17.5.06

encore et encore - LA Diva - trublion de mon âme

Sie lächelte sanft und schien ihren Auftritt zu geniessen. Was mich befremdete, war das Fehlen des Dons. Wo steckte er? Es war nicht seine Art, die Gäste nicht zu empfangen, aber er war ja nicht so angetan von der Idee, mit dem Hahn aller Hühner an einem Tisch zu sitzen. Ich konnte ihn vollends verstehen, mir ging es nicht besser. Oder doch! Ich hatte ja einen Plan und da ich ihn selbst geschmiedet habe, durften einige Funken aus der Esse dem Kerl unter die Haut!
Das Ei war mittlerweile ausgestiegen und machte einen Laut, den ich nicht wiedergeben kann, breitete die Arme aus und schritt langsam die Treppe hoch. Dabei hatte er ein so breites Grinsen.
Ich hatte grosse Lust, ihm in den Hintern zu treten, aber das hätte mir sicher den Zorn La Divas eingetragen und wie schon mehrmals erwähnt, ihr kann man nichts zu Leide tun. Nur die dümmsten Kälber wählen sich den Metzger selber. Ich hielt mich zurück.
„Ruhig, ganz ruhig.“ Asy hatte sich zu mir gesellt und er kannte meine Fähigkeit, aus Elefanten Mücken zu machen, die ich dann mit Wonne plätte. „Wir kriegen noch unsere Chance und er sein Fett weg.“ Weiss der Geier, wo er diese geschwollenen Ausdrücke aufgabelt.
La Diva führte den Gast in die Bibliothek, wo die Cocktails ausgeschenkt werden. Da hatten wir nichts verloren.
Was mich beunruhigte, war dass der Don noch immer nirgends zu sehen war und sie so mit dem Lüstling ganz alleine war. Also so schnell wie möglich in die Überwachungszentrale. Die Kamera in der Decke der Bibliothek ist zwar nicht sehr lichtstark, aber man sieht genau genug. Wir stürzten mehr oder weniger mit der Tür in den Raum. Zum Glück eher weniger als mehr, sonst hätten wir den Don erschlagen, der sich auch schon dort befand.
Er hatte einen leichten, weissen Schaum auf den Lippen und murmelte Obszönitäten. Verärgert blickte er auf, aber als er sah, dass wir es waren, heiterte sich seine Miene ein wenig auf. „Ahh, les experts! Können sie es richten, dass die Kamera den richtigen Teil des Zimmers zeigt? All die Knöpfe haben sich gegen mich vereint…“ Mit hektischen Bewegungen versuchte er den Steuerorganen der Kamera seine Absicht kundzutun. Asy hatte schon auf den ersten Blick gesehen, dass der Don an der falschen Konsole hantierte, richtete es aber so ein, als wäre eine schwerwiegendes technisches Versagen die Ursache für die Fehlfunktion.
Schnell hatte er alles eingerichtet, dass wir sehen konnten, was sich in der Bibliothek abspielte. Es war nichts besonderes, die zwei standen einfach so rum und hatten beide ein Glas in der Hand und sie sprachen, wenn auch angeregt.
„Was sagen sie?“
„Leider haben wir keine akustische Überwachung und bei dieser Bildauflösung kann ich nicht von ihren Lippen lesen.“ Asy erstaunte mich immer wieder.
„Wenn wir bloss hören könnten…“ Gerade in diesem Augenblick sahen wir La Diva laut auflachen. Was hatte ihr der Günstling wohl gesagt?
„Ich werde gleich morgen veranlassen, dass die Bibliothek und auch die Bar mit Mikrophonen ausgerüstet werden.“ Asy voll auf Business eingestellt. Ich war froh um meinen guten Einfluss auf meinen Freund. Der Don nickte anerkennend.
„Ahh, wenn nur alle meine Angestellten so drauf wären… Die Corleone hätten nie eine Chance gehabt. Aber das werden wir zu einer anderen Zeit besprechen. Signori, wenn wir wissen wollen, was die zwei besprechen, dann gibt es nur eins. Gehen wir in die Bibliothek.“ Er sah mich mit einem ernsten Blick an. „Davide, wenn sie merken, dass mir die Nerven durchbrennen, dann führen sie mich aus dem Zimmer. Das ist eine sehr heikle Mission, denn wenn ich zornig bin, dann verliere ich die Kontrolle und … Aber sie werden das schon schaffen. Und wenn nicht, dann kriegt der Schleimling eine ordentliche tracht Prügel, bevor ich ihn den Hunden vorwerfe…“ Dabei lachte er diabolisch. Gab es keine Möglichkeit, ihn daran zu hindern, dass er nach unten ging?
