7.6.06

Triangulation

Sie waren noch nicht soweit. Also einen kurzen Repeat-schlaufe.
„Wenn du auf mich hörst, dann hast du Chance ein Held zu werden.“
„Warauf warten wir noch? Let’s go.“ So hat jeder Befuf seinen Jargon und spricht darauf an. Ich führte den Tross in den Raum. Als sie in das Loch schauten, begriffen sie sofort.
„Was sollen wir jetzt tun?“
Ich verteilte die Arbeit. Einer setzte eine Meldung an Pohl ab. Er solle auf einer sicheren Linie in die Zentrale anrufen. Ein anderer schnitt mit Laser den Stein entzwei. Ein dritter holte mir eine Erfrischung in der Kantine und Chefprotz setzte sich auf einen Stuhl, weil er so aufgeregt war. Pohl rief sofort zurück, ich erklärte ihm das nötigste und verbat mir alle Fragen nach dem woher und wieso – einfach facts und die im Stakkato. Er versprach mir den Spezialisten in Frequenzologie zu schicken. Wir mussten ja den gleichen Check noch einmal machen. Aber jetzt mit einer anderen Frequenz. Für die, die noch nicht das ganze Bild vor Augen haben: in dem Hohlraum in diesem Gneis befand sich der Sender, mit dem die Terroristen die Funzel, den Zünder in der Kanalisation aktivieren wollten. Dieser Sender im Stein hatte seinerseits eine Fernsteuerung! Und diese ritt sicher auf einer anderen Welle, sprich Funkfrequenz. Also mussten wir eine weitere Peilung schalten, wenn wir den Standort des Befehlsgebers ermitteln wollten. Die Peilsender, die wir en place hatten, würden als Herkunftsort den Stein ergeben. Wahrlich kein exploit, wenn der zentrale Dienst bekanntgeben muss, dass der „Funkspruch“ zur Zündung aus den eigenen Mauern gekommen ist. Wir hatten nur noch ganz wenig Zeit, draussen auf den Strassen begannen die Massen (alles Frauen, was die wohl an dem Typen mit gumiertem Haar haben?) die Route des Umzuges zu säumen. Es musste alles Schlag auf Schlag gehen. Die Spezialisten kamen angerauscht und mit ihren bewährten Methoden hatten sie schnell die nötigen Informationen. Es ist jedesmal ein Vergnügen, wenn man Ingenieuren zusehen kann, die ihre Sache verstehen. Sofort ging eine ganze Reihe von Instruktionen über den Äther, die Peilsender wurden neu ausgerichtet und alle waren guter Hoffnung. Nicht in anderen Umständen, aber trotzdem: guter Hoffnung. Pohl verteilte die Leute der strategischen Reserve über die Stadt. Mich nahm er mit in die fahrbare Einsatzzentrale.
Wir fuhren auf den Tangentialen der Stadt, jederzeit bereit, mit Blaulicht und Martinshorn in die Gegend zu fahren, aus der der Zündbefehl kommt. Auf einem Bildschirm sahen wir die Übertragund des städtischen Fernsehens. Bilder der Menge, ab und an ein Schwenker auf die Pforte, aus der Dan Dee kommen wird. Der Reporter hatte nichts zu sagen, was er mit einer bemerkenswerten Stoik tat. Bis:
„In wenigen Minuten wird der Held der Träume unserer weiblichen Zuschauer durch diese Pforte fahren. Aufgrund von Drohgebärden aus dem Lager der renaturierten Machisten wird er leider nicht unter freiem Himmel durch die Massen wandeln, nein, er muss leider in einem geschlossenen Käfig aus Glas Platz nehmen. Die Gefahr, dass ein bemitleidenswerter Verirrter ihm an den Kragen will, ist zu gross. Zelebriät hat ihren Preis…“ Er sprach noch weiter, aber wenig von Belang.
Wir sassen auf Kohlen und der Hintern schmerzte.
