10.4.06
Mafia macht mächtig mulmig
Anscheinend hat es nicht geklappt, ich habe noch nichts von Asy gehört. Aber das will nichts heissen, in seiner Heimat ist morgen irgendein Zeitpunkt in der Zukunft und muss nicht innerhalb der nächsten 24 Stunden eintreffen. Um mir die Zeit zu verkürzen, war ich schnell am Bahnhof bei meinen Kollegen des Fischverlades. Ich spendierte einige Bierchen in der Pause und wir knatschten über die Götter und die Welten. Vorgestern hatten sie einige Aufregung auf dem Quai. Irgend so ein Italo war aufgetaucht und hatte sich ganz unflätig benommen. Er wollte wissen, wer hier arbeitet, wie denn der Verlad von sich ginge und dabei spielte er die ganze Zeit mit seiner Goldkette, damit die Jungs je begriffen, dass er ein reicher Tussi war und sie im gefälligst Auskunft gäbe n. Damit ist er bei meinen Ladern an die falschen geraten. Wenn sie auch nicht viel haben, Stolz fehlt ihnen nicht. Aus irgendeinem Grund ist der Eimer mit dem Wischwasser aus dem Kühllager umgefallen und ergoss sich dem Macker über die Schuhe. Dieser war einen ganzen langen Moment sprachlos und zog daraufhin einen Revolver und hätte sicher ein Blutbad angerichtet, wenn sein Kompagnon ihm nicht in den Arm gefallen wäre. Eine Frage blieb offen, was wollte der Kerl? Niemand konnte sich ausmalen, was die lokale Mafia im Fischverlad zu suchen hatte. Mir fiel der Groschen sofort, das einzige, das diesen Typ interessieren konnte, waren die Pässe, die ich in der Bank hinterlegt hatte. Scheisse, da steckte ich ja tief drin. Man liest wenig von den Machenschaften dieser Bande, weil sie ihre Methoden in der Zwischenzeit so verfeinert hatten, dass die meisten Morde als Unfall oder Selbsttötung klassifiziert wurden. Ich wollte am liebsten zu ihnen hingehen und die Pässe zurückgeben, vielleicht liessen sich mich dann am Leben, aber mit dem einen Pass, den ich Asy gegeben hatte, war mein Schicksal wohl besiegelt. Vielleicht kamen sie mir ja nie auf die Schliche und mit dem Geld, das ich aus dem Verkauf lösen werde, genügt, um mich auf eine einsame Insel zurückzuziehen. Mein Glück, dass der Schläger sich so dumm aufgeführt hatte, meine Kumpel werden dem sicher nie etwas sagen. Ich wartete mit noch mehr Spannung auf ein Zeichen von Asy. Das dann auch gleich eintraf. Ein SMS, das mich auf morgen vertröstete. Die Geschichte hatte mich ganz nervös gemacht und,um mich abzureagieren, ging ich in die stadtbekannte Disco. Dort traf man immer wieder Leute, die sich der Aufgabe verschrieben haben, einen unbekümmerten Abend zu verleben und wenn man die richtigen Worte fand, luden sie auch Fremde dazu ein, mitzutun, der Fremde sollte ich sein. Es war noch ein wenig früh und ich verbrachte die Zeit bei den jungen Mädels um meine Visitenkarte zu verteilen. Nicht die mit dem Detektiven, dafür waren sie noch zu jung, aber die mit dem Scout für Moodels, einer Modelagentur, die ich mir zugelegt hatte. Wenigsten auf den Visitenkarten. Nach dem Motto, in the moods.
