wunderbares Spektakel haben, wenn die Bestien den Kerl zerreissen.“
Ich glaube, den letzten Teil habe ich nicht verstanden, aber was soll’s. Nun war ich noch tiefer im Schei…benkleister. Ich konnte ihm den Auftrag wohl kaum zurückgeben und damit war mein Schicksal besiegelt. Keine Chance, den Auftrag zu erfüllen, ohne dass ich mich ans Messer lieferte. Bald darauf wurde ich verabschiedet und der Fahrer brachte mich nach Hause.
La Diva La Diva La Diva La
Die Visitenkarten hatten nicht den gewünschten Effekt. Es gelang mir nicht, eines der Girls dazu zu überreden, mit mir ein Glas Wein zu trinken oder sogar mich nach Hause zu begleiten. Aber das lag sicher daran, dass ich mir insgeheim Sorgen machte. Der mafiöse Typ, der im Fischverlad ’rumschlich, wollte mir nicht aus dem Sinn. Ich rief meinen Kumpel Pua S’son an und erfuhr so ziemlich alles über den „Besuch“ des Schlägers. Autotyp und, noch besser, die ersten drei Stellen des Kennzeichens. Damit konnte ich ohne weiteres die staatliche Auskunft bemühen und innert weniger Sekunden wusste ich, wo der Besitzer des Autos wohnte und wie er hiess. Beste Gegend, doch das war eigentlich schon aufgrund des Autos klar, aber der Name – so was wie der oberste Mäzen der Stadt. Reich wie Krösus. Der Fussballklub trug keine Werbung auf dem T-Shirt, sondern sein Familienwappen, die Kunstsammlung konnte sich jedes Jahr für einen zweistelligen Betrag neue Bilder kaufen, die Liste, was der Mann für die Stadt tat war ellenlang und sie hier aufzuzählen, ist zu aufwändig. Nun, mit meinen Angaben machte ich mich natürlich sofort auf die Socken. Ich wollte den Kerl sehen, der sich bemüht hatte, im Fischverlad rumszuspionieren. Sicher war es nicht der Don selbst, da hatte er sicher genug Schergen, die er aussenden konnte, um derartige Auskünfte einzuholen. Aus der Beschreibung von Pua S’son wusste ich, dass ich den Kerl sicher erkenne könne. Er hatte eine markante Narbe am rechten Ohr und sein Mittelfinger war ganz steif, so dass er anstelle einer Faust immer nur obszöne Zeichen machte. Ich nahm meine beste Ausrüstung mit. Ein Regenmantel, den man beidseitig tragen kann. Sehr praktisch, bei Beschattungen, ausser es hat mal wirklich geregnet, da wird es manchmal klamm, wenn man den Mantel dreht. Eine Paintball-Pistole, da ich mir immer noch keine echte Knarre beschaffen konnte. Meine Kontakte waren entweder im Knast, oder ausser Landes. Aber mit dem Geld für die Pässe werde ich mir sicher die SIG beschaffen können, deren Foto in meiner Wohnung hing. Zudem entlieh ich mir ein Mofa, die sind zwar nicht sehr schnell, aber in der Stadt sind sie alleweil einem Auto ebenbürtig und die wenigsten achten sich auf die Mopeds, da so viele unterwegs sind. Ich fuhr in die Nähe der Adresse des Don und stellte mein Moped hinter einen Busch. Zu Fuss ging ich den Rest des Weges bis zu Eingangstor. Schmiedeiserne Zurschaustellung von Macht und Vermögen. Der Stacheldraht war vergoldet und der Wachmann hatte eine Uniform. Ich stellte mich nicht unweit hinter einen Baum auf die Leeseite, der Wind der unsere Stadt ab und an heimsuchte war wieder einmal voll aufgedreht und richtete mich darauf ein, lange warten zu müssen, als plötzlich das Tor aufging und von hinter den Kurven ein starker Motor zu hören war. Gespannt brachte ich mich in Stellung und richtete meine Kamera auf das Tor. Leider war der Akku leer, das nächste Mal werde ich sicher daran denken, Ersatzbatterien mitzunehmen. Das Auto fuhr schon fast majestätisch aus dem Tor, als plötzlich ein Mottorad angefahren kam, das punktgenau vor der Limousine zu Fall kam. Die Frau, die das Motorrad fuhr blieb liegen und begann ziemlich laut zu schreien. Der Chauffeur bremste gekonnt und streifte das Motorrad nicht.. Die Türen des Autos sprangen auf und vier Personen steigen aus. Der Chauffeur, der Don, eine junge Lady, die ich von irgendwo kannte und der Typ mit der Narbe! Fast hätte ich ihn nicht erkannt, anscheinend war sein Finger wieder geheilt. Sie umringten die Frau, die am Boden lag und vor Schmerzen schrie. Der Chauffeur kniete sich zu ihr hin und versuchte festzustellen, was ihr fehlte. Er wollte ihr den Helm ausziehen. Da hielt es mich nicht mehr und ich stürzte mich auf die Gruppe zu, es ist doch wohl allen klar, dass man einem verunfallten Motorradfahrer den Helm nicht ausziehen soll – es hat irgendetwas mit einem möglichen Schädelbruch zu tun.
