Asy hat mir vom Flughafen aus angerufen. Es hat geklappt wie vorgesehen. In der Innenstadt ging er direkt auf die Polizisten zu und hatte sie angesprochen. Sie wollten sofort seine Papiere sehen und nach einem kurzen Geplänkel über Polizeifunk brachten sie ihn mit Handschellen auf den nächsten Posten. Irgendein Beamter verhörte ihn und nach kurzen und knappen Anweisungen ging es mit Blaulicht zu seiner Wohnung, wo er eine knappe Viertelstunde hatte, alle seine Sachen in („höchstens!“) zwei Koffer zu packen. Danach mit tuten und blinken in die Aussenstadt, zum Flughafen und dort in eine vergitterte Randregion, wo sich noch andere seiner Landsleute befanden. Aus nahe liegendem Grund war er der einzige, der sich einigermassen freute, seine Heimat zu sehen. Er wusste ja, dass er ohne weiteres mit seinem neuen Pass jederzeit wieder einreisen konnte. Ich fragte ihn, ob er daran gedacht hatte, dass Pässe nummeriert seien und dass sein Pass eventuell annulliert worden sei. Das sei kein Problem, über seine Kontakte hatte er prüfen lassen, ob dieser Pass auf einer schwarzen Liste stehe, aber da war nichts. Also guten Flug und bring mir noch ein wenig von diesem tollen Gewürz mit. Mit all diesen News konnte ich mich zurücklehnen. Bald werden wir die Pässe verkaufen, unsere, eigentlich vor allem meine Geldsorgen sind dann für einige Zeit aus der Welt und somit kann ich heute liegen bleiben. Werde dann noch ein wenig im Internet surfen, brauche unbedingt noch mehr Info zur Agentenausbildung, die mir ein Fachkollege ans Herz gelegt hatte.
Doch mit dem Surfen wurde nichts. Wahrscheinlich musste man irgendwo noch ein Passwort wissen, denn die Verbindung brachte nur wieder diese komischen Symbole, die ich weder verstand, noch verstehen wollte. Ein Kinobesuch lenkte mich ab und danach noch in den Nightclub, damit meine Männerseele ein wenig baumeln konnte…
10.4.06
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