Bank und weisse Trüffel
Gebaumelt hat es schon – seidenfein, so hätte sich mein Kollege Christ ausgedrückt. Erholung inklusive. Asy hat schon wieder angerufen. Es geht gut, die Reise war sehr angenehm- da sie erst so spät gebucht hatten, war nur noch erste Klasse verfügbar und er habe die ganze Getränkekarte rauf und runter geturnt. Als Folge habe er die Bekanntschaft mit den Papiertüten gemacht und die begleitenden Polizisten mussten ihn auf dem Macadam kräftig stützen. Die Kontakte die uns interessieren seien geknüpft, aber in diesem Milieu sei es normal, dass zuerst die Personalien geprüft würden und das sei alles gut so. Also machte ich mir keine Sorgen um unser Vorhaben und tätigte in weiser Voraussicht einige Einkäufe: Champagner, Gänseleber, weisse Trüffel und ein Kochbuch - denn Gänseleber habe ich noch nie zubereitet. Aus Sicherheitsüberlegungen und auch um mich in die mondäne Welt des Vermögenden einzuleben, brachte ich die verbleibenden Pass-Rohlinge in ein Schliessfach bei der Bank. Der Service war hervorragend und wenn die Lady nicht noch plötzlich andere Verrichtungen gehabt hätte, wäre es mir sicher gelungen, ihr einen Schlummertrunk zu spendieren. So ging ich alleine weiter und verbrachte den Abend schon wieder in einem Kino. Morgen wird es spannend, Asy wird die Leute treffen und dann haben wir eine Idee, wie viel die Pässe wert sind. Ich bin sicher, dass es so viel Geld sein wird, wie ich noch nie besessen habe. Mit diesen beruhigenden Gedanken schlief ich ein.
Pass auf Mann
Asy hat mir vom Flughafen aus angerufen. Es hat geklappt wie vorgesehen. In der Innenstadt ging er direkt auf die Polizisten zu und hatte sie angesprochen. Sie wollten sofort seine Papiere sehen und nach einem kurzen Geplänkel über Polizeifunk brachten sie ihn mit Handschellen auf den nächsten Posten. Irgendein Beamter verhörte ihn und nach kurzen und knappen Anweisungen ging es mit Blaulicht zu seiner Wohnung, wo er eine knappe Viertelstunde hatte, alle seine Sachen in („höchstens!“) zwei Koffer zu packen. Danach mit tuten und blinken in die Aussenstadt, zum Flughafen und dort in eine vergitterte Randregion, wo sich noch andere seiner Landsleute befanden. Aus nahe liegendem Grund war er der einzige, der sich einigermassen freute, seine Heimat zu sehen. Er wusste ja, dass er ohne weiteres mit seinem neuen Pass jederzeit wieder einreisen konnte. Ich fragte ihn, ob er daran gedacht hatte, dass Pässe nummeriert seien und dass sein Pass eventuell annulliert worden sei. Das sei kein Problem, über seine Kontakte hatte er prüfen lassen, ob dieser Pass auf einer schwarzen Liste stehe, aber da war nichts. Also guten Flug und bring mir noch ein wenig von diesem tollen Gewürz mit. Mit all diesen News konnte ich mich zurücklehnen. Bald werden wir die Pässe verkaufen, unsere, eigentlich vor allem meine Geldsorgen sind dann für einige Zeit aus der Welt und somit kann ich heute liegen bleiben. Werde dann noch ein wenig im Internet surfen, brauche unbedingt noch mehr Info zur Agentenausbildung, die mir ein Fachkollege ans Herz gelegt hatte.
Doch mit dem Surfen wurde nichts. Wahrscheinlich musste man irgendwo noch ein Passwort wissen, denn die Verbindung brachte nur wieder diese komischen Symbole, die ich weder verstand, noch verstehen wollte. Ein Kinobesuch lenkte mich ab und danach noch in den Nightclub, damit meine Männerseele ein wenig baumeln konnte…
Doch mit dem Surfen wurde nichts. Wahrscheinlich musste man irgendwo noch ein Passwort wissen, denn die Verbindung brachte nur wieder diese komischen Symbole, die ich weder verstand, noch verstehen wollte. Ein Kinobesuch lenkte mich ab und danach noch in den Nightclub, damit meine Männerseele ein wenig baumeln konnte…
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