20.4.06

Ausrüstung ist die halbe Rente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Der nächste Tag. Es war ein wunderschöner Tag. Ideal, eine kleine Ausfahrt zu machen. In den Unterlagen aus der Geschäftsdokumentation fanden wir die VIP-Karte für den Autoverleih. Kurz hingefahren, der Chauffeur hatte gerade Zeit, dort mieteten wir uns gleich zwei Autos. Eins für Asy, eins für mich. Einen Pickup und einen Spider. Auf mich fiel die erste Tour mit dem Pickup. Ein wenig mürbe, ich wäre gerne mit dem Spider über die Höhen hinter unserer Stadt gefahren, wenn immer möglich mit der Haartolle einer schönen Frau im Fahrtwind. Ich kam wieder in Schwärmen. La Diva. Ich sah mich so dastehen, ich wartete, wir hatten Rendez-vous. Wann genau sie auftauchen wollte, war nicht klar, für mich umso klarer, ich wäre da, wenn sie kommt. Wildeste Phantasien treiben den Mann in uns. Die Natur, die ihr stärkstes Belohnungsinstrumentarium genau da lostritt, wo wir uns reiben, ergänzen, verzahnen, verschweissen. Meine wildesten Phantasien werde ich aus Eigennutz für mich behalten, aber sie sind herzlich eingeladen, ihren Phantasien Lauf zu lassen. Ihren Gedanken kann man nicht zusehen. Place of freedom. Aber zurück in den Pickup, der surrte zufrieden seine Runde, ich war begeistert, was die neue Dieseltechnologie so alles aus den wenigen Tropfen Sprit quetscht, die so ein Ding in der Stunde säuft. Wie abgemacht, ging ich auf Einkauf. Die Liste war lang und mir war noch nicht immer klar, wo ich die Läden finden soll. Die Kletterausrüstung war noch einfach, jedes Sportgeschäft weiss Bescheid und bietet wohlfeil. Hacken, Ösen, Abseilachter, Seile, Karabiner aus eloxiertem Aluminium mit Twist-Lookverschluß, Mehrzweckseilklemme mit einer Vielzahl an Verwendungsmöglichkeiten: Flaschenzüge, Aufstieg am Seil, Selbstsicherung am Fixseil, leicht und kompakt, Stirnlampen, Klettergurte und was sonst noch alles? Die zweite Ausrüstung waren Werkzeuge aus dem do it. Sägen, Schweissen, Brennen, Brechen, Bohren, Kleben waren alles keine schweren Themen. Bei Sprengen wurde es schwieriger. Auf meine Frage schickte sie mich in die Rasenabteilung und der einzige Tipp, den ich dort bekam, war die Verwendung von Ammoniakdünger. Alles andere unterliegt der Sprengmittelverordnung und ohne staatlichen Sprengmeisterausweis ist sowieso nichts zu machen.
„Haben Sie den Sprengstoff an Lager?“
„Ja, wir sind akkreditierter Lieferant.“
„Ist denn das nicht gefährlich?“
„Nein, wir haben das Lager da hinten auf dem Gelände, in einem sicheren Bunker, da kann nichts passieren. Und wenn auch der ganze Vorrat explodieren sollte, besteht keine Gefahr für die Kunden.“
Ich bedankte mich, strollte noch ein wenig durch die Ausstellung und machte mich auf Umwegen zu dem Gebäude, das mir der Angestellte als so sicher dargestellt hatte. Daraufhin kaufte ich noch einen Schweissbrenner mit den nötigen Gasflaschen.
Alles im Pickup verstaut und vertäut. Die wichtigsten Utensilien, die man so braucht. Auch einige Artikel aus den Survivalabteilungen durften nicht fehlen. Gefriergetrocknetes Leitungswasser, pulverisierte Essersatzmischungen und Wasserschlauch, Reibstahl und Feuerstein, was man so begehrt, wenn man in diesen Läden so gut wie grenzenlosen Kredit hat. Ich kann hier jetzt nicht alles auflisten, aber seien sie sicher, dass nie ein Teil fehlen wird, das wir in Zukunft je benötigen werden. Ausser eben, was Waffen und Explosives betrifft. Aber da hatten wir einen Lead, Giuseppe hatte auf Anruf bestätigt, dass die Waffenkammer der Cosa allerlei Zutaten bereithielt, aber der Don zeichne jeden Bestellbon persönlich ab und wenn man keinen triefenden Grund angeben konnte, dann war die Chance auf eine Unterschrift umgekehrt proportional zum Kaliber. Somit kommt man als erstes nur an Faustfeuerwaffen. Giu-Giu wie wir ihn mittlerweile nannten, hatte auch versprochen, dass er uns diese Bons zukommen lassen werde. Wir schlugen vor, dass die Spedition im Sinne der Kosteneinsparung den Versand der Ware mit dem Versand des Antragsformulares zu koppeln. Mit der beigelegten Rückpost würden wir dann gerne noch den formalen Teil abwickeln. Er werde uns die Dinger bereitlegen, aber die Ware ist meist mit Fingerabdruck gekoppelt, da sei ein Einchecken unausweichlich. Wir versprachen, in der Waffenkammer vorbeizugehen, um nachzuprüfen, ob die Prozesse schon alle in Gang gekommen sind, ja die Stundensätze sind variabel und Spesen extra. Ich war froh, dass ich meine Paintball-Pistole gegen eine richtige Kanone austauschen konnte. Farben bringen Schwung ins Leben, aber die Absicht des Shooter-Spieles ist ja eben der Unschwung im Leben, eigentlich diametral entgegengesetzt.
Da hatten wir plötzlich einen Moment Funkstille, et puis? Ein kleines Seminar in Management? Oder sonst irgendeine Ausbildung? Die Auswahl ist vielfältig in diesen Organisationen: vom Joga mit ayuverdischen Auslassungen, bis zum themenzentrierten Austausch konvergaler Affinität. Wir waren wirklich überrascht, was die HR-Abteilung alles anzubieten hatte. Nach einem kurzen Austausch waren wir der Ansicht, dass dieser Teil der Unternehmung einmal genauer ins Aug gefasst werden sollte, zudem war die Personalakte der Verantwortlichen mit Photo.
Mittlerweilen kannten wir die Wege der ganzen Villa. Der kürzeste Weg war wie immer, über die Küche, jeden Tag eine Portion Gemüse und Früchte. Die Küche hatte einen 24-stunden Betrieb. Auf dem Nachhauseweg schauten wir im back office vorbei, aber HR war schon weg. Somit hatten wir den grössten Teil des Tagesprogrammes abgeschlossen.