Wir waren sehr früh aufgestanden. Das gehörte zu unserem Plan. Als erstes gingen wir ein Brötchen essen. Dann fuhren wir mit der Strassenbahn zum Zonenspital. Dort wurden die toten Gammler der Stadt abgeliefert. Und genau so einen brauchten wir. Das Problem war, dass wir noch nicht wussten, wie wir uns einen Toten besorgen sollten. Am Empfang stiessen wir schon auf das erste Hindernis. Ohne Grund und Passierschein war kein reinkommen. Bedripst stunden wir am Empfang und überlegten, wie wir doch noch unseren Plan umsetzen könnten. Da fuhr eine Sanität an den Lieferanteneingang. Das Tor öffnete sich und ein Dicker mit nacktem Kopf rief dem Fahrer zu: „der kann ja warten, der ist ja schon tot, komm wir gehen erst in die Kaffeepause“. Wir profitierten und schlichen uns durch die offene Tür. In der Gefrierkammer stiessen wir auf das zweite Hindernis. Die Toten sind schon lange da und da sie tief gefroren sind, sind sie ganz steif. Trag mal ’nen steifen Mann durch die Stadt. Da wurde uns bewusst, dass wir unseren Plan noch verfeinern mussten. Da kam mir die geniale Idee. Wir gingen sofort auf den Friedhof. Das Schloss zum Gebeinehaus war ganz einfach zu knacken. Wir griffen uns beide eine Handvoll und rannten was die Lungen hergaben. In einer Spunte warteten wir angespannt auf die Nacht. Kaum ein Wort zwischen uns. In einem Film hätten sie jetzt im Hintergrund einen Trommelwirbel, der langsam immer stärker wird. Aber eben wir waren in einer wenig edlen Gaststätte. Zur Mittagszeit hatten wir noch einen kleinen Zusammenstoss. Da kamen so Leute in die gute Stube, die mit dem Denken da aufgehört hatten, wo es wirklich interessant wird, nämlich da, wo man anfängt für sich zu denken, mit Werten arbeitet, Ethik und Ästhetik wichtig werden. Aber eben das ist ja nicht jedermann gegeben und in der Natur gibt es die Papageien, in der Soziologie, die Beisteher und Randfiguren. Dummerweise sind sie so einfach zu beeinflussen und die Dummenverführer haben die einfach Parolen, die sich so leicht skandieren lassen.
Solche kamen also in die Kneipe und als sie Asy sahen, begannen sie Sprüche zu machen. Über Kaffern, Makakken und ähnliches. Asy wollte aufstehen und ihnen etwas entgegnen, aber ich hielt in zurück. Im Gegenzug spendierte ich ihnen ein Bier nach dem anderen und als sie abzuwinken versuchten, machte ich einige Sprüche zu starken Worten und Schwachen Schluckern, da fühlten sie sich gezwungen, weiter zu trinken. Wir spendierten nun Schnaps und Asy und ich wetteten, welcher der Dummspechte als erster fallen würde. Diese Wette verlor ich nur zu gerne. Der mit dem gröbsten IQ fiel als erster. Zwei andere torkelten nach draussen. Wir gingen hinterher, da wir uns dieses Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Da lagen sie in der Gosse und kotzten das Bier literweise. Eins zu Null für die Kameluken. Lachend gingen wir weiter. Als es endlich einzudunkeln anfing, konnte es weitergehen. Eine kurze Fahrt mit dem Stadtbus brachte uns an den Rand der Stadt. Da hatte es vor einigen Tagen einen Brand gegeben. Wir nichts wie hin, die Knochen aus dem Sack und ein kleines Feuer angefacht. Auf dem Weg hierher hatten wir uns auch noch ein saftiges Stück Schweinebraten gekauft, das wir nun eindrucksvoll um die Knochen drapierten. Mit meiner Instantkamera machten wir einige Bilder, mit denen wir unsere Beweiskette schmieden wollten. Somit hatten wir einen toten Dieb.
Asy hatte schon am Vormittag über seine Beziehungen ein Bestätigungsschreiben für die Lieferung der Pässe angefordert und der Telex sollte schon im Hauptpostamt sein. Dies war die ganze Nacht offen, daher brieten wir den Braten und schlugen uns die Wänste voll, bis es uns fast aus den Ohren lief. Dann in einem Taxi, jetzt waren wir ja reich, reich, reich! In die Postgasse und den Telex abgeholt. Er lautete:
– receipt of documents to our satisfaction –
– recommend further business –
– greeting the DON –
– Tashkent Léons –
– code 1élleoüö6%/0127485673790lo'4'8=)86801784 –
Mit unseren Bildern und dem Telex werden wir morgen zum Don gehen. Dann glaubt er, dass wir die Pässe in seinem Namen verschickt haben und dass alles in Butter ist, der arme Kerl, der sei gestohlen hat, ist ja in dem Haus verbrannt. Wahrscheinlich müssen wir einen Teil der erhaltenen Zahlung weitergeben, aber die Summe werden wir morgen mit dem Don aushandeln. Er ist ja so grosszügig, wenn man seine Befehle gehorsam ausführt und das mit einer redoutablen Effizienz. Wir waren sicher, dass noch keiner seiner Schergen einen so diffizilen Auftrag so schnell ausgeführt hatte.
13.4.06
Inscription à :
Articles (Atom)