Als der Narbige mich so kommen sieht, griff er in seine Westentasche. Sicherlich, um eine Knarre zu ziehen! Ich werfe mich zur Seite, ziehe meinerseits meine Paintball-Pistole und schiesse im direkt zwischen die Augen. Er hat wohl geblinzelt, auf jeden Fall traf mein Schuss nicht sofort. Erst nach einer Schrecksekunde hörten wir einen wütenden Schrei aus dem Rhododendron auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Der Narbige steckte den Kamm, der er aus seiner Tasche gezogen hatte und mit dem er seine Schmalzlocke wieder in Ordnung bringen wollte hurtig zurück und rannte über die Strasse. In der Zwischenzeit hatte ich mich aufgerappelt und auf Zurufen des Chauffeurs meine „Knarre“ am Boden liegen gelassen. Er hatte eine Mauser spezial in der Hand, die er direkt auf mich gerichtet hatte. Die Lady am Boden hatte aufgehört zu schreien und blickte gespannt über die Strasse, wo Narben-Paul einen kleineren Mann am Kragen aus dem Gebüsch zog. Er hatte eine Kamera in der Hand, deren Objektiv gelb verschmiert war. Da hatte wohl meine Farbkugel direkt ins Objektiv getroffen. Er hatte auch ein blaues Auge. Paintball ist ja ein ungefährlicher Sport, wenn man von blauen Flecken absieht. Der Don hatte alles gesehen und als die Lage begriff, begann er laut zu lachen. Er kam auf mich zu und packte meine rechte Hand, die er schüttelte und schüttelte. Die Lady, mit der er unterwegs war, begann auch zu lachen und machte dem Narbigen ein Zeichen, als wolle sie etwas zerquetschen. Dieser hatte schneller begriffen als ich und nahm dem Reporter die Kamera aus der Hand und schlug sie genüsslich auf den Boden. Die Memorykarte nahm er raus uns zertrat sie wie einen Zigarettenstummel. Dann warf er die Kamera ins Gebüsch und trat dem Paparazzi weiderholtermassen in den Hintern. Dieser stiess jedes Mal einen spitzen Schrei aus und sobald er konnte, lief er davon, wie der Teufel, der Weihwasser getrunken hatte. Wir waren alle durch diese Szene absorbiert, dass wir gar nicht merkten, wie die Motorradfahrerin aufgestanden war, ihr Mottorad aufgerichtet hatte und mit aufbrüllendem Motor davonfuhr. Auf der Höhe des rennenden Paparazzi bremste sie scharf, dieser sprang auf den Sozius und in einer Schwade von verbranntem Zweitaktbenzin verschwanden die beiden. „Bravo, gut gemacht!“ sagte der Don zu mir. Weniger jovial meinte er zum Narbigen: „das nächste Mal suchst du dir einen besseren Moment, um deine Haare zu richten!“. Dieser schoss böse Blicke in meine Richtung, am liebsten wäre ich langsam durch die Hintertür davongeschlichen, aber die Szenerie gab das nicht her. Die Lady kam auf mich zu, blickte mir tief in die Augen und sagte: „Mein Held! Du hast mir eine Artikel in der Klatschpresse erspart.“ Daraufhin gab sie mir einen Kuss, auf den Mund. So süss und weich hatte mich noch nie eine Frau geküsst und siedendheiss fiel es mir ein, woher ich diese Dame kannte. Es war La Diva aus dem gleichnamigen Film, den ich vor kurzem gesehen hatte. Die schönste Frau im ganzen Okzident. Verdattert stand ich da. Ich, ein keines Würstchen aus der Detektivszene unserer Stadt wurde von La Diva mit einem Kuss (auf die Lippen!) geadelt. Wenn ich dann mal meine Memoiren schreibe… Das wird mir keiner meiner Kumpels glauben. Der Don kam auf mich zu und griff unter seine Weste. Ich wusste, dass meine letzte Stunde geschlagen hatte. Der Boss war für seine Eifersucht bekannt. Ich bedankte mich noch einmal beim Schicksal für den Kuss (auf die Lippen!) von La Diva stiess ein Stossgebet in den Himmel und bekreuzigte mich. Das ist ein altes Verhaltensmuster, das mir die Nonnen in der Erziehungsanstalt beigebracht hatten. Der Don reichte mir eine Visitenkarte und sagte: „Ich will sie kennen lernen! Sie haben uns einen grossen Dienst erwiesen und die ganze Welt weiss, dass Il Padrone ein sehr dankbarer Mann ist. Können wir Sie ein Stück mitnehmen?