„Maskenbildner machen ein Double.“
„Wir verwenden so was wie das Papstmobil, dann brauchen wir nur die richtige Silhouette.“
„Auf jeden Fall sollten wir verhindern, dass die Kanäle mit Gas geflutet werden, da braucht ja nur einer ´ne Kippe in den Gulli zu schnippen und wir haben den Salat.“ Die Anspielung auf das verpasste Nachtessen war geschmacklos.
Der Einwand fand allgemeine Zustimmung und wie auf Kommando zückte das ganze Schwadron seine Kommunikationsmittel und es ging los. Das städtische Gaswerk, die Katastrophenpolizei, die Feuerwehr („Nein, es ist keine, ich wiederhole, keine Übung“), der Blindenhundeverein (wer die alarmiert hatte, was später nicht mehr feststellbar, sie sollten aber ihre wichtige Rolle spielen), eine Pikettmannschaft an Sanitätern und mehrere Rollen Leichensäcke („Ja, auch Kindersäcke, wir erwarten einen Schadensfall, der Kategorie zivil-zivil mit Kind und Kleintiereinheiten.“ Ein eingespieltes Team, jeder hatte zu tun. Und alle taten genau das.
„Wo nehmen wir eine Gigolo her? So wie der sehen nur wenige aus. Ich kann ihnen eine Lied davon singen, seit meine Frau, seine Filme gesehen hat, wartet sie nur noch auf diesen Tag.“
Es brach eine heftige Diskussion aus, ob es mit der Staatsräson verträglich war, dass die Teammitglieder zuhause anriefen und unter einem Vorwand ihre Frauen (es wäre sicher keinem der Männer in den Sinn gekommen, diesem Umzug beizuwohnen) vom Besuch des Defilees abhielten. Die Hardliner setzten sich durch. Es durfte auf keinen Fall etwas nach draussen dringen, das die Operation gefährden könnte. Collateral damages nehmen wir in Kauf und wenn es die eigene Familie ist. Semper fi!
Auf der schicken Videowand (87566 horizontale und 20548 vertikale Zeilen) zeichneten sie mit abwischbaren Filzern die Positionen ein, von wo aus die Angriffe auf die Terrorgruppe ausgehen sollten.
„Wenn wir sie nur früh genug orten können.“
„Haben wir die Gasventile im Griff?“
„Hat jemand ein Ladegerät?“
„Wo sind denn hier die Sandwiches?“
„Hat jemand eine Vitamintablette?“
„Sind wir bereit?“
„Wer ist eigentlich in charge?“
„Habe ich sie richtig verstanden?“
„Häh?“
Und so weiter im Chor, alle summten und brummten, die Motoren bullerten, der Weg war vorgegeben. Wir hatten nur eins bis zum Finale, gespanntes Warten. Ich hatte wahrscheinlich die grösste Distanz zu den Ereignissen, da ich ja nicht direkt betroffen war. So konnte ich es mir leisten, ein wenig durch die Gänge zu trollen. Die Gang der starken Kerle hatte seinen Perimeter weiter draussen abgesteckt und so liessen sie mich in Ruhe. Die Zentral war eine herrliche Sache. Die meisten Türen waren verschlossen, aber ich bin ziemlich gewandt mit meinen Werkzeugen und so konnte mir keine widerstehen. Schlösser knacken ist das A und O der Diebesgilde und dort hatte ich mich schon von klein auf eingenistet, noch bevor ich bewusst meinen Beruf wählte. Der eine Raum war sehr sonderbar. Ausser einem steinigen Quader war da kaum was, ein wenig Steinmehl in den Ritzen und den Spalten, in der Mitte des Raumes der Klotz aus feinstem, serbischem Gneis. Der Lieferschein war mit einer schönen bunten Marke beklebt, die wollte ich meinem Patenkind mitbringen. Was dieser Stein wohl auf sich hatte – wahrscheinlich eine neue Foltermethode, wer nicht singt, muss auf Stein beissen, oder so. Na, wenn denen nichts Schlimmeres einfällt. Ich war ja bis anhin Nettobezüger, was den Staatsäckel betraf. Und daher konnte ich mich ja wohl kaum beschweren. Wer zahlt, befiehlt, wer nichts zahlen kann, der empfiehlt sich.