Meine Neuronen waren auf Hochtouren, aber man kann ja nicht erwarten, dass das immer die verlangten Resultate bringt. Drum blieb mir nichts anderes übrig, als dem Hausherrn nachzulaufen. Die Aussicht, dass er den Schleimer mit einem Tritt aus dem Haus beförderte gab ihm genug Auftrieb für eine leichtes Lächeln. Somit war sein Auftritt in der Bibliothek weniger streng. Das trug vieles dazu bei, dass die Stimmung nicht allzu frostig wurde.
Der Tanz meiner Neuronen war nicht ganz umsonst. Ich ging zum Fernseher, der dort in der Ecke stand und drehte dem Sportkanal den Ton weg. Aus Beobachtung wusste ich, dass der Don gerne Golf spielte und auch der Liebling hatte eine Kette mit einem Golfschläger aus Titan und Diamanten. Mein Glück wollte es, dass gerade die Masters in Dubai übertragen wurden. Sofort waren die beiden Mannen auf den Screen fixiert und als der Don einen bewundernden Grunzer zu einem gelungenen Abschlag machte, kamen die beiden in eine Fachsimpelei. La Diva hatte diesen Wechsel der Aufmerksamkeit natürlich auch mitbekommen und schoss mich mit ihrem Blick ab. Wenn ich noch gekonnt hätte, der Fernseher wäre im hohen Bogen aus dem Fenster geflogen. So konnte ich nur entschuldigend die Schultern zucken und mit meinem Hundeblick um Verzeihung bitten. Ich musste auf einen empfindlichen Nerv getroffen haben. Sie machte mir den Schimpf-Finger, hatte aber ein verschmitztes Lächeln in der linken Mundecke. Somit war für mich der Tag gerettet.
Aus dem hinteren Teil des Hauses hörten wir den Gong, der verkündete, dass die Küche jederzeit bereit ist, anzurichten. Der Don ergriff die Chance, den Abend so schnell wie möglich hinter sich zu bringen und führte den Lieblichen mit sanfter Gewalt in den Esssaal. Dort roch es aus allen Rohren. Der Koch hatte es so eingerichtet, dass die feine Dünste aus der Küche im Esssaal zu verspüren waren. Mir lief das Wasser im Munde zusammen und ich konnte wieder einmal mehr als nur leer schlucken. Eine gewisse Nervosität machte sich in mir breit. Hoffentlich hatten wir an alles gedacht. Jeder Fehltritt wäre als solcher fatal und der Don hatte ganz klar zu verstehen gegeben, dass er nur vollen Erfolg erwartete. Zum Glück hatten wir alles minutiös geplant.
Der erste Gang war ein amuse-gueule, wie es im Buche steht. Eine kleines Blätterteigplätzchen, das mit kleinen Pochetten von edlem Essig und aromatischen Olivenölen durchsetzt war. Wenn man darauf biss, dann platzten diese Pochetten und ergossen sich als wahres Wunderwerk kulinarischer Erhabenheit. Das funktioniert natürlich nur mit den besten Zutaten, aber der Chef hatte die nötigen Kredite. In einer Unterhaltung, die wir kürzlich beim Frühstückstisch hatten, erzählte er mir, dass er während der drei Sommermonate, die der Don auf seiner Privatinsel verbracht, eine Einkaufstour rund um den Globus mache, ob ich mitkommen wolle?
Die anderen Gänge stunden diesem Primeur in nichts nach, aber in der Aufregung habe ich alles vergessen. Die Unterhaltung verlief einigermassen harzig. Der Don hatte darauf bestanden, dass im Hintergrund der Sportchannel weiterlaufe und so waren viele Blicke auf die Mattscheibe gerichtet und nur Bemerkungen, die in direktem Zusammenhang mit Dargebotenen wurden von den anderen quittiert. Es war auch ein sehr spannendes Spiel, die Champions der beiden Weltverbände messen sich zum ersten Mal in einem direkten Vergleich. Der Don war zudem nicht nur sportlich interessiert. Durch sein Syndikat hatte er einen grossen Einfluss auf den einen Verband. Der Verband der den Sieger dieses Tourniers stellte, konnte darauf hoffen, den Reibach aus Werbung und Sponsoring stark zu erhöhen. Eine ganze Industrie schaute gebannt auf die kleinen genoppten Bällchen. Im Moment waren beide gleich auf beim 11. Loch 13 unter par. Was das bedeutet, habe ich immer noch nicht begriffen, denn in der Zwischenzeit hatte ich ein ganz anderes Problem.
La Diva!