„Er kommt!“ Der Aufschrei war schon fast physisch spürbar. Die ganze weibliche Bevölkerung der Stadt wurde von einem Prickeln durchfahren und aus Vorfreude wurde Vorspiel und Vorliebe, alles imaginär, aber dadurch kaum weniger physisch. Ein kollektives Verlangen nach der Nähe dieses Galans.
Ich wurde gefragt, wie das genau war mit dem Stein, wie es soweit kam, dass ich den Sender gefunden habe. In meinem Bericht steht ja was von Laser und kleinen Löchern, die ich gebrannt habe und so weiter, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. In einem (seltenen) Anfall von Eitelkeit, wollte ich beim Verfassen des Berichtes die Wahrheit ein wenig beschönigen und darum:
Zugegeben, das mit dem Lasergerät und dem Stein war nicht so. Ich wollte nicht eingestehen, dass ich vor lauter Frustration einfach mit einem Vorschlaghammer auf diesen Klotz eingehauen habe und dabei auf den Hohlraum mit dem Sender gestossen bin. Darum diese gewundene Beschreibung, all das an Haaren herbeigezogene, dieser Schmu und das Fabulöse, kurz, alles was ich mit dem Stein machte. Der Leser vergisst diesen Ausrutscher und freut sich je länger, je mehr auf die Fortsetzung. Jetzt ist auch diese Sache bereinigt und wir können weiter im Text.
Also, alle haben dieses Prickeln und wir sehen auf dem Schirm, wie sich das Tor öffnet und das Gefährt mit dem Affenkasten aus Glas herauskommt. Die Maskenbildner haben wirklich gute Arbeit geleistet: dan Dee wie er leibt und lebt, kein Zweifel. Ich hätte gerne gewusst, mit welchen juristischen Formulierungen im Arbeitsvertrag des armen Komödianten die Risiken einer Explosion ausgeschlossen wurden. Es war ja nicht anzunehmen, dass er diese Rolle übernommen hat, ohne sich wenigstens zu fragen, wie es dazu kommt, dass ihn der Geheimdienst anheuerte.
„Fred macht das ausgezeichnet.“ Aha, die nehmen die eigenen Leute für solche Jobs.
Die Prozession rollte langsam durch die Stadt. Die Mädels und Frauen brechen in eine Begeisterung aus, die sich nie und nimmer rechtfertigen lässt, es handelt sich schliesslich nur um einen Mann. Aber eben, die Weiblichkeit ist schwer zu verstehen und das wohl noch so lange sie etwas zu sagen hat. Wir waren alle gespannt und in unserem Fahrzeug konnte man die Luft schneiden, so dick war sie. Man hörte nur noch das Atmen des Personals und das Surren aus den Lüftungsschlitzen. Noch wenige hundert Meter, dann musste der Funkspruch kommen oder wir waren umsonst auf Draht. Meter um Meter. Einschnaufen, ausschnaufen, durchatmen. Jetzt war es soweit, der Tross war genau an der Stelle, wo der Zünder gelegen hat.
„Hatschi!! Oh pardon.“ Es war mir nicht gelungen, den Nieser zu unterdrücken. Damit hatte ich leider die Signale übertönt, aber die heutige Technik ist ja nicht nur auf akustische Auswertung angewiesen, es gibt ja noch die graphische Darstellung. Die Überliess ich den Fachleuten.
„Posten 1, wir haben ein Signal!“ Der Posten auf dem Dach der Molkerei.
„Posten 2, wir auch!“ Der Posten auf dem Balkon des Cabaret Rote Mühle.
„Und?“ Niemand kümmerte sich um mich - eingebildete Bande.
„Komm schon, komm schon!“ Pohl hatte etwas Beschwörendes.
„Worauf warten wir noch, zwei Geraden auf der Karte, ein Schnittpunkt und zack, zugeschlagen, wenn ihr noch lange Händchen halten wollt, dann wenigstens einige mit Handschellen dran.“ Wenn die nicht wissen, wie man das macht, dann kann ich ja mal nachhelfen.