“ Dankend schüttelte ich den Kopf. Ich wollte weg, bloss weg. „Lass Dir seine Visitenkarte geben!“ ordnete der Don den Narbigen an, dabei führte er La Diva zurück ins Auto. Der Narbling kam auf mich zu. „Deine Karte!“ schnauzte er mich an. Ich gab ihm eine, die er las und dabei stutzig wurde. „Detektiv?“ Ich nickte. Ohne weiteren Kommentar ging er zum Auto und stieg ein. Ein leises Säuseln von 378 PS brachte den Wagen in Schwung. Aus dem hinteren Fenster winkte mir eine Damenhand zu und liess ein Taschentuch fallen. Perplex blieb ich eine Weile stehen, bis mir klar wurde, dass das feine Tuch vom Wind getragen, dabei war im Wald gegenüber zu verschwinden. Nichts wie hinterher, im Galopp und mit artistischen Sprüngen über die Wurzeln und Strünke. Es gelang mir, den edlen Damast zu fangen und als ich daran roch, war er vom Liebreiz La Divas getränkt. Der siebte Himmel schien mir eine ganz profane Gegend, wenn ich ihn mit meiner Situation verglich. Wie betäubt torkelte ich zurück zur Strasse. Dabei stolperte ich über die Kamera, die der Narbige ins Gebüsch geworfen hatte. Ich las sie auf und steckte sie in meine Tasche, derartiger Müll muss fachgerecht entsorgt werden und zum Umweltschutz will ich jederzeit meinen Teil beitragen. Ich kann es mir nicht leisten, in einer klimatisierten Wohnung zu leben und bin somit stark daran interessiert, dass sich das Klima nicht noch mehr aufheizt. Wie auf Wolken fuhr ich zurück zu meiner Wohnung. Das Taschentuch lag mir an der Brust und es strahlte eine wonnige Wärme aus. Die ganze Nacht schlief ich mit dem Einmachglas, in das ich La Divas Taschentuch getan hatte, um das Aroma zu versiegeln.
Als der Narbige mich so kommen sieht, griff er in seine Westentasche. Sicherlich, um eine Knarre zu ziehen! Ich werfe mich zur Seite, ziehe meinerseits meine Paintball-Pistole und schiesse im direkt zwischen die Augen. Er hat wohl geblinzelt, auf jeden Fall traf mein Schuss nicht sofort. Erst nach einer Schrecksekunde hörten wir einen wütenden Schrei aus dem Rhododendron auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Der Narbige steckte den Kamm, der er aus seiner Tasche gezogen hatte und mit dem er seine Schmalzlocke wieder in Ordnung bringen wollte hurtig zurück und rannte über die Strasse. In der Zwischenzeit hatte ich mich aufgerappelt und auf Zurufen des Chauffeurs meine „Knarre“ am Boden liegen gelassen. Er hatte eine Mauser spezial in der Hand, die er direkt auf mich gerichtet hatte. Die Lady am Boden hatte aufgehört zu schreien und blickte gespannt über die Strasse, wo Narben-Paul einen kleineren Mann am Kragen aus dem Gebüsch zog. Er hatte eine Kamera in der Hand, deren Objektiv gelb verschmiert war. Da hatte wohl meine Farbkugel direkt ins Objektiv getroffen. Er hatte auch ein blaues Auge. Paintball ist ja ein ungefährlicher Sport, wenn man von blauen Flecken absieht. Der Don hatte alles gesehen und als die Lage begriff, begann er laut zu lachen. Er kam auf mich zu und packte meine rechte Hand, die er schüttelte und schüttelte. Die Lady, mit der er unterwegs war, begann auch zu lachen und machte dem Narbigen ein Zeichen, als wolle sie etwas zerquetschen. Dieser hatte schneller begriffen als ich und nahm dem Reporter die Kamera aus der Hand und schlug sie genüsslich auf den Boden. Die Memorykarte nahm er raus uns zertrat sie wie einen Zigarettenstummel. Dann warf er die Kamera ins Gebüsch und trat dem Paparazzi weiderholtermassen in den Hintern. Dieser stiess jedes Mal einen spitzen Schrei aus und sobald er konnte, lief er davon, wie der Teufel, der Weihwasser getrunken hatte. Wir waren alle durch diese Szene absorbiert, dass wir gar nicht merkten, wie die Motorradfahrerin aufgestanden war, ihr Mottorad aufgerichtet hatte und mit aufbrüllendem Motor davonfuhr. Auf der Höhe des rennenden Paparazzi bremste sie scharf, dieser sprang auf den Sozius und in einer Schwade von verbranntem Zweitaktbenzin verschwanden die beiden. „Bravo, gut gemacht!