Der grosse Tag! Dan Dee wird heute auftauchen. Wir haben alles gemacht, das in unserer Macht steht. Die Küche war instruiert, le Chef hatte uns versprochen, dass er sich noch übertreffen werde und wenn ihm das gelingt, dann kann das ja lecker werden. Der Chauffeur hatte auch seine Instruktionen, die Begleitmannschaft war avertiert und die Route ausgekundschaftet. Ich hatte auch das Mittel, das wir dem Günstling der Frauen unterjubeln wollten: Elmersalz. Den Tipp habe ich von meiner Bekannten erhalten, die eine klassische Apothekerlehre gemacht hat und sich mit solchen Sachen auskennt. Das wirkt durch jeden Fall – durch und durch. Mit dem Don war alles abgesprochen, was er wissen musste. Wir hatten natürlich die Freiheit der Führung ein wenig strapaziert. Er braucht ja nicht alles zu wissen und nach zwei, drei satten Repliken auf seine bohrenden Fragen hatte er das Interesse verloren und wandte sich lieber wieder seinen eigentlichen Geschäften zu: Sex und Drogen. Er hatte uns aber noch einmal ausdrücklich ermutigt, dass der Dandy auch etwas rechtes auf die Fresse bekommen soll. Auch das haben wir versprochen, wenn wir beide uns auch ohne weitere Worte übereins waren, dass wir so wenig Gewalt wie möglich anwenden wollten. Aber eben, die Fassade sagt ja, wenn der Chef bellt. Schliesslich unterschreibt er die Lohntüte und die soll ja noch weiterhin schön fett bleiben. Asy hatte sich eine dieser Pinguinanzüge besorgt. Diese Kluft war angesagt, wenn der Don in seinem Hause illustre Personen empfängt. Ich hatte ein wenig Bedauern mit Asy, da alles so schnell gehen musste, konnte er es sich nicht leisten, wählerisch zu sein – es war alles ein wenig eng und zwickte ihn unter den Armen. Aber es war ja nur für kurze Zeit. Wir kümmerten uns um alles und als es darum ging, die Sitzordnung zusammenzustellen, fiel es mir unheimlich schwer, mich festzulegen. Sollte ich Dan Dee der Diva gegenüber setzten oder ihr zur Seite? Mit einem kleinen Hintergedanken, setzte ich ihn rechts von ihr, links den Don und mich gegenüber. Schliesslich musste ich den ganzen Plot im Auge behalten und wenn mir da ab und an das Décollté der Diva über den Weg kam, dann war das nur der Verdienst eines hoch engagierten Bodyguards.
Als es Zeit war, setzte ich mich auf den Beifahrersitz des RoRo (zärtlich für Rolls Royce) mit dem wir den Frauenheld abholen. Wir hatten sogar ein Funknetz aufgebaut. Mit verschlüsselten Funkgeräten standen wir in dauerndem Kontakt. Die Übertragung war chiffriert und wir hatten eine Liste mit den wichtigsten Durchsagen. Zum Beispiel, das Objekt bewegt sich Richtung Ziel heisst im Funktext: der Lindwurm rekelt sich bald im Loch. Der Vorposten, den wir im Hotel stationiert hatten, hatte durchgegeben, dass Valentino auf seinem Zimmer sei, in Begleitung seines Kammerdieners, den er auf allen seinen Reisen bei sich hat. Also frischen Mutes unterwegs und den Dauerlutscher fesch an der unteren Lippe angehängt, Telly hätte sich nicht besser darstellen können. Ich war schon beeindruckt von der Eleganz und dem Komfort, den ein RoRo zu bieten hat. Aber ich liess mir natürlich gar nichts anmerken. Das Fussvolk braucht ja der Stimmungslage seiner Chefs nicht ungeschminkt ins Auge blicken. Einen Moment lang zögerte ich sogar meinen Vorsatz umzustossen, dass mein nächstes Auto ein Maserati Quattroporte sein wird.
Ohne Zwischenfall erreichten wir das Hotel. Der Pförtner kam angerannt und öffnete den Spund. Da merkte ich meine Fehler. Ich hätte hinten einsteigen sollen, in einem RoRo ist der Status an die hintere Sitzbank gekoppelt. Ich hatte alle Mühe, die Aufmerksamkeit des Portiers auf mich zu lenken und kann heute noch nicht verstehen, wieso er so lange zögerte, meine Tür aufzumachen. Als Dank bekam er kein Trinkgeld und ich ging erhobenen Hauptes in die Hotelhalle. Dort gab ich der Empfangsdame meine Karte und erläuterte mein Begehr. Den Begriff hatte sie gewählt, als sie mich ansprach. Die einleitenden Worte und meine Aufforderung, mir ihre Handynummer zu geben, da mein Begehr nicht unbedingt im Öffentlichen erläutert werden sollte, missachtete sie geflissentlich. Aber in Null Komma Nichts war sie in Verbindung mit der Präsidentensuite, wo Dan Dee logierte.
„Bitte warten Sie in der Halle, Mister Dan Dee wird in wenigen Minuten nach unten kommen.“
Ich versuchte, ihr noch ein Lächeln zu entlocken, aber sie war sehr beschäftigt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, welchen Mehrwert sie schuf, wenn sie die Büroklammern der Grösse nach sortierte. Aber was jucken mich die Effizienzsteigerungsmassnahmen der Gastwirtschaft und so trollte ich mich in die Lobby. Ich hänge gerne in Hotellobbies herum. Da ist immer was los. Leute kommen, Leute gehen und in so einem Edleschuppen sind die Leute meist entweder elegant oder schön oder sogar beides. Es war gerade die Zeit, wo die Leute ausgehen und ich kam voll auf meine Rechnung. Ich verstrickte die Zigaretten-Lady in ein Gespräch, langweilte mich aber schon nach wenigen Sekunden, denn sie wollte nur eins, Zigaretten verkaufen und mit diesem Übel habe ich schon vor einiger Zeit aufgehört. Wie das zustande gekommen ist, wäre einen Exkurs wert, aber in der Zwischenzeit ist Dan Dee aus dem Lift gestiegen und somit waren meine Prioritäten wieder säuberlich aufgeschnürt.
„Sind Sie der Mann, der mich zum Don bringt?“ Ich hatte das Erkennungszeichen gegeben.
„Zu Ihren Diensten.“
12.5.06
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