Sonst war kaum was zu holen in diesem Raum und da ich ein ordentlicher Mensch bin, verriegelte ich die Türe wieder.
In den anderen Zimmern hatte ich noch weniger zu suchen und also war auch die Ausbeute eher gering. Das einzige, das ich mir an Land zog, will heissen, einsteckte: eine silberne Nadel, die mich als Offizier der heimischen Patriotenfront ausweisen konnte. Nützlich solche Dinger, wer hat sich nicht schon mit dem Gedanken getragen, von Koeppenick zu spielen. Ich steckte sie mir an und nahm vor meinem inneren Auge die stramme Parade ab. Ich hatte, was es brauchte, um eine Führungsrolle zu übernehmen, es fehlten bloss die Untergebenen, doch diese waren ja dabei sich zu gruppieren.
In der Zwischenzeit hatte sich die Taskforce entschlossen, dass sie mit einem Double agieren wollten, das sei einfacher, als das Pabstmobil aufzutreiben und überhaupt, wer wolle schon in so einem Affenkasten durch die Gegend fahren?
„Wo ist eigentlich dan Dee?“ wollte einer der Siebengescheiten wissen.
„Gute Frage. Dachte mir schon, dass ihnen gar nichts an diesem Typen liegt. Aber leider kann ich die Frage nicht beantworten. Ich habe noch keine Zusage, dass alle Anklagepunkte gegen mich fallengelassen werden und diese hätte ich gerne, bevor ich weitere Verhandlungen auch nur in Betracht ziehe.“ Ich konnte mir eine dicke Lippe leisten. Hatte ich doch die beste Story des Jahrzehnts mitgebracht und sie alle durften darin teilhaben.
„Du kommst dir wohl besonders schlau vor? Wir haben Zärtelchen schon lange im Zugriff, wo könntest du den hin mit einem wie den? Auch deine Beziehungen zum Don werden im Moment genau untersucht. Vielleicht, ich betone vielleicht, werden wir einige Punkte der Anklageschrift fallen lassen, wenn uns die Terroristen ins Netz gehen. Wenn wir Kah Osz erwischen, dann wasch ich dir den Persilschein persönlich, aber der wird ja kaum an dieser Ops teilnehmen.“
Ich mimte wieder den Versöhnlichen, man beisst ja nicht die Hand, die deine Leine hält.
„Wollte nur wissen, ob ihr noch am horchen seid, oder ob die ganze Sache über eure Köpfe steigt.“
Die Zeit war fleissig unterwegs und wir mussten uns auf den Weg machen. Wir bedeutete nicht, dass wir zusammen reisten. Ich durfte unter Begleitung einiger Pneumännchen in die Kantine. Meine Anspielungen auf den Kalamaressalat und die bevorstehende Schlachterei geriet dem einen derart in die Nase, dass er sich fast in die Eisdiele übergab. Dies bot Anlass für allgemeine Erheiterung. Ich konnte die Jungs dazu überreden, die taktischen Kommunikationseinheiten auf Lautsprecherbetrieb umzustellen. Im Moment war nur statisches Rauschen zu vernehmen und ich versuchte, den Teil herauszuhören, der durch das Nachdröhnen des Urknalls entsteht.
„Klugscheisser“ titulierten sie mich, als ich ihnen diese Finesse erklären wollte. Es geht halt doch nur in den Filmen, dass die mit den grossen Muckis auch rege Neuronen haben. Da sie nicht wollten, dass ich mit ihnen am gleichen Tisch sass, gaben sie mir eines der Reserve COLT client (combat online links and transmission). So konnte ich mich ein wenig umtun und brauchte nicht artig am Rockzipfel meines Wohltuers zu hängen.
Denn irgendwie war das ja meine Operation. Wer hatte DIE wichtige Information? Wer hatte DEN taktischen Durchblick? Wessen Magen knurrt so laut, dass er seine eigenen Ideen nicht mehr hörte? Ich, ich und ich.
„Mahlzeit!“ sprach’s und ging. Einige sahen mir ganz hungrig nach und schluckten wohl wie wild den Speichel. Ich hatte alles im Griff. Die Rechnung zu Lasten des Hauses, da waren die Weisungen vom Chef ohne Deut und Zweifel. Ich musste zweimal gehen, die Sachen passten nicht alle aufs Tablett.
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