“ sagte der Don zu mir. Weniger jovial meinte er zum Narbigen: „das nächste Mal suchst du dir einen besseren Moment, um deine Haare zu richten!“. Dieser schoss böse Blicke in meine Richtung, am liebsten wäre ich langsam durch die Hintertür davongeschlichen, aber die Szenerie gab das nicht her. Die Lady kam auf mich zu, blickte mir tief in die Augen und sagte: „Mein Held! Du hast mir eine Artikel in der Klatschpresse erspart.“ Daraufhin gab sie mir einen Kuss, auf den Mund. So süss und weich hatte mich noch nie eine Frau geküsst und siedendheiss fiel es mir ein, woher ich diese Dame kannte. Es war La Diva aus dem gleichnamigen Film, den ich vor kurzem gesehen hatte. Die schönste Frau im ganzen Okzident. Verdattert stand ich da. Ich, ein keines Würstchen aus der Detektivszene unserer Stadt wurde von La Diva mit einem Kuss (auf die Lippen!) geadelt. Wenn ich dann mal meine Memoiren schreibe… Das wird mir keiner meiner Kumpels glauben. Der Don kam auf mich zu und griff unter seine Weste. Ich wusste, dass meine letzte Stunde geschlagen hatte. Der Boss war für seine Eifersucht bekannt. Ich bedankte mich noch einmal beim Schicksal für den Kuss (auf die Lippen!) von La Diva stiess ein Stossgebet in den Himmel und bekreuzigte mich. Das ist ein altes Verhaltensmuster, das mir die Nonnen in der Erziehungsanstalt beigebracht hatten. Der Don reichte mir eine Visitenkarte und sagte: „Ich will sie kennen lernen! Sie haben uns einen grossen Dienst erwiesen und die ganze Welt weiss, dass Il Padrone ein sehr dankbarer Mann ist. Können wir Sie ein Stück mitnehmen?“ Dankend schüttelte ich den Kopf. Ich wollte weg, bloss weg. „Lass Dir seine Visitenkarte geben!“ ordnete der Don den Narbigen an, dabei führte er La Diva zurück ins Auto. Der Narbling kam auf mich zu. „Deine Karte!“ schnauzte er mich an. Ich gab ihm eine, die er las und dabei stutzig wurde. „Detektiv?“ Ich nickte. Ohne weiteren Kommentar ging er zum Auto und stieg ein. Ein leises Säuseln von 378 PS brachte den Wagen in Schwung. Aus dem hinteren Fenster winkte mir eine Damenhand zu und liess ein Taschentuch fallen. Perplex blieb ich eine Weile stehen, bis mir klar wurde, dass das feine Tuch vom Wind getragen, dabei war im Wald gegenüber zu verschwinden. Nichts wie hinterher, im Galopp und mit artistischen Sprüngen über die Wurzeln und Strünke. Es gelang mir, den edlen Damast zu fangen und als ich daran roch, war er vom Liebreiz La Divas getränkt. Der siebte Himmel schien mir eine ganz profane Gegend, wenn ich ihn mit meiner Situation verglich. Wie betäubt torkelte ich zurück zur Strasse. Dabei stolperte ich über die Kamera, die der Narbige ins Gebüsch geworfen hatte. Ich las sie auf und steckte sie in meine Tasche, derartiger Müll muss fachgerecht entsorgt werden und zum Umweltschutz will ich jederzeit meinen Teil beitragen. Ich kann es mir nicht leisten, in einer klimatisierten Wohnung zu leben und bin somit stark daran interessiert, dass sich das Klima nicht noch mehr aufheizt. Wie auf Wolken fuhr ich zurück zu meiner Wohnung. Das Taschentuch lag mir an der Brust und es strahlte eine wonnige Wärme aus. Die ganze Nacht schlief ich mit dem Einmachglas, in das ich La Divas Taschentuch getan hatte, um das Aroma zu versiegeln.
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